Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 13 (12.4.1919)
- Date
- 1919-04-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2827798-2827856-2827868--059-2828077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Freie Tribüne Nr. 13 von ei n e r Gruppe allein wird ausgerichtet werden. Oder Sie wäre Terror. Wann aber wird die revolutionäre Einigkeit des Ptroletariats kommen? So brennt die Frajie auf den Lippen der jüdischen Sozialisten! Sie kommt, Idas ist gewiß, unsere Ajufgabe aber ist, das jüdische (Proletariat, seine großen Massen zu gewinnen und zu organisieren. Soziale Revolution und Palästina/] In dieser Stunde, da der Sturm: der sozialen Revolution die Ueberrieste einer alten und; finsteren .Vergangenheit wegräumt und freie Bahn für die Zjukunft schafft, feiern die längst begrabenen' Idieen Ües Kosmopolitismus unjd! der Assimilation Wiedlerauferstehung umd Unter! Id(em' Mantel1 ieiner Phraseologie der Klasseninteressen versuchen sie. es wieder, im jüdischen Arbeit,erleben festen Fuß zufaRen. Wir Pioale-'Zion waren immer der Meinung, daß in der kapitalistischen Gesellschaft das nationale Moment den Klasseninteressen unterworfen werdein muß und unser Kampf für nationale Befreiung 'bewegte sich immer auf dem iBoldlen des Klassenkampfes. Schon Borochow lehrte uns, daß die Grundlagen einer Nation die besonderen Produktionsbedingungen sind[ und daß die Klassenbilduing" Bich nur auf Gr|und idfer Produktionsbeziehungen vollziehen kann. Es erscheint daher klar, daß mit dem Siege des Proletariats jd&e alten Produktionsh e z ilehungen und id'ie Klässenmömente verschwinden werden. Dann erst wirjd.' die nationale Frage auf den Ptfain treten,, denn döe soziale; Revolution räumt nicht auf mit den Prodluktionsibe z iehunge n der Nationen. In der Epoche d|eis! Imperialismus' war das; Streben des Kapitals immer diahin gerichtet, die, nationallen Grenzen wegzuräumen, immer mehr fremde Nationen (unter seine Herrschaft zu bringen, große imperialistische Staatengehilde zu schaffen, um dadurch Ülie Pröduktiöns'bieldin^ungen der kleineren Nationen einzuengen oder ganz unmöglich zu machen. Die kleinen Nationen führten ihine Verteidiöuimefmit allen'Kräften und idlas Resultat dieses Kampfes war der Weltkrieg. In jdler Epoche dies Imperialismus strebten die Nationen für sich id[en Weltmarkt zu erobern und vergossen Ströme von Bllut, um einen Wjeig z|u! ihm zxi\ finiden, ihr Bahnnetz zju vergrößern. In derselben Zeit jedoch bemühten sie sifcjß ajftdh, die Grjenzen des Weltmarktes einzuengen!, um sidh dier Konkurrenz zu entziehen. Wojhll war in der kapitalistisdhen! Gesiellsdhaft jede Natiort bleimüht, ihrerProduktion! Ihren eigjdnartigein nationalen Stempel aufzudrücken. Doch be- 'mlühte sidh1 jede nationale Wirtschaft auf1 allem Gelbieten zu produzierlen, wenn es sich auch: einzelinen Nationen nicht immer lohnte; vom Standpunkte einer rational organisierten Weltwirtschaft Kräfte zu yers'öh'wendien. Je|d(e Nation streibte zu, ökonomischer Unabhängigkeit von den anderen Nationen'. Der Schrecken der fremdlen Nationen wird in der kom'meindlen sozialistischen Ordnung seine Kraft als' wirkender Faktor vier Heren» dleWn in ihr wird *) Anm. d. Red. Der hier abgedruckte Artikel gibt ein Referat wieder, das auf einer Konferenz der «Poale Zion> Sowjetrußlands von Genossen Rosenhaus gehalten wurde. Icfre a l[ss S ö h n e u n 's e r e Im' .V o l: Je e geh ö r e n und v on der geistigen Kraft unseres Stam'mcs zeugein. Dieser Neid;, Idieser Stölzl gehört aber nur den wahr lei n, ganzen Dichtern. Um die Halb- und Viertel - Weilte, rouß Ün's; nicWtj so sehr schade sein, den^i diese sind ja eigentlich die Quelile jeglicher Geischmacksverirrung und sind wuchernde Pilze in; dien Gemächern der Schönheit. Es ist wohl! begreiflidh, daß Part e i;1 i t e r a - itur in verschiedenen Sprachen gemacht werdem muß, »aibl^r di© s,öl'l bloß A feg ff k 1>lä r u n ig s I i t e r a t u r.!b!e'ib;en ohne künstlerische Allüren. Und könnten die Herren vor lauter Kun st sie ligkeit doch nicht dem „Drange wid'erstehn" — dann sollen sie sich eine jgawz neue Flagge anschaffen und die heiße: „Partei kiijjnist". Unsere Flagge, die dler jüdischen Literatur, ist jedenfalls nicht das Feigenblatt. #ür literarischen Herrn aphroditisimus. Und zum Schluß noch ein Wort an die Giejbiurtshelfer und Paten dieser literarischen Mißgeburten. Wenn ihr keine Achtung vor euch selber jhajb.t — dann ist es eure eigene Sache. Was wir labe.r {von euch unbedingt und nachdrücklichst verlanget!]] Änjüssen, ist: Mehr 'Achtung vor der jüdischen Literatur! Laien, sollen sich nicht als Kulturträger (gebärden, sie müssen sich vorher informieren und noch viel lernen ehe sie sich daran machen, ejnelri Kontakt zwischen -der Kunst und dem Leben herbeizuführen. Ist es schon eine Sünde, wenn utilsere: wKultiUrvereine" so herzlich wenig tun, um der fortschreitenden jüdischen Literatur die Steine, aus diem Wege zu schaffen, so ist es zehnmal Sünde und (Schmach, wenn sie uns die Grobs, Schorrs und Fiufcelsteine in den Wegzu legen wagen!. S. J. Imber. jedes Volk nach seinen Kräften arbeiten, im Einklang mit den gegebenen P,rc>$uktions-Bedingungen, wie Klima, Boden, soziale Schichtung usw. 'Während in der kapitalistischen Gesellschaft Disharmonie zwischen den nationallen Wirtschaften un^ Anarchie auf fast allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens herrschte,, wird id5e sozialistische Gesellschaft auf den Grundsätzen der Organisation, Orjdnung und Völkerharmonie gebaut sein. Die Nation der Zukunft wird: eine Arbeitsn a t i o n sein und ihre Entwicklung wlrd^sich nur auf der festen Basis ihrer Pfroduktions.bedingungen vollziehen. Und diese gesunden Produktionsbedingungen, welche auch in der sozialistischen Gesellschaft eine notwendige und} unvermeidliche Grundlage für ein normales,, nationales Leben bilden werden, werden dem jüdischen Volke auch in der sozialistischen Gesellschaft so lange fehlen, als es in seiner jetzigen - Exterritorialität verbleiben wird. Denn diese Bodenlosiekeit war die Hauptursache der Leiden des iüdisehen Volkes zu allen Zeiten. Das jüdische Volk hat kein eigenes Territorium als Produktionsbasis besessen und mußte sich daher immer den fremden P;roduktions;be'4ingungen anpassen. in jeder ökonomischen Epoche hat sich die jüdische Nation in besonderer Art der Umgebungi angepaßt,, gemäß dem Geiste unft den Möglichkeiten idieser Epoche. Z. B.: In der feudalen Epoche haben juiden alli ein^Vermittlierination. zwischen agrarischen Völkern bestanden un(d| sich erhalten. Wenn in irgendeinem Lanrfje eigenes Kapital entsteht müssen die Juden ihre Tätigkeit in ein anderes^ rückständiges Land verlegen. So habeiK Juidlen eine, bewegliche Oekonomik geschaffen, sind jed(pch immer solange) als1 möglich eine Nation geiblieben, welche an sich eine einzige einheitliche Klasse bildete. Jedes Malt wenn "irgeniefleine Wirtschaft sie aus (sich herausj^estoßen ha£ sind Bestreibungen aufgetaucht,, das jüidlis'che Volk in den Zustalnld eines normallen, territorialen Volkes zu bringen und im! Gegensatz zu den nationalen Bestrebungen stärkt ein sich eiblenso auch diei aissimiÜatori'siChen Bestrebungen. Während solcher Krisen hat die Assimilation ganze Teile der Nation abgerissen un|dl (die subjektiv, erforderliche, aber objektiv unmögliche territoriale Lösung des Problems nahm zugleich Icßie Formen falscher messianischer Bewegungen an. Während der Entstehung dies Kapitalismus hat sich1 dasselbe Bild wiederholt: Die falschen Illusionen, diaß die hourgeoisie Revolution die Juld(erifraige lösen wird, o(der die Taufe oid'er die Assimilationshlelwegung; und ... Moses Heß, P'itisker, Herzl! mit ihrem Ruf zu territorialleir Losung des Rrdblems. Die Sache, war aber diej, idia$"die jü|disch!ei- O^konointk während der liapitalistischen Aera andiene proiduktivere Formen angenommen hatte,, Und nun is\ die olbiektive, Lösung, dies' Problems in territorialem Sinne möglich geworden. Der Kapitalismus schließt in sich den Samen zu| einer neuen sozialistischen Gesellschaft ein. W.e,nn, in, ider feuidialen kapitalistischen Ordnung sich die Juden adls Piächter, SChänker sowie als Träger des .Kommenden TCaDitalismus. als Händler, Vermittler, Unternehmer betätigt haben und idiid kleine Stadt alte Basis ihrer ökonomischen Entwicklung gesefraf- Ten hä'beu, hat in der kapitalistisch, sozialistischen Uelbergangszeit die jüdische Oekonomik sich neue Wege gefunden unldtauif dem Wege der, Emigration die g r o ß en städtischen Kolonien ges'chaffen, ini welchen sidh die jüdischen wändern(dlen Massen'konzentriert ha'ben, wie z. B. in Newyork und London. Die neuen jüdischen ökonomischen Zentren, tragen 'bereits Droduktiven Charakter untl auch die. jüdische Kultur hat sChaffenidle Formen angenommen: Die jüdische Renaiss anc epe riod,e hat angefangen. Die Bestrehiung, das jtüldiisChe Piroblem radikal zu lösen, hat reale Formen angenommen. Die Tendenz, sich dem Bodien zu verbindien,, zieht sich wie eine' rote Schnur durch düe neueste indische Geschichte. Die jüdischen Kolonien in Rußland, Argentinien, Brasilien, die Farmen in Amerika undl die Kolonisation von Palästina sinld Bfie- (besten Beweise. Palästina, welches infolgfe sieines halbagrarischen Charakters die Möglichkeit zu einem organischen Uebergang^ zu einem gesunden Leiben bietet lauf dem Bo'd(en Palästinas gleichzieitig städtische und dörfische, inid|ustrieile und landlwirtsdhaftliche Kolonisation platzgreifen kann), istidas Zientriüm geworden, wohin die jüdische Wanderung tendiert. Das jüdische Problem fan(dj jedoch keine raidikale Lösung, trotz der schöpf er is'dhen, Kräfte, da e die jüdische Arbeiterschaft in allen neuen Zentren dies jüdischen, Lehens gebracht hat; d(enn, all diese netuen Zentren in Newyork, London usw. wurd(en nur die Höhere Form einer Anpassung! an 'die Umgebung und konnten sich nie zur gesunden uiwd normalen. "Produ(ctions'basis entwiekeln. "Das üidische Lebjen wurdte nur zum Teile auf den Grundlagen der Arbeit umgebaut. Die Uüdische Arbeit drang zum größten TjeiH nur in idlen zurückgeblieWenien Formen, die vom Markt abhängen, je'dipch die Wirtschaft nicht beherrschen, ein. Diese nicht produktive Beschäftigung, von der Entwicklung dient Untergange geweiht: Krämerei, Handel, Tröd'lörei, Vermittllung und andere in der Luft hängende Berufe füllen noch hieute einen-großen Platz in der jüdischen Oekonomik aus. Die sozialistischen Tendfern zen drangen aber schon ins jüdische Leiben ein, der. proletarische Palä'stinismus ist schon von steinen Anfängen a n "der Träger einer A r b e i t s r e v o 1 u t i o n des Jüdfischeu Lebens, seihst "in der kapitalistischen Epoche. In der Ablehnung dies naiven Kosmopolitismus, des geistigen Nationalismus, dfer sozialistischen Assimilation des „8un,u" stellte er das nationale. Problem schon vom Anbeginn an als das Problem der Schaffung einer (gesunden Produktions- und Arbeitsbasis, eines Ueberbaues des jüdischen Lebens auf den Grund'Jägen der Arbeit. JDer P'oale Zionismus besiegte den Kosmopolitismus, den Kompromiß-Nationalismus der Assimilation im jüdischen Arbeiteiieben. Er war dias, revolutionäre Prinzip des Neuschaffens, und| nicht der Anpassung. Und wenn für djas jüdische kleinbürgerturn' die neue Arbeitsgemeinschaft in Palästina, nichts anderes ist, als die Verwirklichurg des sentimentalen Traumes „Im Pflug allein liegt Segen und Glück", dann bedtoutet für die jiddische Arbeiterklasse der Palästinagedanke die Arbeitsrevolution im jüdischen Leben. Bin Büclicrschiitzgesetz. Die Bäckerarbeiter gehörten bis[ vor kurzer Zeit zu den meist ausgebeuteten Arbeitern. Die Ausbeutung machte sich jb!ei ihnen um so mehr fühlbar, weil sie Nachtarbeit zu verrichten hatten. Die; Nachtarbeit übt einen physisdh und geistig verderblichen Einfluß auf die Arbeiter aus. Das wurde durch Hygieniker .wietilerholt festgestellt. Nadh dem Bericht der Bezirkskranklenkass'a Lemberg vom Jähre 1914 waren von 426 versicherten Bäckereiarbleitern 53 12 Prozent an venerischen Krankheiten und von diesen 36 — 8.4 Prozent an Syphilis! behandelt worden. Keine aüfctere; ArbeitersChicht'e weist eine derart hohe Zahl venerischer Erkrän- Kun&en aut, nicht nur in Lembiero;, sondern in der ganzen Welt. Die Bäckereiarbeiter forderten Jahrzehnte hindurch mehr Schutz für ihre Gesundheit unid eine menschenwürdige DasieinsmögliChkeit, aber die Bäkkermeister und nicht selten auch die Brotfabrikanten hatten stets soviel gegen die" Forderungen] einzuwenden,, daß es immer wielder beim alten verblieb. " Wie sdhwer es war, im alten Oesterreich jein Gesetz zum Schutze der Arjbeiter diurdhzubringen, mögen unsere Leser aus' folgenden Daten ersehen:! Bis1 zum Jahre' 1895 mußten' die Bäckereiarbjeiter sieben'Tage In der Woche arbeiten1. Erst nädh jahrelangen Kämpfen wurde das Gesetz betreffelnld den Er 5'atz ruh e t a g (geschaffen, wodurch' in den Bäckereien die sechstägige Arbeitswoche eingeführt wurde. Die Durchführung dieses Gesetzes begegnete den größten Schwierigkeiten. Die Gewerbebe hör dien, die über die Einhaltung des Gesetzes wachen sollten, versagten vollständig; sie fühlten sich vielmehr als die Beauftragten der Unternehmer als wie die Beschützerj der Arbeiter und schritten gegen die renitenten Meister erst ein^ wen|n; die organisierten Arbeiter die Anzeige: erstatteten. Dies geschah aber nur in den größeren Orten, wo eine Organisation bestand, in * den kleinen: Orten unld auch dort, wo die Organisation wenig ausgebfaüt; war, blieib es beim Alten; die Ausbeutung 'hätte! keine Grenzen. Wenn eine' Gewerbiebehörde der Bestrafung eines Unternehmers nicht me'hr ausweichen konnte, dann verhängte sie eine! 'Strafe von' Zwei Kronen. Das konnte'nur als Prämie an den Gesetzesverrächter aufgefaßt werden. Noch im Jahjre 1914 war der Ersätzruhetag nicht überal'H durchgesetzt. Erst nach zweieinhalbjähriger Dauer des Weltkrieges konnte ein weiterer Schritt zum Schutze] der Bäckereiarbeiter gemacht werden. Durch eine Ministerialverordhung vom 8. Februar 1917 würde die Nachtarbeit bis zum Friedenss'dhliuß ver-? boten. Die Regie runig mußte diesen 'Schritt tun,, Weil' Deutschland und Ungarn im Verbot der Nachtarbeit uns vorangegangen waren. Die Arbeiter (mußten sich1 darauf .gefaßt machen, näch Beendigung] des Krieges zur Idylle der Nachtarbeit zulrjückzukehren. Mit einem da uer nd en Verbot der Nachtarbeit konnte sich selbst die Direktion der Hamme r b r o t w e r k e (!) nicht einverstanden erklären. Umso eifriger war die Organisation der Bäckereiarh!eiter tätig, um das Verbot der "Nachtarbeit zueiner dauernden "Einrichtung zu machen. -'Dies: .gelang ihr aber erst nach dem Umsturz. Der Vollständigkeit halber sei daran erinnert, |daß im Juni 1912( die damalige Regierung ein. Bäckerschützgesetz eingebracht hatte, das aber erst zui Beginn des Jahres 1913 zur Verhandlung kamH Dieses Gesetz sah die achtstündige Arbeitszeit vor, aber nur für die Großbetriebie; in den kleinen Betrieben durfte weiter die Arbeitszeit eines Bäckereiarbeiiers von 8 Uhr äb'endsi bis zum Mittag des nächsten Tages und oft noch länger (dauern. Abier selbst diese! schwächliche Vorlage wurde von den Zünftlern obstruiert und konnte nicht verabschiedet werdien.. Werbet Abonnenten und verbreitet die „Freie Tribüne"