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Freie Tribüne · 1919-05-17 · 18 (17.5.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
18 (17.5.1919)
Date
1919-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Freie Tribüne Nr. 18 a) Organisierung der gesamte^ jtid1. Arbeiter- Schaft im erneutett iWeltverbarjd Poale-Zion; b) nach einer intensiven Aufklärungsarbeit für Unsere Palästina-Idee, dieste Arbeit im Konjtakt und im!EinVerständnis mit dier III. Internationale führen. c) Entsendunfg von verläßlichen Genossen nach Palästina zur RevolutionierUrJg der dlortigen Arbeiterschaft. Es muß dort dier Kampf geführt werden gegen die Teilnjahme der Sozialdemokratie an 'den Machtorganen-, dien Kolonisationsämtern der jüidl Bourgeaisie und an die Organisation von revolutionären Oase'rj gegangen werden; d) aktive "Teilnahme an d!er Arbeit dier „Vereine zur Befreiung* fies Oster|s", hauptsächlich für Palästina und die Nachbarländer; e) Ausarbeitung dier Grundlagen für die Kolonisation ir>| Palästina, die nicht im Widerspruch stehen dürfen mit dfenj Erwägungen des gegenwärtigem, Momentes; f) es müssen alle Möglichkeiten der kooperativen Arbeiter-Kolonisationi ausgenützt werden; g) durch unsere Partei in Rußland» durch die jüd. Arbeiterrate, die wir aufbauen müssen, müsseinj wir das Auswandernngsbüro für die jüd. Arbeiter Organisieren. Das Referat zur Taktik folgt in der nächsten Nummer. Die Konferenz der englischen Foale-Zionisten. Bei der Konferenz der englischen Poale-Ziouiste», die Ende April bei Anwesenheit-von 45 Delegierten in London stattfand, legte Genosse Kaplansjcy den Plan der künftigen Arbeit vor. Die fplgenden, auf Palästina bezüglichen Beschlüsse wurden angenommen: a) Es wird gegen den Beschluß protestiert, den Juden, <Jie der hebräischen Sprache nicht mächtig sind, kein Wahlrecht zu gewähren. Es wird erwartet, daß die Bruderpaitei „Achduth we Awoda" (Einigkeit und Arbeit) den Kampf gegen iie Unterdrückung der jiddischen Sprache aufnehmen wird. Die Konferenz wünscht, daß die Sprachen frage auf die Tagesordnung der kommenden Weltkonferenz gestellt wird. b) Die Versammlung spricht ihr Bedanern darüber aus, daß es in Palästina tausende von Arbeitslosen gibt, ohne da,ß Fonds für öffentliche Arbeiten bereitgestellt worden sind, die ihnen Beschäftigung verschaffen werden. Man hofft, daß zu unternehmende Verhandlungen mit dem Aktionskomitee hierin Wandel schaffen werden. c) Eine Kommission soll nach Palästina geschickt werden, um zusammen mit dem Misrad haawoda Pläne für die künftige Palästinaarbeit auszuarbeiten und für die kommende Weltkonferenz Material zusammenzustellen, das als Grundlage für einen Arbeitsplan der arbeitenden Klassen zum Wiederaufbau Palästinas auf der Basis der produktiven jüdischen Arbeit und des GenossenschaftBWRsens dienen soll. d) Es soll sofort eine Aufstellung der jüdischen Arbeiter in England gemacht werden, welche beabsichtigen, sich in Palästina anzusiedeln. Das Palästinakomitee soll Pioniergruppen organisieren. Palästinakurse und hebräische Kurse einrichten und Achwah-Gesellschaften für Genossenschaftsmitglieder in Palästina einrichten. Wegen aller Fragen soll es in enger Verbindung mit dem Misrad Awoda lischkat bleiben. Das Zentralkomitee soll die notwendigen Schritte zur Aufbringung eines Kolonisations-Arbeiterfonds tun. Bemerkungen zu einer Künftigen Sozialpolitik. Die bürgerliche Sozialpolitik und ihr Fürsorgewesen, oder wie es jüngst — ohne Milderung seiner wesentlichen Schimpflichkeit — kleidsam umgetauft ward: die Wohlfahrtspflege hat zweifachen Ursprung, Erstens wird versucht, die Nickelopfer des wohltätigen Herzens — das sieh beileibe nie Silber oder gar Gold abringt — zusammenzufassen und zu organisieren, und zweitens wird gegen den gespenstisch drohenden Anmarsch der in dieser Gesellschaftsordnung Uebervorteilten und Betrogenen von staatswegen die Barrikade der öffentlichen „sozialpolitischen Maßnahmen" gestoppelt unter der Marke : Xinderschutz, Sozialversicherung, Volkswohlfahrtspflege, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Armenfürsorge. Die jüdische Wohltätigkeit und 'die christliche Caritas birgt ein vollgerüttelt Maß von Sehimptliehkeit in sich; sie scheidet schamlos den Ertrag aus gutem Herzen für den Eeichen von dem für den beschenkten Armen; diesem bietet sie die schreiend nötige materielle Augenblickshilfe, jener gewinnt wohlberechnete Beseeligung, Seligkeit und Gegenleistung hier und im Jenseits. Wohltun steht bei vor Gott, Mensch und Teufel. Jenes Brandmal seiner Herkunft bleibt dem Bastard der heutigen sozialen Fürsorge unverwischbar anhaften. Der einzelne von dieser besten Weltordnung schon gebrochene oder völlig zerknickte „Petent" kann nur von heute auf ein mehr oder weniger nahes Morgen über Wasser gehalten oder aus dem Strom herausgehoben werden; aber der Strom der Todeskandidaten oder Leichen unserer kapitalistischen Welt selbst bleibt mächtig, unausschöpflich. Unsere Ohnmacht gegen ihn weicht erst mit dem Ende des kapitalistischen Chaos. Die Mühlsteine des Kapitalismus werden stets einen größeren Abfall an Marodeuren liefern als eine unzureichende, losgelöste Sozialpolitik heilbringend aufzunehmen vermöchte. . . Die nächste Zukunft wird in Anbahnung und als Vorschule der kommunistischen Gesellschaftsordnung in gänzlich anderen Dimensionen der Sozialpolitik arbeiten müssen und ihren bisherigen Beweggründen entgegengesetzte suchen und finden. Und ihre zwei Hauptprinzipien werden sein die Vorbeugung und die Anerkennung, daß die soziale Fürsorge Subjekten, nicht Objekten ihrer Betätigung gegenübersteht. Das Proletariat, die werktätige Bevölkerung selbst nimmt Fühlung und Entscheidung in der sozialen Veiwaltnng in die Hand und ersetzt und beseitigt so von Anbeginn jederlei Bevormundung, Begönne»ung, „Liebestätigkeit." und Wohltäterei durch Einzelpersonen, Konitees. Bürokraten und durch deren zufällige Eignung oder Unfähigkeit, Stimmung oder Konnexionen, Unernst und Undisziplinitrtheit; nur so kommt wieder Menschenwürde und das Rech t des auf den Schutz der Gesellschaft. Angewiesenen zur Geltung an Stelle der nun . fast nicht mehr ansrottbaren milden Gabe, die allein schon durch ihre Zufälligkeit und Willkür demütigt. Allen prophylaktischen Institutionen der Selbsthilfe und vom Settlement, Jugendheim, Mutterschutz bis hinüber zu den genossenschaftlichen Vereinigungen tritt die unermeßliche, tatbereite Kraft der Gesellschaft an die Seite, die sich in den Dienst ihrer Einzelmitglieder stellt, zur Förderung nndErhaltnng der gesellschaftlichen Arbeitsschätze und um jedes Einzelnen selbst willen. Für solch schützeude, schöpferische Arbeit harren tausende Hände, Herzen und Hirne des Rnfes zur wahren sozialen Fürsorge. fln die Genossen! In dem Artikel „Der Maiengruß der Arbeiterzeitung * in der Nummer 17 unseres Organs vom 10. d. M. wurde der Passus: „Ja, dieselben Sozialisten haben sich jetzt von der zweiten toten Internationale abgewendet und sich der dritten völkerbefreienden Internationale angeschlossen", bezüglich unserer Stellung zum allweltlichen Verbände der jüd.-soz. Aibeiterpartei „Poale-Zion" seitens mehrerer Genossen mißverständlich aufgefaßt. Die Parteileitung erklärt demgegenüber, daß die deutschösterreiehisclie Partei nach wie vor sich als dem Veibande unserer allweltlichen Paitei zugehörig betrachtet, ebenso wie die poale-zionistischen Organisationen im Räte- Rußland und in der Ost-Ukraina, die auch, wie unsere Partei auf dein Boden der III. kommunistischen Internationale stehen und für die Verwirklichung der Ziele derselben 'tätig sind. Die Parteileitung. Unsere Bruderpapfei in Deutschland. Die „Poale Zion" haben in Deutschland .überall den 1. Mai durch eigene Veranstaltungen gefeiert. In Berlin war abends eine große Versammlung unter Vorsitz des Genossen Feder, bei der die Genossen Kornfeld und Dobrotziwer Referate hielten. Auch der hier weilende gewesene Minister für jüdische Volksangelegenheiten in der Ukraine, Genosse A. Rewutzki aus. Kiew, nahm das Wort. In Frankfurt a. M. sprach Genosse Rubaschoff vor einer tausendköpfligen Versammlung. In Chemnitz und Breslau wurde von den Versammlungen an unser Verbandsbureau telegraphische Gratulationen anläßlich des Erfolges auf der Internationalen Sozialistenkonfeienz in Amsterdam abgesandt. In Halberstadt wurde nach einem Referat von Genossen Selwer eine Protestresolution g*egen die Pogrome ang-enemmen. Heute findet in Berlin unter dem Vorsitz von Genossen Alfred Berger eine Massenversammlung der Poale—Zion mit der Tagesordnung „Die internationale sozialistische Konferenz und die Judenfragew statt, bei der folgende Genossen referieren : Leon Chasanowitsch. A. Rewutzki, S. Rubaschoff, Dr. Oskar Kohn, Eduard Bernstein und Julius Kaliski. Eine Kundgebung jüdischer Sozialisten. Der „Vorwärts" berichtet: Eine Versammlung der Berlind Gruppe der jüdischen sozialdem. Partei Poale-Zion, die am Mittwoch abend im Klindworth Scharwenka-Saal stattfand und von über 1200 Personen besucht war, wurde mit flammendem Protest geg-en die neuen furchtbaren polnischen Pogi-ome in Litauen von Alfred Berger eröffnet und erhob sich zu Ehren der Pogromopfer von den Plätzen. Nach den Reden von Salman Rubaschow, Eduard Bernstein, Oskar Cohn, des ehemaligen Ministers der ukrainischen sozialistischen Regierung Abraham Rewutzky (im Jargon) und Leon Chasanowitsch wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung beglückwünscht das Verbandsbnreau zu dem schönen Erfolge in Amsterdam und begrüßt die sozialistische Internationale zur Erfüllung der berechtigten Wünsche des jüdischen Proletariats. Sie erklärt, den Kampf für die Wiederauf lebung des jüdischen Volkes und für die Durchführung seiner berechtigten Forderungen in Palästina und in der Diaspora auf den Grundsätzen der Internationale mit aller Kraft weiterführen zu wollen/ Bibliographisches. Jakob B r o d : Der Bürgerkrieg. Sozialhistorisches Drama in fünf Aufzügen. Volksbuchhandlung Brand, Wien 1908: Delescluse: Ich hoffte, wir würden Frankreich durch Paris und sodann Europa durch Frankreich befreien .... richten wir unseren Blick auf das Ganze, auf das Große, auf das Große ..... So hofften Lenin und Trotzky, als auf dem Petrograder Himmel die Oktoberrevolution flammte. So hofften Liebknecht und Rosa Luxemburg, als sie sich mit Aufopferung ihres ganzen unersetzlichen Seins der Scheidemann — Noskeischen Konterrevolution entgegenwarfen. Und so auch Budapest, München, Leipzig und die gegen die Liquidierung der Revolution sich aufbäumenden revolutionären Kläffe in Deutschland, Dentsehösteireich u. s. w. So hoffen alle und lichte^.- ihren Blick auf das Ganze, auf das Große, auf die soziale Weltrevolution, auf die befreiende Tat! Das historische,' blutige Opfer der Kommune ward nieb,6 umsonst gebracht. Ans der blutigen Saat des siegreichen Kapitals, steigt der Ceberwinder auf, der die mit Blut durchtränkte Fahne der Legion der .Verlorenen Kindbr". über deren Leichen die Thieis'sche Konterrevolution ins Kommunistische Paris eindrang, rotflaiumend über dem europäischen Himmel entrollt. Es tut not, sich von der blutigen Wirklichkeit-r-' r* wütenden Ordnnngsbestie in München und Leipzig in die Geschichte der großen Tage zu flüchten, um den „Blick auf das Ganze, auf das Große" zu lenken. Und da werden wir dankbaren Gefühles zu einem Buch eines edlen, reinen Idealisten greifen, der sieh in das hehre Drama der Tage der Kommune so tief versenkte, daß er sie in den lebendigen : Bildern eines sozialen Dramas in ihrer ganzen Erhabenheit in Kampf .und Niederlage, bei ungebrochener Sieghaftigkeit der Idee vor uns auferstehen ließ. Das soziale historische Drama „Der Bürgerkrieg" erlebt man wie eine schöpferische Gestaltung unserer Tage. Hören wir nicht aus den Worten Ferre's: „Die Bank ist nicht, nur die Seele von Handel und Industrie, sie ist auch die Seele der Nationalversammlung; bemächtigen wir uns ihrer Seele und der Körper folgt uns willig," den prophetischen Rat eines weitsichtigen Führers? Rufen nicht mit Robineau alle wohlwollenden und meinenden Sozialreformer: „Sie bewegen sich, meine verehrten Bürger, mit großer Kühnheit auf schwindelnden Höhen. Die Stunde der sozialen Revolution hat noch nicht geschlagen. Tch rate ihnen den Weg der Evolution zu betreten." Lesen wir nicht schaudernd Renates Bericht: „DieVersailler hausen wie im Feindesland. Frauen, Kinder, Greise finden keine Gnade bei ihnen; Die Gewehre scheinen von selbst loszugehen und die Kugeln treffen ihre Opfer wahllos. Paris ist wütenden Bestien preisgegeben!" wie einen Bericht über den Siegeszug der Noske'schen Garde in Berlin, oder München? Brods Drama' führt uns mit sicherer und liebender Hand auf den mit heiligem Blute durchtränkten Boden der niedergerungenen Kommune. Wir lassen uns führen im kraftvollen Bewußtsein, daß es ein großes Erbe zu erringen gilt! Der revolutionäre Elan unserer Zeit ruft auch nach einer entsprechenderen Bühne und nach dem Drama der Zeit. Daß Hauptmanns Florian Geyer aufgeführt wurde, ist zu begrüßen. Man muß aber auch den Wunsch aussprechen, daß der „Bürgerkrieg" der Vergessenheit, in die er in einer muckerischen Zeit geriet, entrissen, dem Arbeiter in die Hand gesteckt und auf die Bühne gebracht wird. " n. Voranzeigen. Donnerstag, den 22. Mai 1. J., halb 7 Uhr, findet im Komödienhaus, IX, Nußdorf er Straße, die Aufführung des jüdischen Arbeiterdramas EISIG SCUEFTEL von David Finski, Regie: Egon Brecher statt. Karten sind an den Tageskassen des Komödienhanses und in der Administration „Freie Tribüne4, IL, Glockengasse 6, Tür 17, zu haben. Die Poale-zionistischen Arbeiterräte versammeln sich Montag, den 19. d. M ha}b 7 Uhr abds. im Parteisekretariat, II., Glockengasse 6/17. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen Pflicht. ' Jüd.-soz. Arbeiterpartei,.Poale Zios*" D.-Oe Bezirksorganisation Innere Stadt. Sonntag nachmittags findet ein Ausflug statt. Treffpunkt Universitätsstiege 2 Uhr nachm. Führer Gen. Nattel (rotes Abzeichen). Es wird auch eine Aussprache über ein sozialistisches Thema stattfinden. Jüd.-soz. Arbeiterpartei „Poale-Zion" Deutsch-Oest., Bezirksorganisation Leopoldstadt, II., Stefaniestraße 2. (Cafe Stefanie). Samstag, den 17. Mai um halb 7 Uhr abends, Vortrag des Gen. Nagler: „So/.ialisienmgsprobleme beim Aufbau Palästinas". Dienstag, den 20 Mai um halb 7 Uhr abends, Diskussion über aktuelle politische Fragen. Samstag, den 24. Mai um halb 7 Uhr abends. Vortrag des Gen. Alexander: „Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung in Rußland" III. Akadeni. Verband jüd. Sozialisten ,,Poale Zion" ( ,Cherut" und sozial. Vereinigung jüd. Hochschüler.* Montag, den 19. Mai findet im Cafe Wien (vis-ä-vis der Universität) um 7 Uhr abends die Konstituierung des Verbandes statt. Weitere Tagesordnung : Stellungnahme zu den Wahlen, in den allgem. Hoc,hschulausschuß, Organisationsfragen und Even tnal ia. Sonntag, den 18. Mai um 2 Uhr nachm., findet ein Ausflug statt. Treffpunkt: Universität-Hauptstiege. Führer :. Alfred Nittel (rotes Abzeichen.) Sammelt Abonnenten für &tr Blatt! flbottßcnkn-Blo<t(s «ad Sammdbögcn im partcljcljrctariat U., GtocK«ngasse Kr. 6, Tür 17. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck von Josef ü o y e r, Wien, IX., Liechtensteinstraeg S

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