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Freie Tribüne · 1919-05-10 · 17 (10.5.1919) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
17 (10.5.1919)
Date
1919-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Freie Tribüne Nr. 17 Die IL internationale zur Judenfroge. Die jetzt in Amsterdam tagende intiernaticftate, soizialistische Konferenz hat im Anschluß an die Beratungen der Berner Konfterehz auch die von ur*- serer Delegation in Bern vorgeschlagene Resolu- Iutiou auf die Tagesordnung gestellt. Wie es allen wohl aus den Berichte.i bekannt ist wurde diese idJeJr Piernianenz - Kommission zur Bearbeitung überwiesen. Nun wurde die nachfolgende Resolution einmütig zurrt Beschluß erhoben: „Die internationale sozialistische Konfcr'eii/. anerkennt dien ihternationjaleu Charakter der jüdischen Frage und verlangt daß im Einklang mit dem Sielbstbestimimungsr echte die Stellung der Juden international auf folgenden ör.uitijilagen gesiegelt wende: 1. Völlige Gleichberechtigung d;er Jujdeu in allen Ländern und internationaler »Schutz der Judien solvvi'e allier übrigen nationalen Minoritäten gegen physische Verfolguu'gien iu»nd! wirtschaftliche 'Unterdrückungen. 2. Gleichberechtigung] der Judien, soweit es sich um diie F ,r ,e i h e i t d e r E i n w a ,n d ie r u n g iu ri fd Au s'w ander uing in alle Länder handelt. 3; Na t io nalie Se 1 bst v;e r wa'l't un g auf pe|r Grundlage dier nationalfeil Prinzipien. 4; Anleirkjennung dies Riechties dier jüdischen Nation, tei'ne leigenie Heimat in Palästina zu gruiideni. 5< |Vie;'rtrietung der jüdischen Nation im Völketbunidie." Dieiser Beschluß ist als1 Etappe zum Siege des poaliei-zionistis^hien G|e!dankiens übler die Lösung der judiewf'ragei sicher warm zu 'begrüßeln. "Wir Wölfen uns jedoch nicht verhehlen, daß diese Resolution öolaaiige nur platonischen Charakter haben wird, s(o langte; nicht zum Träger derselben das siegreiche revolutionärie Proletariat werden wiildi das in der völkieirbiefrieiieinidieln III. Internationale um den vol'lejnj Sijeg dies Sozialismus iringit. Die_ Vers'uehie, miit untauglichen Mitteln in Bern un~d Amsterdam die kiriegsbeg|eistert|en und annexionslüsterneni Sozialdiplomatiein zu karnfpfiesürohen und bekieiintnistreuen; Sozialisltiein^ zu teineir schlagkräftigen Internationale, ü'i!ej diiiei iin Veirsaillieis gieschmiedieten Waffeln des1 Kapitalismus! an innerer Geschlossenheit md Kraft Stumpf miachleln kann„ iujmziuimodleln, kcfilninjen uns kein, Vieirtraupiti einflössen1. Wo diie P(. P, S. ihre Beßichiütziqr,, wo idle deutsidböst]erreichisehe Sozialdemokratifä und diie Schieidlemännier Platz haben, dort fdömnein wir weider für diie, Erfüllung dier Kampfziele) diesi Sozialismus;, noch1 für die. Befreiung des1 jlüldiischein Proletariates aus mehrfacher Not, etwas1 ie|rhoffem,. Aus eigener Kraft gestiüitzt auf die neu' aufierstandteniei III. Internaticttale;, wird die Erlösungi jdjej$ jüdischen Volkes kommiein. — iDieir sozialdemokratische Klub hat ein Aktionsprogramm aufgestellt in dem die Soziafösiierung den (ersten und schönsten Platz eitagienomniienj, hat. Um Idile Sozialisieiruing sollten sich allle andieren, mta.de r. (wichtigen Plrobleme drehen. Von der Sozialisierung aber — so erklärten die Sözialdiemokraten — lassen sie nicht ab. Daran gibt es nichts zu rütteln. Auf dem Boden diesles, so wundervollen Aktionsprogrammes, ist nun die Koalitionsregierufcig gebildet und eingesetzt worden. Man sollte taun (glauben, die Regierung und die in derselbenvertrettien,en Parteien stehen einig und geschlossen hinter dem von den Sozialdemokraten ausgearbeiteten Aktionsprogramme. Man sollte meinen, die Parteien, die die Regierung beschickt haben, waren zumindest übe:* die grundsätzlichen Voraussetzungen der Sozialisieirung im Klaren und waren vch vorneherein) üben* das durch die Sozialisierung anzustrebenide Ziel einig. Das: Zustandekommen der Koalitionsregierung unid die dieses Zustandekommen begleitende Musik' sollte daran glauben machen. Und viele, gar viele haben tatsächlich daran geglaubt. Bis bis die eine;. Partei es nicht länger ausgehalten.: ufci'd in unzweideutiger Sprache der Ocffentlichkeit gerade heraus gesagt hat: ics ist eine Lüge! J3js ist eine L üge, d a ß w ir —- bei de K o alition sp.arteliien durch die Sozia li- Ö ier u ii g |e. i n itt ned d a s Sie 1 b;e Ziel ans't r eli'fi'li. Diß Oeffentlichkeit Und die in sich zusammengebrochen© Regierung 'müßten daraus die einzig »mögliche Konsequenz 'ziehen und sich sagen.: es ist daher auch eine Lügje, daß wir eine Regierung fhab;en. Eine Regierung, deren Mitglieder zwei diamejtiral entgegengesetzte, einander sich ausschliessehde iZiele anstreben, kann tiieht einheitlich regiereini; tele m ußi da her zur ü c k t r e t ie n. Sozialisierungskrise bedieutet nichts' anderes, als Regierungskrise. Also> d|er gesunde Menschenverstand'! Doch was* mußitjen wir ierlebien. Nach einer ohnmächtigen Geste dies- Sozialisiierung-s'apostels begann dier unwürdige Stre;it: Wer hat gelogen? Das klassenbewußte Proletariat weiß schon lange: es haben bieifdie gelogen, und zwar in; erster Linie haben beide sich selbst belogen; sich seihst eingeinedlet, man kann dem| kapitalistisch efci unid s oz i a 1 i s t i sfc!h ien Gotte g 1 e i c h z e i t i g (dienen.; , Nun; ist ie's' arjer allen Wiel't klar, daß! man entwieder aozialisieriem! odfer koalierien kann. Beides auf einmal ist unmliögli eh. Und man muß schon sagen: das „Verdienst", diese unerläßliche, Kvor allem für die Arbeitleirscihaft' so wünschens'wertiei Klarheit geschaffen zu haben, gebührt den . . . ja, dien Christlichsozialen. Sie haben den Mut gefunden, in nicht miftzwverstehender Weise sich offen dazui zu bekenniem, wiovob wir stetig überzeugit wa ren, nämlidh': d a ß d a s P r i v a t ie i g e n t u m; f ü r sf i ie h e i 1 i g s t ie sl Natu ir r (q c h t i s11 tun d da ß, wen n Öiib Sozialdiemo'kiratein auf gesetzlichem! Weigle dassielbe verwirklichleu wollften, was die Kommuni- ^tiem auf ungesietzlichleim; sie. .....- die Christlichsozialejn^ esi niemals miitniachiein werden. Wasi folgt nun daraus. Entweder die Sozial Idemokratein behaltlem ihre Koalitionsgenosseb in der Regierunig, dann müssein sile auch1 dier eh Ges'inniung irespektieren und auf' die Sozialisieruing verzichten, oder die« Sozialdemokraten wollen tatsächlich nichts anderes;, als auf gestetzlich-parliamentaris'chem Wege Feuilleton. Erster Mai in Erez-lsrsel Erinnerungen, Uebefrsieit'zt äus sern Ji'ddischen. Wotohein, vorhtelr begann man zur Feier zu rüstjein^ Uin[d idas zog so und reizte: Erster Mai in Jerusalem! Im deir alten Stadt d^r neue Fiest^ag. Beim Volke der Tradition idasi Fest d|er Arbeit! Auf den Trümmern .dier Vergangenheit das Fest dier Zukunft! Man rugfietle mit stilldr Freudie itn Hierzen und ljeiwchtendlem Feueir im Blick'. Diie östlichien Emwanldjeirer lerinnleirii sich ihrer Hefmatländer: Schrecken vierbneitet sTidh ringsumi. Heiligeir Schauer, durchzitteort die; Seelie;. Aufrufe, rVoirbereitungiein zium Streik, Deimpnstrationiem! mit roten Fahnen. Anfangs Unruhe, danin( stolze Zuftrieideinheit. Wie wird ess hiler sein, im Landlei der bestchiränkten Gegenwart und tblühepd|e^i "ZuKunft?! Die Jemeniten .veirsamimieln sich im Arbeiterklub, aüte ganz Ohr und erfüllt von all! dem Neuen, tfasi sie zu hören bekommen. Gewiß« sie,, die! .Jemeniten, wissen es ganz gut: Fronarbeit leiste sie. Dto Ausbeutung efer eigenien Brüder ist veirbrecheriäch ärger als die ägyptische Sklaveriei. Dort war es doch edti Fnem'deir, der unterjdrüickte, hier ist es eib Eigeaer, ein Jude. Ö, diie Welt ist s'chldcht und! ilire Ordnung häßlich. Wahr, der Mensch ist in Verbannung und muß sich befreien. Dazu tut Eiligkeit jnot. Nun ja — ^Einigkeit desiSchöpfeirs*^ „Israel und idife Lehre sind eins." Aber nein, hier wird! von der Eilnigkieit dejr Proletarier gesprochen, nun Proletarier sfimjd sie und däe' Macht der Eini'gk;eit kfenlnieh' si'e. Eine neue Miele eirh!ejllt ihren Geist, entflammt ilhjrem Blidk : Sie werfden streiken, werdiem den1 Festtag! der Arbeit feiern. ,'Es ist der Vorabend dies1 Maifiestes, das' Volks- Waus ist füjr die Versammilung nicht bewilligt — es' ifet doch ein „i&rfiundiener" Festtag. Jerusalem ist igiei- Wöhnt, alles fertig zu bekommien, sogar; diie Festtage. Man versammelte sich also im1 Garten. Hunderte, Tausende! Die Maiennacht schwebt ruhig,, majestätisch', Dielr "Mond lugt blaß und verwiunäiert hervor: Was' geht denn hier vori? Fröhliche jüdis'chie Stimmen iln einer IMaien'nacnt ih Jierusaliem! Es hat sich einei stattlidhe Menge; vom altjen und neuen Ji'schub versammelt. Stolze, sozial'istischie Losungen leirklingen, Tialllep wider vc*i Baum und Strauch^ zünden die Blicke und entflammen diie Herzen. Eine neue^Welt muß lersteh'efn durch diq 'Macht der Arbeit. Die jüdische Arbeit erschafft ein neues jüdisches Leben im alten jüdischen Land. Es1 hiebt sich freier die Brust, die Muskel s'pannfen sich. Freie1, itolze Freude! Die Füße komm|en in Takt, die Hände schlingen sieh ineilnahder und schorf schwingt sich ein lebender Mensch rund im Reigen. Es klüngt das Lied der stiüjrimenden Kraft unid d(es stölzjen Lebens: Wir kbmmien, die Niduen, die Jungen üttd Stark[e;n> ' i ' : fdie Träger .deir jüdlisclijen Arbeit! IWir ebnen die Wege dem jüdischen Volk'e^, ' wir künden der Welt die Erlösung! "Es schwedlgt die alte Stadt und horcht verwundert. Hat schon lange nicht solch feste Stimmen gehört, solch gerade Rücken und stoben Glauben gesehen. — Wir sind ja arme Chalukkah-Juden, dasselbe verwirklichen, was die Kommunisten' auf dem alleinigen Wege der Diktatur verwirklichen zu können glauben, dsftn! . . . ja, danjn müsset* die Sozialdemokrateil dik t i e r e n. 'Es heißt zu entscheiden: Sozialisierungskrise oder R e gier u ngsk ri s e? Welches von den beiden wird die SoziaDcfemoferatie wählen? „Die Macht In Stadl und Land erobert" jauclizt die „ Arbeit er- Zeitung" nach dem Mehrheitseinzng in Landtags- und ( Jotneindestuben; „die Epoche der Erfüllung: des Sozialismus hat begonnen." l'nd furchtbar hört sich ihr Drohen an tye£cn die. sttfrisfdi-unverbesserlichen klerikalen und kapitalistischen „CJruppeu, die man nicht belehren, nicht gewinnen kann, di^ man beseitigen muß." Vorliinfig und bis auf weiteres freilich wird marrs mit der Belehrung1 nnd Gewinnung allein versuchen. Die säufti^liche iifethode der Kapitalistenbekehrunfr — sie ging seinerzeit auch Fritz Adler auf die Nerven — war seit jeher ihre liebste. Und vielleicht vermag die „A.-Z." au dem von ihr vergessenen Grand tiir die Wahlmiidigkeit doch ein Stück Wahrheit entdecken? Daß niimiieh die Volksmassen im ablaufenden Vierteljahr schon einen tüchtigen Vorgeschmack von der Fruchtbarkeit parlamentarischer und „interfraktioneller", klassengegnerischer Zusammenarbeit bekamen, als sie die Harmonie der national-versamnilichen Flitterwochen durch Wuttes wirklich unzarte und lieblose ehenntnnliche Ablehnung der Eigentumserschiitterung gestört sahen. Den breiten Volksmassen ists also Wurst, wer drin sitzt und redt' . . . Es schaut ja nix raus . . . Den r Oberen" wird kein Mensch weh tun. Wollt Ihr die Probe aufs Exempel hören? So prophezeien wir Euch schon heute, daß die Hausherren, die besonderen Schützlinge des früheren Regimes, auch weiterhin Liebkiud bleiben. Wo soll uns gründlich helfende Hoden-und Wohnungsreform blühen, wenn das heilige Privateigentum angebetet oder zizerlweise abgeschmeichelt werden muß. Auch nnsere jüdischnationalen Bürgerlichen frohlocken zu früh! Wirkliche Gleichberechtigung und gesegneten Hoden für ihr kulturelles Wachstum, werden die jüdischen Volksmassen nur in den frischen Fluren des »Sozialismus linden, die mit der proletarischen Diktatur erobert und befreit werden. Freilich, die Mißwirtschaft der christlichsozialen Unfähigkeit und Borniertheit ihrer zumal im Krieg „bewührten" Verwaltung ist ein für allemal begraben. Aber all das ist jetzt dem erwachten Proletariat zn wenig. In diesen Tagen des Aufbaues einer neuen Welt auf den Trümmern der zerstörten und zerfallenden alten, vermag nur die intensive, willige Anteilnahme aller Arbeitenden das Werk zu vollbringen. Nur die Arbeiterräte sind gerade für die Einzel- und Kleinarbeiten in Gemeinde, Bezirk und Land imstande, nach den entsprechenden Grandzügen für das Heich, den schöpferischen Wiedvraufban zu beraten und durchzuführen. Für diese schwere Aufgabe der Arbeit genügt nicht mehr die vom arbeitenden Volk und Leben losgelöste parlamentarische Eedemaschinerie. Da tut vielmehr die alleinige Entscheidung und politische Mitwirkung der produktiven nnd wertschaffenden Volkskriifte not. Das Prinzip des bürgerlichen Perlamcntarisnms ist überholt. Der Grundsatz bürokratischsr Gesetzgebung und Verwaltung — und nenne sie sich auch sozialistisch und demokratisch — ist im Absterben und erledigt. An seine Stelle tritt die Jiätoherrschaft des die von die/r ^Wjelt" leben und vor Ihr knien;, wir Tkiennen nur 'Klagelieder auf Ru.Vien. Unid1 lautleir erschallt das Lied der Arbeit bezaubert und1 begieisltiert, teilt übler 'Berg und Tal, duirchbrauslt das mildfe, klare Bl'au der orientalischen Mainachty'-. . Am nächsten Tag iru'h't diie Arbeit. Rote Ne-lkten im1 Knopfloch unid ein Spaziergang ins Feld. Jemenitenj Aschktenasimi, Sephairdim; jüdische Proletarier aus allen Ländern veneinigiein sich zur Feidr des internationalen Maifestes. Jaffa ijs't das Zentrum dier •Einwanderung' uind!die Arbeiterschaft besser organisiert. Es viersanimsefn si'dh Tausendie im Arbeiterklub und füllen dien Platz davor. Es sind Gäste vom allvvieltlichen poale-zioni- S'Chen Verband angekommen, gieradie zum ersteüi Mai'. Dies stärkt das Bewußtsein der Einigkeit und Einheitlichkeit der jüdischen Arbeiterfamilie. Revolutionäre Reden, Arbeiterliie'der und zum Schluß der National-Tanz, ein,e Kombination von chassidischiem F|e,ueir und primiitivier ara'bischer Lyrik, daß die Umgebung verschwindet, der Horizont sich wjeit|et und das Leben lockt und singt! .[. . Die Maigesängie dringien auf 'die Gassie, von dort aufs Feld, verbreiten sich über das Tal Jies're.eil!,t ergießen sich1 in die Wellen dj.es stürmischen Jordatnt siie? kosien um das s'chneieige Haupt des Hermion; und entlocken dien gri'mmiiigien Fielsriiesen1 voh Juda ei® Lächeln. Still ,und 'majestätisch schwebt die Maiennacht. Es1 (Sammeln sfeh die jüdischen Arbeiter von aillen Enden der Welt im neuen Lande. Sie schaffet das neue Land fdfer Arbeit und singein das taeuei Liefd jdjer Arbeit. Schön föft sie> die Maiennacht im Lande, Jaakow Witkin.

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