Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 21 (7.6.1919)
- Date
- 1919-06-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 21 Freie Tribüne Seite 3 der Kolonisation der Einwanderer gelegen.ist; ausserdem breite Selbstverwaltung für die jüdische Bevölkerung in Palästina. IV. Die Konferenz fordert alle Organisationen un|d Genossen auf, eine große energische Aktion zur Mobilisierung der jüdischen Arbeitskräfte für den Aufbau des" Palästina-Zentrums zu unternehmen, den Machtbereich' des Pplästina-Arbeiterfonds zu erweitern und in allein Orten Vertreter der jüdischen Arbeiter-Autonomie im allgemeinein, in d'e|nj Berufsorganisationen Paiästiniakommrssionen| Im besonderen zu bestellen. Diese n|e(ugeschaffenen Stellen hätten; die Aufgabe, die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft im Kolonisattonsprozeß Palästinas zu wahren und die Realisierung unserer sozialistischen Losungen in der neuienj Gesellschaft zuüberwachen. In diesem Kampf stützt sich die jüdische Arbeiterschaft nur auf die Macht der sozialen Revolution. Die jüdische Arbeiterschaft wird von der dritten Internationale die Mitwirkung an| der Bildung einer sozialistischen Geiselfcchaft in Palästina fordern, da nur die Schaffung ehuejs sozialistischen Zentrums in Palästina das jüdische nationale Problem) in lieber ei nstimmung mit dien Prinzipien!, Losungen und Interessen de.s ,revolution|äre>i Sozialis;- mius' löst und die Entwicklung der sozialein Revolution im Osten fördert. Jüdische Politik. Die Partei, die auf de'mi Standpunkt der vollen nationalen Selbstbestim.mi.mg für jedes1 Volk s'teh(t, stellt fest, daß eine solche nationale- Selbslt:be(stim'- mung für exterritoriale Völker nur mit einer national-personalen Autonomie igie.vvählrleistet ist In dem gegenwärtigen Zeitabschnitt der sozialem Revolution muß die Autonomie des jüdischen Volkes durch das jüdische Proletariat seihst verwirklicht werden. Und zwar in der Form' 'der alleiiprts aufgestellten jüdischien Arb eit err ate, weiche alle ökonomischen!, politischem umid kulturetlien Angelegenheiten zu Verwaltern habep, die' eine Besonderheit seiner Nation bilden. * Die genannten Organe der jüdischen! iiationalen Autonomie sind die Repräscmtawz de-r jüdischen Na. tion nach außen. Mit Rücksicht auf d!r,e Allweitrichkeit des Tüdlschien 'Proletariats; erachtet leb' die Partei als ihre Aufgabe;, dte Inijt^attve, zu einle^ allweltlichen Arbeitlerzus'amimenkumift umd! zur Schaffunig eines ällweltlchiein Ärb'eitiejrverbaindles zu ergreifen,, welcher Verband1 im allein Ländern; difc {nationalen Rechte des jüdischen Proletariats; erkämipfien, die jüdische Waridieirung regulieren und fcjtnj jüdisches territariales' Zentrum in Palästima sidhaffen soll. Weltverband. 1. Die sozialistltschei Weltreivolutiton stellt d[e,r Partei 'die Aufgabe der allweltlichen Organisierung dies jüdischien Arbeiters, um| eine rcvolutionärel jüdische Arbeiterpolitik einheitlich führen zu können. 2. Der im Jahre! 1907 igegrühdlete allweltliche Verband1 ,,P|oale:iZion" war im Lauife der letztem Jahre von d'er jüdischen ArbeiterWewegumg abglet rennt umid hat inidhit di,e russische Parier und das' durch diese organisierte jüdische Proletariat in Rußland vertreten. Nur im bleso(n!derem Fällen!(Stockholmier Manifest) hat der Verband die Wünsche der jüdischen Airbeitiermas'sen zum Aus'druck gebracht und erfüllt. 3. Mit Rücksicht auf all diese Gründe ist dem Weltverband nicht das Recht zuglest andern, die rußländiischle „Pioaki-iZion" zu vert'rieten um'd ihre außerordentliche Konflere^iz imi Räterußland gibt öffentlich bekannt, d'aß sie; sich injtdht mehr als Bestandteil des gegenwärtigem W'eltverbandeis ..Poale- Zion" betrachtet. 4. Die Schaffung jüdischer Arbeiterräte als bevollmiächtigtes Organ der jüdischien Autonomie, die Regulierung der jüdischen Arbeiterwamdetrülnjgi und die Bildung der notwendigem, zwieckenjtsp rechiendien Institutionen^ die Kolonjisatiofa Palasttinas' auf sozialistischer Bas'ijs/, die Veriettnigung aller ökonomischen Organisatiomien des jüdischem! Proletariats^ um! alle Organislationslmöglichkeiten Palästinas auszunützen1, >m|Ü!sisle(ni die Aulf&abien einjer aktivefei, allweltlichen jüdischen Arbeiterpolitik s^in, welche; von einem allweltlichen Zeintrum geführt werden müßte. 5. Ein solches Zentrum kanin der auf neue Grumidlagien auf zubauende allwiet liehe Verlbamd „Poale- Zion" Sieinj, dier sich in Koinizentrationl&pu^iktiem jüdischer Arbieitermassien blefindein soll. 6. Die zweite außerordentliche Konfercinz im! Räterußland gieht daran, einie, Kofrifferenz des Welltyerbandes einzüblerufem, welche das Revolutionieren und Organisieren der jüdischen Arbeiterlmiasslefo beschleunigen und die politische Richtung im allen» Länder^ im delnien der jüdische; Arbeiter Ifelbit un?d| kämpft, einheitlich giestaltten soll1. Oer „Feinere" Nationalismus. Nun wissen wir es! Es gibt einen gewöhnlichen, vulgären Nationalismus, der sich in ständigem, jahrzehntelangen Kampfe des jüdischen Volkes um sein Selbstbestimmungsrecht, um Anerkennung seiner politischen Rechte und der jüdischen Sprache im öffentlichen Leben äussert und für den sich auch die bürgerlichen Zionisten — namentlich während der Wahlen in verschiedene Repräsentationskörper — sehr laut begeistern. Der gilt aber nur für den profanen Mob, für jeden Tag. Für Samstage dagegen und Festtage haben sich die oberen Zehntausend der bürgerlichen Zionisten einen ganz besonderen Nationalismus ausgeklügelt, einen geistigen, einen „reineren", in den sie sich hineinretten, um dem Lärm der Gasse, dem Schweiße der Arbeit, den Bedürfnissen der Massen zu entrinnen. Hier, im Golus, ist alles gut genu^, aber für Palästina — und welch gedankenlosen Fetischismus verkörpert dieser Name für so viele bürgerliche Zionisten — da propagieren sie den „r e i n e r e n-1 Nationalismus, der im rücksichtslosen Kampf gegen das Jiddische besteht und schmieden schon jetzt ihre Waffen, um allen, die -die Reinheit des hebräischen Palästina zu trüben versuchen4 mit "unbeugsamer Eindeutigkeit1 entgegenzutreten. (So zu lesen im Zentralorgan der d. ö. Zionisten „Jüdische Zeitung" vom 23. Mai in einem — allem Anschein nach — redaktionellen Artikel.) Und damit kein Zweifel besteht, läßt die Redaktion auch zart durchblicken, worin diese „unbeugsame Eindeutigkeit" zu bestehen hat. „Die Gefahr einer jiddischen f n v a s i o n (!) nach Palästina ist so groß, daß für jeden Juden, der dort leben und arbeiten will, ein gewisser Zwang zum Hebräischen ausgeübt werden muß". Ist doch der Kampf gegen Jüdisch die „Forderung des reineren Nationalismus". Und wir armen Tröpfe haben immer gemeint — und mit uns fast das ganze jüdische Volk — daß Palästina die wirtschaftlichen Grundlagen des jüdischen Volkes umbauen soll, die Exterritorialität beseitigen, die Massen produktivieren usw. Nun werden wir eines besseren belehrt. Nicht dem jüdischen Volke soll Palästina die Erlösung bringen — wer wird denn so kleinlich, irdisch sein? —<ien hebräischen „Haruach" und die hebräische Sprache soll es retten! Der Triumph des Geistes über die elende Materie! Wir würden auf die Auslassungen dieser „reineren" Nationalisten, die lebens- und volksfremd in der jüdischen Wirklichkeit nachtwandeln, nicht eingehen, wenn es nur eine Dummheit wäre. Aber was sich der Artikelschreiber weiter leistet, grenzt schon an verbrecherischen Wahnsinn, der für den Kampf der Juden in Polen, Rußland, Ukraine, Rumänien usw. verhängnisvoll werden kann. Anschließend an den Beschluß, daß in Palästina nur hebräisch sprechenden das passive Wahlrecht zur Konstituante zusteht, doziert nun die Jüdische Zeitung selbstverständlich, daß zur konstituierenden Versammlung nur hebräisch sprechende Juden gewählt werden können, sowie in jedem Lande ein Mitglied der repräsentativen Körperschaft die Staatssprache beherrschen muß. Die Juden, welche jüdische Autonomie in den Galuth- Iändem anstreben, haben niemals die Forderung gestellt, daß z. B. in Polen von diesem Grundsatze abgegangen werden soll Ahnen denn die Herren nicht, welchen Bärendienst sie den Juden in den Ländern mit jüdischer Massensiedelung mit einer solchen Problemstellung erweisen? Fehlt ihnen denn in ihrer verblendeten Kurzsichtigkeit das Bewußtsein, daß sie selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen? Und mit welcher inneren Berechtigung verlangen sie die Anerkennung der jüdischen Sprache in Polen z. B. und empören sich gegen Drangsalierungen, wo sie doch selbst das Jiddische als Gefahr betrachten und es unterdrücken — wollen? Liefern sie nicht damit den Polen die besten Waffen in die Hände? Oh, sind auch einsichtig genug, um zu erkennen, daß der Vergleich mit den Goluthländern „unzutreffend ist", aber nur, weil sie da einen Rollenwechsel erb/kken. Hier wehren wir uns vor Vergewaltigung, dort wollen „wir" einen „gewissen Zwang" ausüben. Ja, die Herren haben viel gelernt im Weltkriege. Immer und überall bleibt sich das Bürgertum gleich. Kaum hat es Aussicht, zur Macht zu gelangen und schon droht es mit Zwang! Schon ganz abgesehen von der politischen Kinderei, vom staatswissenschaftlichem Analphabetismus die inneren Differenzen zwischen Teilen desselben Volkes mit dem Kampf einer nationalen Minderheit gegen eine andere, fremde nationale Mehrheit zu vergleichen. Wir wollen jetzt nicht meritorisch den Sprachenstreit — jiddisch oder hebräisch, den die Zionisten nun wieder zur nationalistischen Verdummung der Massen gebrauchen wollen, entscheiden. Die jüdische Volksseele wird sich eben in der Form ausleben, die ihr die natürlichste und zwecksmässigte erscheinen wird. Alles Schreien und Hetzen, ja, nicht einmal der „Zwang" werden etwas an den eigenen Entwicklungsgesetzen des Volkslebens ändern. Wir aber werden nicht müde werden, das Selbstbestimmungsrecht der arbeitenden jüdischen Massen zu verteidigen, und dies>icht nur gegenüber den fremden Machthabern, sondern auch in noch stärkerem Maße gegenüber den eigenen, die sich jetzt im Bajonettenglanze der „Friedenskonferenz sonnen. Die Herren Zionisten jedoch warnen wir: nicht den Bogen zu überspannen! Die Lohnbewegung dar öastwirle- und Kaifeesiedepangestellten. Mit großer Spannung verfolgten wir die Lohnbewegungder 30,000 Arbeiter dieses Berufes von ganz Wien, der sich auch die Provinz angeschlossen hat. Die stürmischen Nacht Sitzungen vom 30. April auf den 1. Mai in allen Bezirken brachten keinen entscheidenden Erfolg, so daß sich die Zentralorganisation genötigt sah, eine Urabstimmung durchzuführen. Trotzdem aber die Majorität sich übereinstimmend für den mit der Genossenschaft der Kaffeesieder und Gastwirte abgeschlossetnIJPfertrag ausgesprochen hat, kam es in einigen Großbetrieben zu Streiks, die aber niedergedruckt wurden. Das zeigt, wie erstens manche Kategorien dieses Berufes benachteiligt sind, trotzdem sie gegenüber den sonst gut gestellten Markören doch die Mehrheit ausmachen und zweitens, wie schwer es ist, in der gegenwärtigen Lage angesichts der 8000 Arbeitslosen dieses Berufes in Wien, einen siegreichen Lohnkampf durchzuführen. Die seitens der Leopoldstädter jüdischen Gruppe angespornte Bewegung hat einen befriedigenden Erfolg gezeitigt. Vor allem, Avas unsere Arbeiter für das wichtigste halten, ist das Erlangen eines vollständigen Ruhetages zu betonen. Die Angestellten der Ausspeiseaktion des sozialen Hilfsgemeinschaft Anitta Müller, haben den einheitlichen Grundlohn errungen. Auch in dem Betriebe „Wienea" wurde schon eine Besserung der Lage der Angestellten erlangt, und es ist zu hoffen, daß die noch schwebenden Differenzen sich gütlich werden austragen lassen. Es ist selbstverständlich, daß in den kleineren Betrieben und auch in manchen größeren jüdischen Betrieben noch vieles beim alten ist, infolge der tiefeingewurzelten Gleichgültigkeit. Es ist daher Pflicht der klassenbewußten Genossen dieses Berufes, sich zu einer schlagfertigen Kampfgruppe zusammenzutun und alle Leidensgenossen über ihre Lage aufzuklären. Besonders trist ist die Lage der weiblichen Angestellten. Wenn diese die volle Gleichberechtigung und Freiheit erringen wollen, so müssen sie Hand in Hand mit ihren männlichen Berufsgenossen mitkämpfen. Die vornehmste Pflicht aller, die ja die wirtschaftlich schwächsten sind, ist es vor allem, sich zu organisieren. Denn nur in einer geschlossenen Organisation kann man die so notwendigen Forderungen durchkämpfen. Die flpbeiterpate. I, Bezirk. Bei der zweiten Vollversammlung des Bezirksarbeiterrates Innere Stadt wurde die Konstituierung vorgenommen. Es sollte eine Hgliedrige Kommission gewählt werden. — Der Berichterstatter des Wahlausschusses teilte mit, daß ein Einvernehmen mit der kommunistischen und föderalistischen Fraktion erzielt worden sei, nach welchem jeder dieser Fraktionen 2 Sitze in der Exekutive eingeräumt wurden. Die offizielle Liste, die der Berichterstatter vorschlug, enthielt außer den 4 Vertretern des revolutionären Blocks einen Vertreter der Eisenbahner, einen der Handelsangestellten, einen des linken Flügels der S.-D. und 7 Gewerkschaftsbeamt'e. Der Vertreter der manuellen Arbeiter (ca. 10.000 an der Zahl) und der der Staatsbeamten (17.000) erheben Anspruch auf eine entsprechende Vertretung in der Exekutive. Bei der Abstimmung ging jedoch die offizielle Liste unter dem Widerspruch eines Teiles der Versammlung durch. Der revolutionäre Block hat es nicht begriffen, daß es einen viel größeren Erfolg bedeutet hätte, wenn sie weuiger Mandate, aber aus den Händen der Vollversammlung bekommen hätten, als diese Zahl aus den Händen des Herrn Urbach. Wir glauben, daß es auch taktisch ein Felder ist, weil der revolutionäre Block, nach eingezogenem Kompromiß, die offizielle Liste der Gewerkschaftsgewaltigen, gegen die berechtigten Ansprüche der manuellen Arbeiter und der Staatsbeamten unterstützen mußte und damit die Herrschaft der Gewerkschaft tsgröfien im B.-A.-R. begründen helfen. Hierauf wurden von der kommunistischen Fraktion eine Reihe von Anträgen eingebracht betreffend die Immunität der A.-R., Beistellung1 von Ämtsräumen zur Abhaltung der Arbeiterratssitzuugen, der A.-R, sollte mindestens einmal wöchentlich eine Sitzung abhalten und einen Protest gegen die Inhaftierung wegen politischer Delikte. Der Vorsitzende und die Mitglieder der neugewählten Exekutive bemühen sich, diese Anträge der Exekutive zur Beratung und Belichterstattung zuzuweisen, die Versammlung beschließt jedoch, über die Anträge sofort abzustimmen. Die Anträge werden schließlich gegen wenige Stimmen unverändert angenommen, bis auf den auf Abhaltung von eiaer Vollversammlung wöchentlich; dieser wurde dahin geändert, daß einmal in 14 Tagen eine solche stattfinden muß. Daß diese Anträge nicht bloß auf dem Papier bleiben, verbürgt die revolutionäre Energie des A.-R. Die Annahme dieser Anträge zeigte jedenfalls, daß die Gewerkschaftsführer nicht mehr die unumschränkte Herrschaft über die Arbeiterschaft besitzen. II. Bezirk. Die konstituierende Vollversammlung des Bezirksarbeiterrates II, sollte am 26. Mai stattfinden. Nach einer Einigung sollten die Sozialdemokraten 8 Stellen in der Exekutive, der Block der revolutionären Arbeitende (Kom, Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters u^d Angestelltem gehört die " „Freie Tribüne",