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Freie Tribüne · 1919-04-04 · 12 (4.4.1919) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
12 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Freie Tribüne Nr. 12 2. bei allen solchen Maßnahmen, die jeweils zur Ausführung der Bestimmungen des Mandats notwendig 'befunden werden;, die Mitwirkung eines Rates annehmen, der die Juden Palästinas und die JutJenheiten der Welt repräsentiert und der zwecks Entwicklung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina gebildet werden soll; ferner diesen Rat mit der Organisation des jüdischen Erziehunigswe- »ens in Palästina 'betrauten. Dieser Rat muß eine geimieinnutzige Körperschaft sein, die keine gewinnlbrinigenlden Geschäfte macht; 3. diesem Rat den Vorrang einräumen^bei der Verge'bung aller Konzessionen, welche für' öffentliche Arbeiten oder für die Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen des Landes beschlossen werden. c) Die Mandatarmacht soll im weitesten Ausmaß die lokale SelbStverwailtuing, die unter den Landes'bedingungeh möglich ist, fördern. d) Für alle Zeiten soll in Palästina die vollste Freiheit des religiösem Glauibens und der Religionsausübung für alte Glaubensbekenntnisse gesichert sein. Ferner soll dort kein Unterschied der Einwohner auf Grund von Religion oder RaSse; in Hinsicht auf Untertanens Chart oder bürgerliche und politische Rechte bestehen. ie) Die Friedenskonferenz soll Bestimmungen'betreffend die Kontrolle der heUigen Stätten treffen. Diese Forderuingen sprechen nicht von den ökonomischen Voraussetzungein, die für «ine großzügige Kolonisation geschaffen werden müssen; nicht [einmal von den Staatsländereieh in Palästina, die heult© öde sind, dem jüdischen Volke aber die Basis für die agrarische Siedlung; bieten könnjen, isjtj die iReide. , Es sind also nur die politischen Forde run!ge,n, djer Gegenstand der Erörterung gewesen und sie sollen von der Friedenskonfeirienjz gut aufgenommen worden sein. Eine Entscheidung wurjd|e von der entschließungfsiunfähigen Kontfereiiiz auch hier 'nicht gjetr.offeii. Die Forderung eines jüdischen Gemeinwesens afbiörf, ist nicht hur vor dem Foirulm! (in;P,aris lerhobeni, sie wird vor den Völkern1 der Wielt gestellt. Aus dem SonjeHtaßland. Organisierung der Nationalitäten. Damit wir eine klare Vorstellung iüib'er die Forint der proletarischem Völkerautonomie gewinnen, sei hier eimei Instruktion des Volkskommissariates in Angelegenheit der Völkerschaften auS dler Nr. 6 „Das1 Leben der VölkiersChlaften" vom 15. Dezemiber 1Q18 wiedergegie'blen: ' „Inst ruktion ,üjb!e:r Organisierung von Ortsabteilungen in Anigietagienheitien der .Völkerschaften:: 1. In dein Ortschaften der R.S. F.,S. R. (rußländi- Bche, »(Sozialist ische^ föderative Sowjetrepublik), 'deren Btivölkerunig aus Angiehörigfen verschiedener Nationialitätejn zusammienigicßietzt ist, werdlein bei den „Orts raten" auf dien gleichen Grundlagen wie die übrigen Abteilungen auch solche in Angelegenheiten der .Völkerschaften organisiert. 2. Die Orts- .a'bltieilungen in Angjcilie^enhleiten der Völkerschaften iblil'dien bei sich' nationale! Sektionen entsprechend d!e|r auf dem lbestimlm|t|Cin Territorium sießhaftletn1 Nationen. 3. Die Bildung (einer jeejen Abteiljungi in 'Atr legenhiciten der Yöl'^elrschaften geschieht im Einvernehmtn mit dem: zuständigen .Gouvternement- Voll'zugskomitee und mit Bestätigung des Volkskommissariats in Angelegenheiten dler Völkerschaften. 4. D ie nationalen Sektionen werden; auf Yo r sc 'hl a g der entsprechenden zentralennationalen Abteilunge in (Kommissariaten) v o m V ö 1 k e r k o m mij s s a r i a t in Angelegenheiten der .Völkerschaften bejstäti gt. 5. Die Abteilungicn in Angielegfcihheiten der Völkerschaften bei den „Ortsräten" -nabeln als Gegenstand ihrer Tätigkeit: a) Die Grundlagen dleir Sowjetmacht im Leben der entsprjechenden Völker in der Sprache dfieiser Völker durchzuführen, b) Die Durchführungsämtlicher .Verordnungen des Komm'issariates in Angelegenheitein der .Völkerschaften. c) Alle Maßnahmen zur Hebung des Kult urnive aus sowie djes Klassenbe- »wußtseins derjenigen .Völkerschaften zu treffen, die das 'betreffende Territorium bewohnen, d) Den Kampf mit der Konterrevolution in ihren nationalen Erscheinungen (Kampf gegen die „National" bürgerlichen „Regierungen" u. dgil.). 6. An dler Spitze derOrtsableilung in| nationalen; Angelegenheiten deir Völkerschaften stehen Abteilungsleiter, die durch die .Vollzugskomitees gewählt und vom1 Volkskommissariat in Angelegenheiten der .Völkerschaften bestätigt werden. 7. An der Spitze der nationalen Sektionen stehen Sektionslieiter, die durch die .Vollzugs komiteies' gewählt und durch die entsprechenidte nationale-zentrale Abteilung (Kommissariat) bei dem Volkskommissariat der Völkerschaften bestätigt werden. 8. Bei dem Ahteilungslieiter wird unter Meissen Vorsitz ein Kollegium gebildet, das aus den Leitern der nationalen Sektionen dieser Abteilung beisteht. 9. Indem die Ortsabteilungen in Angelegenheiten der .VölkernCharten im allgemeinen dein Ortsvolfzugskomitee (unterworfen sind, sind sie gleichzeitig Vollzuglsorgainje des Volkskommissariats in Angelegenheiten dler .Völkerschaften. Im Falle, einer Meinungsvfersch'iedienhieit in prinzipiellen Fragien zwischen dem Kolliegiulmi einjer Abteilung und demi Yoilzugfskomitee muß die Frage denn .Volkskommissar in Angelegenheiten der .Völkerschaft zur Kenntnis gebracht werden, cHeri auch die entsprechenden Maßnahmen zur Klärung und ILösungl, gem'äß den allgemeinen Grundsätzen der Konstitution der R. F. S. R. trifft. 10. Die Ontlsiabteilung und deren nationale Sektionen machen die Voranschläge unr1 legen diese zuerst r'^- '*"' ■ .-i ^. dem .Vollzugskoi mw.: . r.r. N,u 'r, ■. niehmigung dlur' - . ■"<■..■ . sehläge dem Yo ■•■•;:•'.>■■■■;■;:.• i:. AO-jX'-:;.^ > -■/. der .Vörkerseha':; , 'r r^},, ■•. \ eryr Welches dieserb'--'..;.n?:>^üni&w.^ Bi-djv*m^.- Schließt. 11. .r ■^h'xvytn;n Atu>,oK\.?r,\. :■<■'/ tendier Völk^ si;:.:l > \ ■ ' - ■ :\■ komitee auch i; >■■■ \:■■■>'.■■>;;.<;■■ •.•.■.:is:,f1ä'r -■- :Ai;r * . ten der .Volk :; , :>h:i:y^-r.i'ür'.r,nationalen Se^ :■■:;'<•■{ >•/•' •:!! ü- : ■ l m Angelege < ' ic• ■ "■■ ■j;.--r, :>.>•■■■ dem Yollzug -:i< , : ■ ' Abteilungen . i,sai;;": missariate ';; '.-c..:i r■ ■:. ' . untergeord : In de ' ■ ' ••■■! •■ ' J i ■• - '• '>::-.■ Schäften'- lesen wir: „Die große 'Oktoberrevolution hat, die, Ketten, der Klassenherrschaft der Bourgeoisie zerreißelnd, unfaß'b'ar weite Horizonte für die arbeitenden Massen aller, auch der kleinsten Völkerschaften, eröffnet und den Aufbau ihres Lebens auf neuen Grundlagen ermöglicht. Der allerwichtigste Zweig dieses Aufbaues ist zweifellos d(ie Sache der Yofksaufklärung." Und weiter: „Natürlich muß und kann dje Sache der .Volksaufklärung nur in der Sprache einer jeden nationalen Minderheit geführt werden." Und dann heißt es : „Dem .Volkskommissariate in Angelegenheiten der Völkerschaften ist dfe Aufgabe zugefallen — afe erstes die Volksaufkläriung unter den verschiedenen Nationalitäten in allen ihren Ortein zu organisieren. Von allem Anfang der Existenz besonderer nationaler Kommissariate, welche Bestandteile des Volkskommissariats in Angelegenheiten der .Völkerschaften darstellen, wurden 'bei denselben Kulturunlcl Aufklärungs-, sowie Agitatioms- und .Verlags-Abteilungen, gebildet. Während die Agitationspndj Yerlags-Abteilungen den Verlag von Büchern, Bro-| schüren, Zeitungen und Aufrufen in verschiedener« Sprachen zur Aufgabe hatten (gegenwärtig verlegt das .Volkskommissariat in Angelegenheiten der Völkerschaften mindestens in zwanzig Sprachen), bestand die Aufgabe der Kultur- und* Apfklärungs-Abteilung in, der Organisierung der Schul- und! Außerschulhildung. Mit Genehmigung und Unterstützung des .Volkskommissariats für Aufklärung, wurden sowohl für die Kinder der- Flüchtjlinge;als auch1 für diejenigen der ansäßigjen nicht russischen Bevölkerung im Wolgagebiete und! anderen Gegenden Schulen eröffnet. In Moskauiund in der Pirovinz, wurden Arhieiterklubs, Kurse, Yorlesunjgen, Theater und Bibliotheken gegründet:." J3ie nackten Ziffern der Ausgäben auf dem Gebiete der kulturellen Tätigkeit bei den.'Minoritäts- Völkern zeigen,, daß die proletarische nationale Autonomie nicht 'bloß auf dem P'apier blleihien. wird. So umfaßt der .Voranschlag der literarischen und Yeiiag'sialbiteillung für das 2. Halbjahr 1918, .zwecks Ankaufs von sozialistischer, kunstleris'öher und wissenschaftlicher Literatur, sowie Anschaffung von Lehrmitteln für 12 verschiedene Nationalitäten die Summe von 25,023.573 Rubel. Die Abteilung für Apßersehulbildungj hat in der-; rriiuu„ xv^i^ip vr^jeckg Eröffnung: von Kur? V^llcs-I .-:\,..' .■:.•.-■■■:. s . , ' . \ , p i'-it,-!!-: .-■ , i. 1- - : < \ r, . \. .:; : ■. , . : - \> (y :;:.•■!-•;•/, .; ,t '.:•> ';' <<■■ >; -----i«i,o i^t .coioü unv- . v « s i Uv^tiilg aller Freiheit — auch der nationalen. A le x ande r Se r p o w. Der Bursche mit dem) Stock Ibilieb mit off|enent Mumd stehen und schwanig dien Stock in der Luft. Alle sahen dem Todieskawipf aufmierksam zu. Der Fuhrmann umschlang den Kopf des Piferdies. Er .wollte ,es streiChelnb 'bitten, weinen vor ihm. — — iMit allen Kräften; ließ er sieinen Fuß auf den1 Kopf des Pferdes hünsauSen, ^Krepier sfchön!" Das war ein siChlreCküches Wiehgieschrei. JEr möchte stärker zuschlagen, im>m|er stärker, um ein Ende zu machen.. „Ein Grausjamer," 'murrnielte der Haiufe. Er miölChite sich auf die Menge stürzen, sie mit dien Füßen treten und schlagen immierfort. Er warf einen hlöse'n Blick auf die Mienjge, fuhr sich; mit Hast; dutfeh1 das Haar unldf sah dem verendenden Pferidie zjui. Ein Polizeimann trat hinzu pnd befahl, den Kadaver wegzuräumen. Der Buirs'chie mit dem| Stock lief davonj u;m einen langen Wagjen herbeizuholen. "Und der Fuhrmann (begann eine traurige, Geschichte zu erzählen. Er habe keinen Giroschen bei sich'. Womit werde er die Fuhre bezählen, die gebracht werden sollte? ,Den ganzen Tag über saß er zu Hause, weil er ein Riaid richten mußte der iMenschenhaufe! schjaute mach1 den Rädern — und nun, 'da er sich schon glücklich «auf den Weg gemacht hatte, krepierte das Plfelrd. Der junge Mann igriff nach seiner Geldbörse. Er 'hustiete, indem er» den Rock wegibog. Noch einige griffen in die Taschen. Aus dem Haufen trat einer mit hohemi Zylinder hervor und ging lanlgsamen Schrittes mit Zufriedener Miene weg. Ihm folgte ein Zweiter mit langsamien Schritten, seinen Stock quier über den Rücken mit ^beiden Händen haltend unld pfiff ein1 Lied daibei. Es. fol'gten dann noch einige im üangein. Röcken und liefen schnelllen Schrittes mit gelfalteten Stirnen fort — sehr bieschäftigte Menschen. Djer junge Mann drückte dem Fuhrmann eine iMünze in, die Hand!, wiarf einen Blick auf die Menge und dlann nach seitwärts, von wo der Wagen kommen sollte!, und zuletzt auf Idas krepierende Pfad. Noch einige Hände nähertien sich der Hand^dies Fuhrmannes. ~~ Er nahrn die Spenden ohne Dank hin, als ibefechte er nicht, wie man ihto etw^as in die, »Hand drücke. Er 'blickte seitwärts, von wo die Fuhre kommen sollte, blickte auf das krepierende Pferd und erzählte seine traurige Geschichte. Vor zwei Monaten ierst verlor er ein Pferd. Da borgte er einen Fünfziger auf Zinsen' und kaufte dieses hier. Und jetzt ... Er werde den Kopf an die Wand schlagen. Er h'abie keinen anderen Ausweg. Es näherte sich ein langer Wagen. Der Bursche stand mit fröhlicheim! Gesicht auf dem Wagen und fuchtelte mit dem Stock wie ein Kapellmeister. Der Fuhrmann erbleichte. Er ließ »die Hand mit den Spenden fallen; —- ftielt sie doch fest, afe spüre er sie nicht —i und betrachtete das Pfferd. Nach Hause oder zum Schinder? Er beschloß, das Piferd nach Hause zu hringeh, hoffenjd; es werde genesen. „Bereits das zweite Pferd innerhlalib, zweier Monate an den Schinder geliefert," wandte er, sieb mit bitterem Lächeln an die Menge ... Dem Pferd wurde nun das Liegen zuwider, es empfand Kälte. Erst als (man es zu schlageni und 'zu peitschen aufgehört hatte, empfand es den Schimerz. Es gefiel' ihm, aufzustehen und wiegzugehen. Es jerihob sieh mit den vorderen Beinen. Der Menschenhaufe erschrak und trat zurück. Das Pferd stand bereits auf allen Vieren. "Der Fuhrmann Iniachte vor Verwunderung große Augen und ließ eiligst, gleiehjsam als würde er es nicht hiemerken, die Spenden in die Tasche rollen,. Er (begann das Pffierd einzuspannen. Er versetzte ihm Imit der Faust einen Schlag in die Ziähnie und stieß es mit seinem Stiefel in ein vorderes Bein. „Daß dich der Teufel hole! Spässe treibst du mit imir?" , Der Haufe stand wie vor einem großen Rätsel^" „Was meinst du dazu?" Man lachtle, öfujf, Der Fuhrmann fuhr fiisch davon, hieftig auf das Pferd einhauend. Zu Hause erst wer die er sich an diesem Schindg-aul rächen. „Du wirst dein Teil schön krie|gjein. Krankheit ühler dich!" Die Kinder Wen hinter dem Wagen her un;d der Bursche fuchtelte mit dem Stock und schrie: „Wiau, wiau!" DerMenschehhaufe begann auseinanderzugehen, sichtlich von diesem „Speiktakel" befriedigt. „Mir kostete dies derweilen fünfzig Kopeken," sagte der junget Mann. iwUnd mir?" s:agtie ein andtrfer. Er sagte nicht, wieviel. Beide hatten gelogen. .• Aus dem Jüdischen übersetzt. -——--—-—--4 ■V» Werbet Abonnenten und verbreitet die „Freie Tribüne".

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