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Freie Tribüne · 1919-08-09 · 30 (9.8.1919) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
30 (9.8.1919)
Date
1919-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Freie Tribüne Seite 3 aus dir Internationale. Das Bode Sowjetnngarns. Als wir in der Vorwoche schrieben, Sowjet-Ungarn sei sn Bedrängnis;, da dachten \v\r nicht an das nahe Ende der Proletarierherrschaft. Nun da wir den dornenvollen Weg und das heroische Ringen der Arbeiterrepublik gegen die größte Reaktion, die rumänische Bojarenclique und den heimischen Oligarchenklüngel, erschüttert miterlebt haben, drängt sich uns trotz alles Siegesgeheuls der Anbeter von Geldsack und Knute, die Erkenntnis auf: Ihr könnt den Geist nichf töten! Mögen die Bojaren immerhin den Versuch unternehmen, das Land1 als Kolonie zu behandeln, mögen die Gräflein und ihr kapitalistischer Anhang nach dem starken Mann, dem liomo regius, dem Habsburger Josef, rufen, sie können die ungarische Kommune dem Arbeiter nicht mehr aus der Erinnerung bringen, sie können das geistige Eigentum der arbeitenden Massen nicht enteignen. Rosa Luxemburg hat schon darauf hingewiesen, daß alle proletarischen Revolutionen mit einer Niederlage der Arbeiter geendet;, aber dennoch das meiste zur Entwicklung des revoluionären proletarischen Klassenbewußtseins beigetragen haben. So wird auch diese Niederlage, welche die Arbeiter aller Länd'er betrifft, ein Ansporn sein, zu neuer Sammlung revolutionärer Energie. Sowjet-Ungarn ist tot. Es lebe S o W j ett - U n(g a r n! Die Rechnung der Offiziere Wer vom Papste "f rißt, stirbt daran. Die Wahrheit dieses Satzes müssen jetzt die Mehrheitssozialisten in Deutschland, Welche die Militärgewaltigen des alten Rcgim'es gegen die soziale Revolution zu Hilfe gerufen haben, am eigenen Leibe erfahren. Ganz offen bekunden die Offiziere ihre monarchische Gesinnung und treffen alle Maßnahmen um die gesamte Armee im Geistejcjefer' „Treue gegjen das angestammte Herrscherhaus" zu erziehen. Sie veranstalten große öffentliche Aufzüge bewaffneter Truppen, denen unter den Klängen des „Heil dir im Siegerkranz" königlich preußische Standarten vorangetragen 'werden. Als selbst der sonst so zahme „Vorwärts" auf diesen Skandal hinwies, mahnte ihn ein Stabsoffizier sofort an das Versprechen, daß die Redaktion gelegentlich der Erstürmung*des „Vorwarts"-öebRudes durch die iRejgierungstruippen, gegeben hatte. Die Redaktion des „Vor-, wärts" soll sich nämlich zum' Dank für die Hilfeleistung igegen Spartakus, förmlich verpflichtet haben, die monarchistische Gesinnung der Offiziere und Soldaten niemals zum Gegenstande der Kritik zu machen. Schnappt also der „Sohn des Volkes" Nosike, vor dent reaktionären Offiziers'klüngel zusammen, so zeigt er desto größere Schneid, wo es gegen die auf den bloßen Verdacht revolutionärer Gesinnung hin, in Schutzhaft gesetzten Arbeiter geht. Durch monatelange Haft zur "Verzweiflung gebrachte, politische Gefangene, mußten einen Hungerstreik inszenieren, Um das öffentliche Gewissen aufzurütteln. Während die Unabhängigen und die Kommunisten große Kundgebungen gegen die SdhutzhaftsChande veranstalten, überbietet! Noske und der ihm sekundierende „Vorwärts" einander in der zynischen Verunglimpfung der für ihre Ueberzeugung Leidenden. Die Fruidht der bösen Tat des (Zusammengehens der Mehrheitssozialisten mit der Reaktion, kann nur ein Mächtzuwachs der gegenrevolutionären Elemente sein. Sie präsentieren heute schon ihre Rechnung. Morgen könnten sie sich Deutschland dünken, Kongresse* Wo die sozialistische Tat fehlt, da stellt zur rechten Zeit ein Kongreß sich ein. Nach dem Umfall auf der ganzen Linie, den die zweite Internationale am' 21. Juli, zur Freudjq ihrer Gönner von Clemeribeau bis Noske, vollführt hat, besteht wohl das dringende Bedürfnis, wieder ein „Jerusalem papieren" aus gewichtijgen Resolutionen aufzubauen. Hievon sind die Kongresse in Amsterdam und Luzern sprechende Zeugnisse. Beide Veranstaltungen nennen sich „international", sind es aber in des Wortes wirklicher Bedeutung nicht. Fehlen doch in ihrem Rate die Stimmen der Proletariervertreter, Rußlands, Ungarns, Italiens und Südslaviens. Der Gewerkschaftskongreß in Amsterdam war bis jetzt nur von Kompetenzstreitigkeiten, Mandatsverteilungen und ähnlichem ausgefüllt. Interessant war es> als der Delegierte Gompers, der nur eine Uebersetzung Scheidemanns ins Amerikanische ist, den Deutschen Kaiserismus vorwarf, wofür sich Legien mit dem Vorhalte des Imperialismus revanchierte. Die Entschließung über die Ziele der Gewerkschaftsbewegung ist im Sinne der Trade-Unions gehalten und ermöglicht auch nichtsozialistischen Gruppen die Teilnahme. Als Ziele der Gewerkschafts-Internationale wurden bezeichnet: 1. Förderung aller beigetretenen Organisationen auf nationalem1 und internationalem Gebiet. 2. Förderung der Fachbewegung auch in den nicht beigetretenen Ländern. 3. Gemeinsame Aktion in allen Fragen, welche allgemeine Fachinteressen betreffen. 4. Vorbeugen internationaler Streikb'recherei. 5. Aufbringen von Gejdern iür diese Ziele. Auf der Sozialistenkonferenz in Luzern versuchten die Unabhängigen eine Annäherung an die dritte Internationale, indem sie den Ausschluß der kompromittierten Mehrheitssozialisten verlangten. Diesem1 Verlangen schloß sich Longuet mit Beziehung auf die französischen Sozialpatrioten an. Wir werden über die weiteren Verhandlungen der Konferenz, welcher auch Genosse Kaplansky als Vertreter Palästinas beiwohnt,, berichten. Wenn sich die unentwegten Vorkämpfer des Proletariates zusammenschließen, dann wird es wohl möglich sein, gegen die Sozialpatrioten aller Länder, eine neue so zialistische Internationale der Tat. ins Leben zu rufen. Streiks. Allmählich dämmert in allen Ländern der Erde die Erkenntnis von der Klassenlage des Proletariats als des wirklich Besiegten in dem- Ringen aller gegen alle. In der Schweiz, in England, Italien und Amerika setzen gewaltige Streikbewegungen ein, als Protest gegen die immer frecher werdende Reaktion und gegen die unerträgliche Lebenshaltung der Proletarier, welche einen furchtbaren Tiefstand erreicht hat, Ueberall wird die Forderung nach Vergesellschaftung der wichtigsten Produktions- und Verkehrsmittel erhoben. Diese spontane, von den Führern nicht gewollte Erhebung der Arbeiter, gibt Zeugnis von der im werktätigen Volke ruhenden revolutionären Energie. Möge sie in die Bahn gelenkt werden, die zum Aufbau der Gesellschaft durch die sozialistische Tat führt. Aus der Bewegung. Polen. Nach dem Pogrom in Krakau und den neuen Pogromen in einer ganzen Reihe polnischer Provinzstädte stellte der Führer der sozialistischen Partei P. P. S. Daschynski einen Antrag, in dem er die Regierung auffordert, die Unruhen, die infolge der Teuerungen entstanden sind, einzustellen und der mit keinem Wort den antisemitischen Charakter der Pogrome kennzeichnet. Wahrend der Abstimmung über die Frage der Dringlichkeit der Anträge sagte Daschynski unter anderem: „Das Verhältnis der polnischen Bevölkerung zu den jüdischen Einwohnern verdient die größte Aufmerksamkeit. Glauben Sie nicht, daß, wenn wir jetzt den Mob gegeu die Juden aufhetzen, wir damit die Frage der inneren Schwierigkeiten, lüg kürzere oder längere Zeit verschieben werden. Diese inneren politischen Schwierigkeiten werden nicht durch Judenhetzen beseitigt (werden, und ich erkläre diejenigen, die den Juden den Bart gewaltsam abrasieren und glauben, dadurch den Preiswucherer losgeworden 'zu sein, für Kinder, die die Schwierigkeiten des Zahlen Verhältnisses in einem Lande nicht verstehen, Iwo jeder siebente Mann int Lande ein Jude ist und in den Städten sogar jeder fzweite oder dritte. Zum Glücke Polens hat sich bis jefet-noeh kein Pogrom im eigentlichen Sinne des Wortes in Polen ereignet. (Beifall.) Im Gegenteil, mit vollem' Bewußtsein dessen, was ich' von dieser höhen Stelle im Lichte der (weiten internationalen Oeffentlichkeir, die meine Behauptungen kontrollieren kann, sage, erkläre ich, daß die bedauernswerten Ereignisse, die geschehen sind, nicht als Pogrome zu bezeichnen sind. Wenn jemand in einem Straßenkampf umkommt, unter so schweren Verhältnissen, .wie es in Lemberg, Lida und Wilna der Fall Iwar, so kann er durchaus nicht als Pogrom- Opfer klassifiziert Iwerdenj" (Stürmische Protestrufe seitens der jüdischen Deputierten.) „Ich gehe von der Ueberzeugung laus, daß in Polen keine Pogrome startgefunden haben. (Abg. Weinizieher: Aber Juden wurden doch in ihren Häusern ermordet!) Es gibt keine politische Partei, die die Pogrome als Instrument betrachtet, alle Schwierigkeiten im Lande zu beseitigen, und daher kommt in meinem Antrage kein, Wort über Pogrome vor, aber wenn das, was sich vor unseren Augen ereignet, von einer pflichtbewußten Regie- ••'•'ig unierdrückt Iworden wäre, so würde es sich nicht in einer Weise ausdehnen, daß es schon zu spät ist, die Ehre des nationalen Banniers zu retten. Ergreifen wir wenigstens Mittel gegen die Ereignisse der letzten Woche, deren Zeugen wir sind. Ich schlage1 daher dem Sejm vor, die weitesten Massen aufzuklären, daß durch Vernichtung einiger tausend jüdischer Geschäfte die Teuerung nicht abnehmen wird, sondern umgekehrt den Gesetzen der Nationalökonomie gemäß wird sie dadurch noch immer 'zunehmen." Gegen, den Antrag von Daschynski sprach der Deputierte der Poale-iZion» Dr. Ignatz Schipper: „Das Moment der Teuerung als Hauptursache der Unruhen darzustellen, heißt die Augen, schließen, um nicht den (wahren Kern der traurigen Ereignissie 2U erblicken, die sich jeden Tag abspielen. Die Hauptursache dieser traurigen, Ereignisse ist vielmehr die Tatsache, daß hinter iden ^ogromstif tern Provokateure stehen: Gerade diejenigen Elemente, die Interesse daran haben, die Gesellschaft izu desorientieren, ihr den gesunden Verstand zu nehmen und die Arbeiterbewegung in Blut zu ertränken. Aber wie lange kann dies dauern? Seht Ihr njeht, daß das Unheil, das an der jüdischen Bevölkerung '.zehrt, auch die Grundlagen der gesamten, Gesellschaft, die Fundamente des Reiches zu vernichten beginnt? Seht Ihr nicht die Spuren der Anarchie, die diese Ereignisse ablösen? Ich sah sie erst vorgestern, als ich in Cholm war, wo sich am 3. junfl diese schrecklichen Taten abgespielt haben. Geht es doch so weit, daß man nicht nur lebendige Juden schlägt, sondern auch jüdische Leichen. Wurde doch in Chjohu nicht allein die jüdische Synagoge, sondern auch der jüdische Friedhöf überfallen und geschändet. Selbst die Juden im' Badehäus sind Gegenstand der Schändung und Belustigung, und der Mob sucht sich nackte jüdische Frauen aus, utai sich über sie lustig zu machen. Das ist die Verwilderung, bis zu der man gelangt ist. (Zuruf: „Wir verlangen Beiweise!") Hier habe ich sie. Das sind offizielle Protokolle mit Unterschriften von 194 Zeugen. Die Pogrome auf Juden sind ein Zweischneidiges Schwert. Mit einer Spitze trifft es die Juden und mit der anderen den Geist desjenigen, der cjen Juden schlägt. Summiert, und Ihr werdet Euch überzcugen> iwer von uns mehr verliert. Summiert und Ihr werdet begreifen, wie groß die Gefahr für das gesamte Reich ist, wem» die Jugend auf diese Weise verwildert." Prag. Nachstehende Resolution wurde am Parteitag unserer tschechoslowakischen Bruderpartei beschlossen: ,.Der erste ordentliche Parteitag der. jüdischen sozialdemokratischen Arbeiter-Partei Poale-Zion im tschechoslowakischen Staate drückt seinen tiefsten Schmerz und Trauer über die unzähligen Opfer der jeder Menschlichkeit Hohn sprechenden Judenpogrome in Galizien und Polen aus, gibt seiner Entrüstung und Verachtung Ausdruck denjenigen gegenüber, die die Pogrome verursacht haben, verurteilt aufs schärftste die Haltung der polnischen Sozialisten und fordert die ganze zivilisierte Welt und besonders die sozialdemokratischen Parteien auf, alles anzuwenden, daß diesen bestialischen. Grausamkeiten Halt geboten und die Wiederholung derselben für die Zukunft unmöglich gemacht werde. Ebenso protestiert der Reichsparteitag gegen die antisemitische Hetze in, der tschechischen und deutschen reaktionären Presse, welche geeignet ist, den Boden für eine Pogromstimmung vorzubereiten und die in gewissen Teilen der Republik (Mähren und Slovakei) bereits ihre bedauerlichen: Früchte gezeitigt hat. Antisemitismus bedeutet Reaktion und als internationale Sozialdemokraten haben unsere Bruderparteien die Pflicht, gegen die Reaktion in jeder Form und in jedem Falle anzukämpfen." Die Jüdische sozialdemokratische Arbeiterpartei Poale Zlon, Ortsgruppe Frankfurt a.M. Ortsgruppe Frankfurt a. M.;, sendet uns folgenden Aufruf: Genossen! Arbeiter! In den letzten Tagen hebt die Reaktion und Gegenrevolution frech ihr Haupt! Mit frischen Kräften sammeln sich alle finsteren Elemente, um der Arbeiterschaft die kargen Errungenschaften der Revolution abzujagen, das Wenige, was das Proletariat im harten. Kampf und in blutigen Erfahr rungen sich erobert hat. Gleichzeitig Wird in breite Schichten des Volkes eine Judenhetze hineingetragien, die alle schlechten. Instinkte aufreizen soll! In einer Zeit, da die Massen voll sind von Erbitterung und seelischer Zerrüttung, \vollen sie Haß wecken gegen einen kleinen Teil der Bevölkerung. Das Zusammenfallen dieser beiden Bewegungen beweist deutlich, welche Elemente dahinter stehen, für welche Ziele diese verbrecherische Propaganda geführt wird, Unlogisch und inkonsequent wird von ihnen einerseits behauptet, daß alle Juden Ausbeuter des Volkes seien, anderseits, daß viele Juden, die Mehrzahl der Führer, Sozialisten seien. Die Reaktion greift nach ihren alten erprobten Waffen, uni die revolutionären Arbeitermassen von sich abzulenken, von dem richtigen Weg des Klassenkampfes, der weder konfessionelle noch nationale Grenzen kennt, Zwietracht zu säen in die Reihen des kämpfenden Proletariats1. Darum1 Genossen! Arbeiter! ' Fort mit diesem Gift! Fort mit diesem Menschenhaß! Wir kennen nur einen Kampf, den Klassenkampf, der lalle Proletarier aller Lände!r, alle Völker, auch das jüdische vereinigt. Wir kennen nur einen Feind: den Kapitalismus und sein Ausbeutungssystem, das ebenso international ist, 'wie die Arbeiterbewegung. Wir leiden nicht weniger, wenn 'wir durch einen deutschen oder jüH dis'chen Kapitalisten ausgebeutet werden. Nieder mit dem1 Kapitalismus überhaupt! Darum Genossen, als jüdische Arbeiter, als jüdische Sozialisten rufen Wir Euch deutsche Brüder zum gemeinsamen Kampf! Laßt Euch nicht irrefiülhren,, Auf alle diese iHjet'zerieien (haben wir imir eine Antwort: Proletarier aller Völker, vereinigt Euch! * Dieser Aufruf wurde im Organ . der Unabhängigen Sozialdemokratie Südwestdeutschlands „Volksrecht" in Frankfurt a.M., Nr. 84 vom 14. Juli 1919 mit folgender Glossierung zum 'Abdruck gebracht: „Es bedarf keiner Stellung unsererseits zu diesem' von uns wortwörtlich zu unterschreit b'enden Aufruf, da wir bereits vor einer Woche uns eingehend mit der Pogromhetze beschäftigt habem." Der hier erwähnte Aufsatz erschien in der Nr. 79 vom 8. Juli 1919. Wir entnehmen ihm folgendes: Einem gewissenhaften Beobachter politischer Verhältnisse vorwiegend der Städte, konnte es nicht verborgen bleiben, daß unter den Arbeitern, die man scheinbar dumm und urteilslos genug hält, eine wüste Hetze gegen das Judentum' eingesetzt hat. Wir kennen die Kreise, die mit erbärmlichen Mitteln arbeiten und selbst vor terroristischen Gewalttaten, nicht zurückschrecken, zu genau, um die von dieser Seite dem Proletariat drohenden Gefahren zu unterschätzen, wir wissen, daß ganz besonders hier in Frankfurt eine verbrecherische Schieber- und Schleichhändlerkliquc am Werke war, den Eisenbahnerstreik zu Pogromen auszuschlachten, Unruhen und Plünderungen anzuzetteln und neuen Haß gegen die Juden als Menschen zu säen. Die antisemitischen Schmierfinken scheuen sich' nicht, ganz offen J ud e n p og r.o ui'e zu fordern'! Sie wollen, daß auch in Deutschland jene scheußlichen Morde, feigen Metzeleien, Räubereien, Brandstiftungen ins Werk gesetzt werden, durch die das alte Rußland, das junge Polen und! Rumänien sich und die menschliche Kultur mit Schimpf und Schande befleckt haben. Zum Gluck sind die deutschen Pogromhetzer so dumm, daß sie ihre Karlen aufdecken und sofort klar ersichtlich wird: ihre Hetze entspringt derselben Quelle, der die Kriegshetze entsprang, für die jetzt Millionen unschuldige Deutsche büßen sollen. Und diese Quelle heißt: Reaktion! Es ist kein Rassenkampf, den wir führen, sondern ein Klassenkampf. Jeder Sozialdemokrat — ob Jude, Christ, Mohammedaner oder Atheist — bekämpft den internationalen Kapitalismus, ohne dabei Unterschiede zu macheu zwischen den Kapitalisten der 'einen oder der anderen Konfession, zwischen Krupp oder Rothschild, Stiimes. Thyssen oder Mendelssohn. Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters und Angestellten gehört die -„Freie Tribüne".

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