Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 40 (25.10.1919)
- Date
- 1919-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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St-te 4 Nr. 40 a) mit dem PaWistiiiaressort des Verbandsbüros und mit dem Arbeitssekretariat in dauerndem Verkehr zu stehen; b) die Tätigkeit für die Palästina-Institutionen zu organisieren, für die sie auf ürund von Beschlüssen der Wcltkonferenzen oder der Parteitage zu wirken verpflichtet sind: c) die Arbeiterinformation für Palästina und die Registrierung und Organisierung der Arbciterelementc in die Hand zu nehmen, die nacb Palästina zu gehen bereit sind; d) eine breite literarische Information über Palästina und die Aktivität der jüdischen Arbeiterschaft für und in Paliistina zu führen; e) die Organisierung der Pionierbewegung zu fördern. Resolution betreffend die Palästina-Kommission. Die Beratung bestätigt den BeschluIi des Verbandsbüros, eine A r b e i t e r k o m in i s s i o n n a c h P a I ä s t i n a mit folgenden Aufgaben zu entsenden: a) Die Möglichkeiten einer wachsenden Einwanderung für jüdische Arbeiter nach Palästina zu studieren; b) über die Orundprobleme einer breiten Vrdkssiedhmg auf den Grundlagen von Arbeit und freier Kooperation Klarheit zu schaffen; c) und im Einvernehmen mit der Arbeiterschaft in Palästina ein Programm der ökonomischen, kulturellen, kolonisatorischen und genossenschaftlichen Tätigkeit des jüdischen Proletariats in und für Palästina für die nächste Zeit auszuarbeiten. . , Die Beratung beauftragt die Palästina-Kommission, die Fragen der Tätigkeit des Palästina.-Arbeiterfonds zu studieren und den Plan einer genossenschaftlichen Arbeiterbank vorzubereiten. Die A r b e i t e r - l< o in m i s s i o n soll aus den Mitgliedern bestehen, die von der Beratung gewählt wurden, aus drei Yertietern der Vereinigung ,,Aehduth Haavodah", aus Delegierten der Landesparleien und aus den vom Verbandsbüro zu bestimmenden Mitgliedern. Der Bericht der Kommissionen soll der nächsten Weltkonferenz des ISA-Verbandes Poale-Zion unterbreitet werden. Resolution zur Frage des jüdischen Weltkongresses. Die Beratung beschließt, die Frage des allgemeinen jüdischen Weltkongresses auf die Tagesordnung der nächsten Weltkonferenz zu setzen und beauftragt das Verbandsbüro, für die Klarstellung der Frage auf dem Wege einer breiten Diskussion in den Landesparteien Sorge zu tragen. 9. Resolution zur Frage der zionistischen Palästina- Kommission. Die Beratung ist der Ansicht, daß die Vertretung des Verbandes Poalc-'Zion in der reorganisierten zionisti- Ch c n P a las t i n a - Ko in m is s i o n unter gewissen Bedingungen erwünscht ist, und beauftragt das Verbandsbüro, eine Abstimmung der Zentralkomitees in dieser Frage herbeizuführen. Die Konferenz der jüdischen Arbeiterpartei Poale Zion in Ostgalizien. Am 16. Oktober trat die Konferenz der jüd. sozialclein. Arbeiterpartei Poale-Zion Ostgaliziens in Lemberg zusammen. Anwesend waren 43 Delegierte aus 15 Ortschaften Ostgaliziens. Gen. Gell mann eröffnete die Konferenz und schilderte in "kurzen Worten die schwere Lage, in der sich das jüdische Proletariat befindet. Die ungeklärte Situation macht eine positive organisatorische Arbeit unmöglich. Doch die Stunde, in der die Sozialisten aller Völker an eine tatsächlich schaffende Arbeit schreiten, ist nicht mehr ferne. Wir erleben eine Zeit nationaler Revolutionen, deren erfolgreiche Beendigung die feste Grundlage für die Machtcntfaltuug des Proletariats btildeu wird. Ztun Sehrusse gedachte der Redner des Andenkens des Gen. Max Rosen fe Id. Sodann wurden Begriilhmgsdepcschen verlesen. Im Namen der ukrainischen soz.-dem. Partei begrüßt die Konferenz Gen. Ivan Ivaschko. Er teilt mit, daß das Zentralkomitee der ukr. soz.-dem. Partei allen ihren Organisationen die Pflicht auferlegte, mit allen sozialistischen Organisationen anderer Völker in engste Verbindung zu treten und dadurch die Initiative zur Bildung eines osteuropäischen sozialistischen Blocks für den Kampf gegen den Imperialismus: und die Reaktion im Osten zu ergreifen. Ein derartiger Block ist deswegen notwendig, weil der Augenblick nicht fem scheint, da die reaktionären Elemente Osteuropas nach Vernichtung des russischen Kommunismus auch die Errungenschaften der befreiten Völker und des proletarischen Emanzipationskampi'es vernichten werden. Zum Schluß brachte der Redner sein tiefstes Mitgefühl den Pogromopfern, die auf ukrainischem Territorium gefallen sind, zum Ausdruck. An diesen Pogromen trägt das ukrainische Volk keine Schuld, da es jetzt selbst unter einem schrecklichen Druck leidet. Das ukrainische Volk, welches für alle Völker in der Ukraine das Recht auf nationale Autonomie und auf volle nationale Souveränität anerkannte, kann und wird niemals diese Völker morden. Wollen w i r g e nt e i ns a,m den osteuropäischen sozialistischen Block schaffen! schloß der Redner seine Begrüßung. Dem Gen. I va s eh k o antwortete Gen. Gell m an n, daß das ukrainische Volk an den Pogromen keine Schuld trage, diese seien nur das Werk dunkler Elemente. Die Idee der Schaffung eines sozialistischen Blocks in Osteuropa bilde auch einen Programmpunkt der Konferenz. Die Konferenz faßte sodatui zwei Resolutionen. I. Damit die Aufmerksamkeit der Volksmasseti von ihren eigenen Interessen abgelenkt werde, haben die reaktionären Kräfte, die den Krieg bot vorgerufen habei^ die Massen gegen die Juden aufgehetzt und so die Not der jüdischen arbeitenden Massen verschärft. Dadurch wollten sie Anhänger für den Volksmassen, feindliche Ziele gewinnen. I )agegen erhebt die J ü d i s c' h e sozial d e m o k r a t i - sehe Arbeiterpartei P o a I e - / i o n lauten Protest und fordert die Arbeiterorganisationen dieser Völker auf, gemeinsam mit dein jüdischen Proletariat die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Das jüdische Proletariat aber möge sich um die sozialistische Fahne der Gegenwart und Zukunft scharen, denn nur der Sozialismus bringe allen Völkern und auch den Juden volle Rechte und Freiheit. II. Die Parteikonferenz der jüd. soz.-dem. Arbeiterpartei (Poale-Zion) Ostgaliziens als Vertreterin des jüdischen Proletariats p r o i e s t i e r v g e g e n d i e weit e r e K r i e gf ü h r u n g g e g e n d a s r u ß I ä n d i s c h e P r o 1 e t a r i a t. Sie tut dies deswegen, weil erstens der Krieg gegen die rtißländische Revolution dem Kriege gegen die Weltrevotion gleichkomme, zweitens der weitere Krieg im Osten eine Folge der imperialistischen Tendenzen der Weltbourgeoisie sei, drittens weitere Erfolge auf den Schlachtfeldern des Ostens einer Vernichtung der demokratischen Elemente in Polen gleichkamen, viertens der weitere Krieg den ökonomischen Ruin breiter, Massen des arbeitenden Volkes bedeute. Gemeinsam mit dem Weltproletariat werde auch das jüdische eine Aktion gegen diesen Krieg beginnen. Nach Wahl des Präsidiums und des Sekretariats erstattete Gen. Wachmann den Bericht über die Tätigkeit der abtretenden Leitung. Nachmittags hielt Gen. Buxbaum ein Referat über: ,,Die politische Lage und unsere Taktik". (Fortsetzung folgt.) Die Lage des jüdischen Proletariates in Litauen. Einem Aufruf an das jüdische Proletariat Amerikas entnehmen wir folgende Schilderung; über die traurige Lage der jüdischen Arbeiterklasse Litauens: (regen äußerst schwere Verhältnisse hat die Arbeiterschaft Litauens in dieser sorgenreichen Zeit anzukämpfen. Alle Institutionen sind desorganisiert Besonders traurig stellt es um die kulturellen Einrichtungen. Die große Masse des jüdischen Volkes, besonders aber die jüdische Arbeiterschaft lebt in großer Not und Dürftigkeit, so daß sie außerstande ist, ihr« kulturellen Institutionen zu erhalten. Es herrscht eine weitgehende Arbeitslosigkeit und es fehlen die Mittel, selbst den Hungrigen und Notleidenden beizustehen. Die bürgerlichen Elemente sind viel zu trüge und demoralisiert, als daß sie uns hülfen. Sie geben sich vielmehr mit den durch den Krieg entstandenen Gewerben ab. Der Schleichhandel blüht, die Spekulationen an der Börse gedeihen, die Bourgeoisie schwelgt und praßt im Ueberfiuß und keiner vou ihnen denkt, die Not des leidenden Volkes zn Hadern. Die jüdischen Gemeinden mit ihrer reaktion'är-klerikal-chauvinistischen Gesiunung wissen nur, unsere demokratischen Volksschulen sowie unsere kulturellen Bestrebungen zu bekämpfen. Die von Amerika gesandten Gelder werden von den allzu bekannten Kultus Vorstehern verwirtschaftet und nicht das Mindeste den Arbeiterinstitutionen gegeben. Unter solchen Umstünden ist es selbstverständlich, daß die Aut'bauungsarbeit der Kulturliga, der demokratischen und sozialistischen Elemenfe, die Hebung der jüdischen Kultur in diesem b'alle nicht vollbringen kann. Nicht nur, daß unser Mut zu all den neuen Hünen und Wünschen geschwächt, wird, werden wir letzten lindes gezwungen sein, unsere Schulen und Abendkurse zu sperren. Nach der schweren Zeit des Zusammenbruches ist nun der günstige Augenblick des Autbaues gekommen. Wir gehen daran, Volksschulen in der ganzen litauischen Provinz sowie eine Yolksnniverjjtfit in Kowno zu gründen. Wir leiden Mangyl an Kinderheimen, Bibliotheken und Volksheimen, hiezn aber benötigen wir größere Geldsummen. Verwaltung der Kulturliga, 1 lauptkomitee der Poale Zion für Litauen, ITauptkomitee des „Bund" für Litauen, Kownoer Komitee der jüdischen vereinigten Sozialisten,. Literatur und Kunst. „Ritualmord in Ungarn" jüdische Tragödie in 5 Autzügen, Uraufführung in der „Ntnen Wiener Bühne" .am 18. Oktober 1919. Zwei Tragödien zugleich enthält Arnold Zweigs dramatische Dichtung: die Tragödie des jüdischen Volkes ist vertieft zur Tragödie der Gottheit selbst und erscheint somit als allgemeininenschlicha Tragik im höchsten Sinne des Begriffes, Beide Tragödien bedingen einander innerlich und sind in einem auffallend lapidaren Bilderstil dargestellt, der in seiner naiven Einfachheit an die alten Holzschnitte — von Einst und Gefühlsinnigkeit eines Dürer — gemahnt So spielt unser Drama in zwei Sphären: in einer irdischen und überirdischen - - physischen und mttaphysischen. Was auf der Erde vorgeht, ist mit schonungslosem Realismus dargestell, .so realistisch, daß man oft an ein Wort Dostojewskis erinnert wild — von der Wirklichkeit, die phantastischer sei als die Phantasie. Bei Zweig ist diese Wirklichkeit uubesehiäiikt von zwei Kräften beherrscht: von verstocktester Dummheit (die im Drama personifiziert witd) und von bösem Willen eiuzelner Individuen. Das irdische Geschehen ist nun vom Dichter in einen ungemein großen Rahmen eingefügt: Gott und Teufel streiten um die Welt — wie im biblischen Hiobsepos, wie in Goethe* „Faust". So möchte der Dichter dem grausamen Chaos dei Irdischen durch den Zusammenhang mit dem Ueberirdiache» einen höheren Sinn, eine gewisse Rechtfertigung verleihen. „Der Mensch ist gesandt zu wählen zwischen mir und dir. das ist seine Kraft* — sagt Gott zum Teufel — „aarum hast du Rast und Reich auf der Erde der Menschen". Der Teufel gehört, somit zur Weltordnnng wie Gott selbst — und mit dem Teufel das menschliche Leid. Durch diesen Teufel sendet Gott auf sein Volk die „Lüge des Blutes Warum? Wozu? „Das Herz meines Volkes soll erglühen in Läuterung, die Funken der Seelen sollen aufsteigen, sio sollen Maschiach rufen im Sturme der Verzweiflung*. Danr: werde die Erlösung kommen: „Die Schechina kehlt nein., ich werde eins sein mit meiner Glorie. Ich verbeiße da* Ende des Leids am Ende der Zeit" : Die Tragödie Gottes wird dann aufhören — und mit ihr auch das Leiden der- Menschheit. Ja, einen sehr erhabenen Zusammenhang der Dinge konstruieite da der Dichter. Aber diefft Zusammenhang befriedigt nicht, er ist zu schrecklich in seiner ungeheueren Trostlosigkeit, in seiner Unüberwindlichkeit, ewigen Unendlichkeit! Wer kann dieses himmlische Gott-Teufel-Spiel fassen, das des unschuldigen Kindes Opfer bedarf? Was ist: das tür ein Gott, der zur Welterlösnng dieses Chaos von Unsinn, Lüge und Bosheit gleichsam als Mittel zum Zwecke braucht? Und wer wagt es, dieses Meer von lebendigem Leiden an irgend einem unbegreiflichem Ziele irgend einer unbegreiflichen Vorsehung zu messen? Dem Dichter wird es wohl bitter ernst gewesen sein, wenn er den schändlichsten Unsinn der Zeit sozusagen sub specie aeternitatis darzustellen versuchte, aber den Zuschauer oder Leser — dem es ebenso ernst ist — berührt hier die traditionelle Symbolik mit schmerzlicher Unzulänglichkeit. i>r, j,_-!.z. Achtung Genossen und Genossinnen! Die Wahlversammlungen finden statt s am Samstag, den 25. Oktober 1919, 3 Uhr nachm.: Kellnergruppe, Arbeiterküche, II. Blurmiuergasse 1; am Montag, den 27. Oktober 1919, 6 Uhr abends: Bezirksorganisation I., Cafe City,!. Werdertorgasse l; Bezirksorganisation II., Cafe Stefanie, IL, Stefaniestraße 2; am Mittwoch, den 29. Oktober 1919, 6 Uhr abends: Bezirksorganisation XX. Wallensteirstraße §2; Stadtschutzgruppe (wird eventuell geändert), 3 Uhr nachm., II. Cafe Rembrandt Vollzähliges Erscheinen Pflicht! f»artei-Legitimation mitbringen £ Samstag, 25. Okt., 3 Uhr Versamm- Tagesordnung: 1. Wirt- Arbeiterküche lung der schaftliche Arigelegen- II. Blumauergasse 1 Kellnerheiten. 2. Wanten der gruppe Delegierten zur Parteiberatung Sonntag,26.0kt.,7,3Uhr Was will die Partei- - Bez.-Org. XX. Alexander WatungV XX. Wallensteinstraße 62 Montag, 27. Okt., 6 Uhr 1. 'Bez.-Org. I. Cai'ö City, I. Werdertorgasse 1 2. Bex.-Org. II. II. Caf6 Stefanie Dienstag, 28. Okt., 6 Uhr Michael Bez.-Org. II. Kohn II. Cafc Stefanie Mittwoch,29.0kt.,6Uhr 2. Bez.-Org. I Singer 1 Cafe City Donnerstag,30.0kt.O Uhr Bez.-Org. II. Rudel If. Cafe Stefanie Wahlen der Delegierten; zur Parleiberateig Umbau der Partei Unsere kommenden' Aufgaben Der allweltliche poalezionistisehe Verband Verband der jüdischen Arbeiterjagend, Wien, 11 , Glockengasse 6/17. Sonntag, 26. d., 4 Uhr nachmittags: Literarischer Abend mit reichhaltigem Programm. Konsumgenossenschaft für jüd. Arbeiter und Angestellte« Wien, II., Blumauergasse 1. Die Lebensmittelabgabe an Mitglieder erfolgt: Für die Mitgl.-Nummern 1-400 am Montag 401-700 am Dienstag 701—1000 am Mittwoch 1001—1300 am Donnerstag 1301—1500 am Freitag. Es ist uns gelungen, für die bei uns für den Mehlfcezug. rayonierten Mitglieder, eine größere Post Textilwaren, F r a u e nj und Kinderschuhe zu sichern, welche preis* wert zur Abgabe gelangen. Die Mitglieder werden ersucht nur an den für sie bestimmten Tagen einzukaufen. Der Vorstand. Genosse Jo3ef Kolber und Helene Eifermann laden alle Geuosßen uud Genossinnen zur Trauung, die Sonntag den 2(>. d. M., um halb 3 Uhr vormittags, im polnischen Tempel Leopoldsgasse stattfinden wird, ein. Umwelt Abonnenten für tu« $aft! iZTZVSZtt VT H«rau»g«ber und rerantwortlicher Redakteur Arnold D e u t c h Dtuck von iowt H o y « r, Wen, IK., LUcMttrut iiaitfaii 3