Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1919-05-17 · 18 (17.5.1919) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
18 (17.5.1919)
Date
1919-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2827798-2827856-2827872--082-2828098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 18 Freie Tribüne Seite 3 sen gefährdiet ist. Durch eine verschärfte Fassung des Begriffes der entsprechenden Arlbeit, die der Arbeitslose anzunehmen verpflichtet ist, solren dein Arbeitslosenämtern ausreichende Handhaben: geboten werdien, um die Unterstützung auf jenl3 Fälle zu beschränken, iiile zweifellos una verläßlich dlcti Absichten des Gesetzes entspriechen. Durch eine Vollzugsanweisung vom 9. Mai 1919 ist tl?e Frist neuerlich, und zwar 'bis' zum 30. Juni verlängert wordien. Die Gemeinde Wien leistiet auf Grund eines Beschlusses des "Stadtrates" voifn 6. Februar 1919 ab 1. Februar einen Zuschuß zur Arbeitslosenunterstützung. Deutschösterreichische Familienerhalltjer, diie im Genuß einer staatlichen Arbeitsloslcliuinfelrstützung und von Familienzulagen stehen, Erhalten einen Zuschuß von 3 K täglich. Familknerhalten, die erst neu in die ArbeitslosenuirtlersKiftzimg genommen werdien, haben Vorn dem Tage an, an dem ihr Anspruch an 'die staatliche Unterstützung wirjksam ist den Zuschuß zu erhalten für jed^s unversorgte Familienmitglied. Ehegattin, Ktnc'ier un('ier 14 Jahren und andere Familie»langte hörige, diie vom Familien erhalte r versorgt werdien, ier halten efeieW Zuschuß von 1 Krone täglich. Mit jdjer vom Staate gewährten einen Krch,e erhält jledles unverfsorg'te Familien mitglicd| 2 Kronen täglich. In dien andenen am Kriege bet|eiligte(n Ländern ist djie Arbeitslos!enunterstü.'tzung; niedriger blemessen; es darf aber nicht übersehen wlelrdeU daß in keinem anderen Laind die Teuerung so entsetzlich groß ist wie bei uns in P.eutschösterreich, besonders aber in Wien. Daran hat .auch die republikanische Regierung nichts zu findjerti vermocht. Die Nutznießer djer Teuerung, etile Agrarier und andere Kriegsgewinner sitzen ja in dter Riegielipnig und sind an dien Wucherpreisen ir.iiterjess'ie^t. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundert, daß auch (die höhere Arbeitsloslenunterstützung vor Hunger un'd1 Entbehrung nicht zu schütze»! vermag. 3! Höre Israel und freue dich! Drei Vertreter des jüdischen Volkes sind!"ir( den Wiener Geme;ii(dierat eingezogen. Zwei Doktoren! und auch ein Doktor, Fabrikant und .Großkapitalist. Selbstvers'iärtUich! Müssen doch alle 'Richtungen; cl;es jüdischen Volkes vertreten sein. So vor alliem jdjte kapitalistische'. Das war ja die; glorreiche Politik d£s Jüdischen Nationalrates, daß 'er sich gleich!$Jfcn Fabrikanten Dr. Pollack, -|d|er bis' dahin mit jüdischem, Nationalismus blutwenig' zu tun gehabt hatte, hollte, und/ zum Herrn über sich 'setzte. War er damals' dloch — wo sind die Zeiten! - noch ,,vor| Parnau" ,und überhaupt, drohte man 'sich, wird d£e Ein;gun|g der jüdischen Nation wohl am besten auf dem *Bod£n des goldenen Kalbes gelingen. Auf dem Boden des goldenen Kalbes upd der bürgerlich-demokratischen Parteiung. Denn dies Kvar die Konsequenz 'dieses Raubzuges auf die Gutgläubigkeit der von Ideen nationaler Regjeneration beseelten Wiener 'Ziotiisten.' Und wenn sje jemals' Zweifel haben konnten, ob es auch im Zionismius' zweierlei geben könne, (eineii proletarischen und einen bürgerlichen, jetzt hätte es allein jenen, die reinen Herzens Waren, klar Averld'eii müssen, daß es eine Einheit in Volksangeleg'eiihieiteln nicht gebeni könne, daß die Bourgeoisie immer bestriebt ist, jede nationale Bewegung, wenn sie nicht gar sc'hon überhaupt von ihr im eigensten Intenessie angezettelt ist, in ihren 'Dienst zu stellen;, rhrefi Bedürfnissen Untertan zu machen. Es hätte ihnen klar -werden., müssen, daß es für solche, die es mit der Lögung dier; Judenfrage ernst 'meinen, kein Binlassjen mit der Bourgeoisie gebe, 'da diese kraft ihner wirtschaftlichen Uebermacht 'bei jedem Zusammjengehen auch die geistige 'Führerschaft an sidh zu reißen im Stande ist, weshalb sich eine ehrliche, wahrhafte Volksbewegung nur auf die besitzlosen Schichten stützen dürfe. Doch es 'wurde ihnen nicht klar. "Sie gingen mit, als Robert Stricker im Konzerthaussaale das große Wort: „Ich liebe Oesterreich" aussprach, als er bald darauf in dier Nationalversammlung die ,,rosenr|ote Republik" bespöttelte und in der Wiener Morgei.i. zeitung für die sofortige Sozialisierung eintrat und sie gingen 'mit, als er, als ess damjt Erinst zu wendten schien, das 'Bramdwort plakatieren ließ: „Juden! Rettet Eure Existenz! Sie wollen sozialisieren! Wählet jüdisch-national!" Unid' sie waren vom Siege berauscht, als drei jüdiisch-nationale Bürgerliche gewählt wurden. Dieser Sieg aber war £|er Siieg der Bourgeoisie. „Die Sozialisierung liegt nicht im Interesse des ganzen jüdischen Volkes also stimmen wir gegen die Sozialisierung". 'Un'dl jenie der geistigen Führer 'der Wiener Zionismen, die niit dieser Bourgeoisie nichts gemein habfrn als d!ie Ztrkumzision, waren ihr auf den Leim, gegangen. Nur dem ■etilen Siegfried Bernfleld öffhieten sich die Augen. Alle anderen haben suggestiv übersehen, daß es' nur eine Lösung der Ju[dienfrage gibt, eleu Sozialismus, daß 'nur ein Siegidssselben aujf (djer ganzd.i We'Jt jene Bedingungen schaffen kaum, djie' leine, dauernjde Erlösung und [zionistische 'Wiedergeburt des 'jüdischen Volkes jgarantieren. 'Uns aber,;die wir diesen Sieg dies Sozialismus mit afler Seele und Tatkraft erstreben, luins knafmpT;te; sich das Herz zusammen, als'.wir die Bourgeoisie ihre Netze über die! Gemütler dieis jüdischen Proletariats' werfen sahen und wir mir so schwache Mittel fd|er Abwehr besaßen.;Uns erschütterte d|er Geidänke, daß es jüdiische "Kontoristen, Kommis', Beamte und Stenotypistinnen gebe, 'die z>u ihrem M'anjdiatar djen' Fabrikanten und Großkapitalisten Po Hack machen,, also noch so im Banne der bürgerlichen Sieiel'eftv fängerkunst stehen, wie es der cfcutserre Proletarier vor Jahrzehnten war, als er seine Stimme noch' diein Liberalen gab, v - während a!n[dlerersleits dlas politisch reife, klassenbewußte jüdische Proletariat s'o weit fortgeschritten ist idaß es überhaupt nicht, auch keine Sozialdemokraten, in tifie bürgerlichen Institutionen der Nationalversammlungen um:!' Geniein.d(e- Ekel erfassen dien lebensfrieudigefi Me!nischen, der arbeiten muß wie 'eine tote Maschine;, djer nur ein Teil diieser toten Maschine ist. Der ein Sklave. dlesi 'Radjes, des toten Werkes, mangels jeder eigene*.« geistigen Tätigkeit, mangels jelc'ies' ieigjeneh Willens, jedic Lust zur Arbeit verloren hat! ,,Und vierfludit d;ie Arbeitsteilung, da der Mensch in eit.iiemfort die: gleiche vorgeschriebene, kleine1 (Bewegung machen muß, sehr oft sogar in Unkenntnis ihrer Nützlichkeit/1 „Der Mensch ist diesbezüglich unter das Tier herabgesunken . . . Wir werden ihn wieder emporheben! „Hoch djer Arbeiter." ..Nieder mit dem Arbeitgeber!" — ,,Hoch 'der Arbeitten!" „Nierdier mit 4em Arbeitgeber" brüllt der ganze Saal, aber in das Beifallstosen der rasendjen Massen, mischt sich donnerartiger Lärm der Straße. - ---------........ — Vielleicht eine provozieren die Bombe', ein irrtümlich losgegangenes Gewehr eines Soldaten? Aber all dües übertönt des Redners' Stimmte. „Der Tag der Weltgene'chtigkeit naht! Wir werden die Richter sein." Und zwischen Arbeitern sitzeil Unternehmen, mit diu mimen Gesichtern, stumpfsinnigein Glotzaugen, d§e ihre Schande hören und^Beifall klatschen. Unid ihre Schmerbäuche wackeln wie vor Frteiutdie! Sie1 sahen noch nie so häßlich aus! „Die Sklaverei muß abgeschafft werdfen!" „Bravo, bravo!" Goldlberingte Händie fliegen hoch und klatschen Beifall und goldene Ketten tanzen iiber Fettwänste — aus großer Freude! Das sind dieselben stolzen Herreii, diie gestern noch Individualismus und nach Nietzsche die Herrenmoral gepredigt haben, (die den Schweiß dies Arbeitervolkes nicht haben vertragen können, diie sich wie Götter hoch erhaben fühlten über d(en ,,Pöbel", die jede Lohnforderung Dreistigkeit, diie Künzung der Arbeitszeit — .eine verbrjeche'rische Unverschämtheit nannteil. Die alle Arbeiter für Ditebe rate wählt, son'dern seine und' söhnt des jüdischen Volkes Zukunft in den Arbeiterräten md in den. Kommissariaten für jüdische Angelegienheitien der kommunistischen 'Republiken sieht. Doch wir sind Marxisten und als solche der Ueberzeugung, daß sich dieser ungesundle, widernatürliche Zustand Wer Lüge von der Einheit des jüldtschen Volkes im jüdisdhnationalen Lager bald(. selbst aufheben wird. Mit umso größerem Eifer wenlten wir unsere Ideen in d'as jüdische Proletariat tnagierr, um jenen Teil dies jüdischen Volkes, dier von dein! Produktionsmitteln ausgesperrt Ist, natürlich und wahrhaft zu einen —unter dem B^nnerdes revolutionären Sozialismus! hielten und; sie heim. Komimen und1 Gehlen ^vidieren ließen ... Und[ jetzt? Jetzt laufen sie jüher! Jietzt klatschen sie Beifall und! wenn ihr wollt, schlagen sie si(ch in die Brust iimd tun Buße. IDer Tag des Gerichtes naht heran. Dort legt man, wie zum Jomkippur-Vorabenjd' Spendienstellen auf für Gefangelnle, Verwundete, Familien von Gefallenen, für Verbannte und! - für Ge w ehre! Und: de r U i) ternejhm:e r wir ft Mün zen z u seinem eigenen Unheil Er war mir noch nie so unausstehlich erschienen. * — ■ .......-----,— Und. die schwarzen Leute kommen auch, langsam uirdi sali kommen sie, wie ,es sich für heilige Leute schickt, schlürfend', schleichend, wie wirkliche Tempeldiener. Einer besteigt' die Rednertribüne und predigt christlichsozial. Gestern hat er dfie Herrechlcr gielheiligt, kluge Schwindler gesalbt, Räuberhände gesegnet, über mit Blut- und Schweiß gefüllte Becher den S;egenssprucn gesagt. Unjdi heute? ,,Wir haben es schon lange gesagt. Eher geht ein Kamel durch ein Nadlel-Oehr, als ein Reicher in 'ü;as Paradies ein . ."--------<—.—-------------; Mit der Zeit werden noch Weltbezwingler kommen und sagen :.Jen,e sind schon zu schwach; ihre Nacken schon so sehr durchgefault, daß sie unsere Trone nicht mehr tragen 'kö'nlman. Mir sleiddgesunicK und kräftig, beugt euch, damit wir sie auf eure Nacken stellen . ." Ajles wird mit dier Zeit kommen! . . . Mein Heimweg führt djurch ausgestorbene Gassen. Kalt und (unbewegt wölbt sich über mir der stählgraue Himmel, mit dien funkelnden Sterinen und dem halbweggeschossenen "Mciid. . . Unheimlich knirscht der Schmie unter den Füßen. Ein Kosak taumelt mir entgegen: „Wo gehst Du hin? Erschrocken ziehe ich eine Zigarette aus dfcm Sack und reiche sie lhm| hin. „Danke Herr," antwortet er mir undltorkeift weiter. Die Poaie-Zion Konferenz HotepuBIand. im Die bedeutsame Tagung unserer Bruderpartei in der russischen Räterepublik hat die leinhe*ifliehe Grundlage für ihr politisches Wirwen aufgebaut. Wir wollen über die beiden wichtigsten Referate zur Palästinaarbeit und zur Taktikfrage ausführlicher berichten. Gen. D. Eisenstadt spricht über denj politischen Charakter unserer ft Palästina-Arbeit. Es ist klar, daß unter den gegebenen Verhältnissen der soz. Revolution, die alle Länider unid Nationen erfaßt, auch unsere Arbeit für und in Palästina nur ein Spiegelbild unserer 'Stjeflunig zu efen Welteneignissen sein kann unfd: im vollsten Einklang mit unserer allgemeinen revolutionären Tätgikeit bleiben muß. Die Palästina-Arbeit kann) nur dann Erfolg hall aben, wennj sie jn all weltlichem Maßstab geführt wird. Es ist dja-rum unsere erste Aufgabe, alle Teile des poale-zion. Weltverbandjes zu revoluticnji'erien und jeidle andere, Orientierung als die der allwieltli-' liehen soz. Revolution unjd dfer bald erstehenden III. Internationale zu entwurzeln. Zu diesem Zwecke mtuß dtas Verbands-Büro beseitigt, eine Kpnferenjz des allweltlichen Verbandfejsi Ppale-Zion einberufenj, jede Verbindung mit denfrüheren imperialistischen un|d zionistischen Freunden abgebrochen werdienj. Wir müssen uns mit alkW Teilen des revolutionären! Proletariats verbinidlen und die Avantgardlei der Wcltrevolutiori stärken. Wir könnenj slcheirsein, daß nicht nur di;e Genossen inj Polen, Oesterreich und Ukraina, die die Revolution schon mjehr oder wenjiger diurehgemacht haben, mit uns siein! werden. Wir sehen audh Idfte; amierikanischien Genjossen auf dem Arbeiterkongreß für Palästina (Juni 1918) über die soziale Revolut;on| und selbständiger revoIution{ärer Tätgikeit in Palästina verhahdelnj.; ■ - Das ist die Hauptsache: Wir müssen eine allweltliche jüdische Arbeiterpolit;k führen, müssen alle Kräfte mobilisieren für die gewaltige Palästina- Arbeit Es warten taus.en.de jüdische Arbeiten und ihre Zahl wächst von Tag zu Tag im P'rozeß ider Revolution, welche die kleinenj Unternehmungien verwüstet und hauptsächlich! jene 'Verdienjstquellen, in denen diie große Mehrheit der jüd. Arbeitieirmaße Arbeit und Brot gefun!d(e.n|. Wir wollen und; dürfen - nicht warten, daß die Bourgeoisie Palästjnja aulbaut, um sie nachher zu bekämpfen. Die Krä#t|e des Proletariats sind; jetzt andere. "Wir müssenj jelt'zti alles selbst schaffen. Der Klassenkampf hat aufgie- . hört ein dauerndler Prozeß zu seinj, es ist jetzt ei)n Kampf um die Macht schon in d|er njächsten Zukunft. Er muß daher auf allen Fronten} geführt vverülen. Der Kampf für ein sozialistisches Palästina ist ietnj Teil unseres Weltkampfes für die Diktatur dies1 Proletariats. ( Jetzt, da die Avantgarde der Welt(.Revolujtioh solche AnstrengujTtoien macht, die Revolution im Osten zu verbreiten, niüssJen wir P'oale'-Zion,' die' Pioniere des Klassenkampfes im Ostenj, uns mit diem revolutionären Proletariat ver'büinjden unjdi Unterstützung fordern bei unjgerer Arbeit für ,ein sozialistisches Palästina, eine Arbeit, welche die revolutionäre Tätigkeit im Osten fördert ut?j.!.' den Aufbau in den Emigrationslän|:!(ern ermöglicht. Wir sind im vollsten Einjverstän[din;s' m'it d|em Arbeitsprogramm1 der „Vereine zur Befreiung des Ostens", welche die Kommiunistei^ geschaffen haben. Die ßesiedelung dier unbewohnten Läiidler in Asien durch Arbeitermassen, die das sozialistische Schaffen mitbringerj und durch Schaffung vcii sozialistischen Inse'lnj clie rückstänriljgen Völker revolutionieren. Diese revo'lutionjäre Arbeiter|politik .gehört in den Rahmert dieser Vereine. Wir sind mehr als andere imstaujde dies zu tun. .Es liegt im Interesse der Revolution! djie Emigration der verhungerten! jüdischen Massen zu erleichtern und diese Masserj zu produktiver Arbeit zu führen und gleichzeitig den| Wieg des sozialen, Schaffens in denj Auswanidlerungsländern zu erleichtern. Wir müssen d,ies unseren| Kamipfgenossien in der ganzen Welt klarmache^ und tifte Hilfe der III. Internationale, deren] Mittel bald sehr groß sein werdfen, wird uns gesichert sein. Wir habere aber folgende ' konkrete Vorschläge: Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters und Angestellten gehört die "■";i „Freie Tribüne". -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.