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Freie Tribüne · 1919-02-28 · 8 (28.2.1919) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
8 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 8 Freie Tribüie Seite 3 tien sichern muß, sowohl moralischer wie materieller Art, bezüglich1 des Koalition ^rechtes, der Freizügigkeit, Sozialversicherung, Arbeitszeit, Hygiene und Arbeiterschutz, um die arbeitendle Bevölkerung vor den Angriffen der internationalen kapitalistischen Konkurrenz zu btewahren. In Bezug auf die Arbeitszeit Wurde der Zeh nstunp'entag gefordert. Die Konferenz ahnte damals nicht, daß im Jahre 1918 der Ach't - s t im d e n t a g die Herrschaft antreten werde. In England ist dter Achtstundentag bereits eingeführt, in den andieren drei Ländern allerdings wird noch zehn Stunden untfl aweh länger gearbeitet. Vom 1. bis 4. Oktober 1917 tagte in Bern ein internationaler Gewerkschaftskongreß, an welchem Dänemark, "Deutschland, Holland, Norwegen, Oesterreich, Schweden, Schweiz, Ungarn teilnahmen. Franzosen und Italiener waren verhindert zu kommen, weil ihre Regierungen die Pässe nicht bewilligten. Die Engländer und! Belgier lehnten eine Beteiligung ab. Damals waren noch die Zentral-1 mächte obenauf, deshalb glaubten die englischen und belgischen Wortführer Ger Arbeiter es mit ihrem Patriotismus unvereinbar, sich mit Deutschen oder Oesterreichern an einen Tisch zu setzen.. Heute sind sie schon versöhnlicher gestimmt, dia sie als Sieger auftreten können. Dies nur nebenbei. Die Beschlüsse der Berner Konferenz djecken sich in den meisten Punkten mit jenen der Konferenz von Leeds, nur sindi sie genauer nn'd ausführlicher abgefaßt. Aber auch hier wurde der zehnstündige Höchstarbeitstag gefordiert, weil am Friedensvertrag, d(en man für sehr bald erwartete, eine große Zahl von Ländern beteiligt sein werdie, deren Arbeitsverhältnisse noch vollständig ungeregelt seien, so daß für sie d(er Zehnstunderitag ein Fortschritt sein werde, d(er den anderen Ländern 'mit kürzerer Arbeitszeit ebenfalls zugute kommen müsse. Aber die Berner Konferenz ging über |d(en Leedser Antrag insofern 'hinaus, als sie die;e t a ppen weise Durchführung des Achtstiuh- •die in tags' f o r die r t e. Außerdem forderte sie weitgehenden Arbeiterschutz auf tdfem Gebiete des Koalitionsrechtes, der Sozialversicherung, dier Hygiene, der Unfallverhütung, dter Heimindustrie und des Kinderscrnrtzes. Die Konferenz forderte zugleich alle Gewerkschaftszentralen auf, die aufgestellten Forderungen ihren Regierungen bald zu überreichen iundi sie zu veranlassen, bei den Frieidlensvernandluiijgen für die Annahme der internationalen Arbeiterfordierungen einzutreten. Soweit Deutschland und Oesterreich in Betracht kommen, wurden solche Forderungen in Form von Denkschriften den Regierungen über- Teicht. In der Treibhaushitze d(er Revolution sind sie zum Teil schon verwirklicht, zum anderen Teil wird das erst geschehen, wenn normale Verhältnisse eingetreten sind. Daß d|ie Sozialpolitik wieder einschlafen od|er verzögert weftlen könnte, halten wir für unwahrscheinlich, die Arbeiter würden •es! sich einfach nicht gefallen lassen. Denn idias große Ergebnis der Revolution ist d|er Uebergang der politischen Gewalt an das Proletariat. Dies scheinen denn auch d'ie Staatsmänner der Verbandsmächte einzusehen, sonst würden sie ja die internationale Arbeiterschutzgesetzgebung nitht auf die Tagesordnung der Friedensfkoriferenz gesetzt haben. Sie mußten so vorgehen, weil sie nicht weniger „arbeiterfreundlich'' erscheinen wollten als djie Sozialdemokratie. Die internationale Sozialisten- Konferenz, die vom 3. 'bis 11. Februar d. J in! Bern tagte, befaßte sich mit der Frage des internationalen Arbeiterschufzes und formulierte seine Forderungen an die Friedenskonferenz. Diese hat bereits eine Kommission für int e r n;a t i o n a 1 e Arbeitsge setzgebung eingesetzt, die den Vorschlag, daß gemeinsame Organe für die Sicherung der Fortschritte in (d(e:r internationalen Arbeitsgieäetzgebuing angestellt werden^ zu prüfen hat. In diesen Organen sollen obligatorisch alle Mitglieder dies Völkerbundes vertreten sein. Ob die Friedenskonferenz imstande sein wird, ein einheitliches System für alle Länder aufzustellen, .bleibt abzuwarten. Vorläufig ist es beachtenswert, daß djer „Reichsanzeiger" in Deutschland in der Nummer 27, vomi 1. Februar 191Q „Programmpunkte für den Weltfriedtensvcrtrag" veröffentlicht hat, die weit über das hinausgehen, was in den Verbiaaidsländjern bisher den Arbeitern geboten worden ist und. noch geboten wird. Es wird sich noch Gelegenheit bieten, auf diese Programmpunkte zurückzukommen; für heute mjöge es genügen, festzustellen, daß djte Umwälzung in Zeutraleuropa ungeahnten Entvvicklungsmöglichkeiten den Weg geöffnet hat, Alle die Schwierigkeiten eines wirksamen Arbeiterschutzes, die von der Unternebmerklassfc gemacht zu werden pflegten, wiegen federleicht gegenüber den djurdh den Krieg geschaffenen sozialen Notwendigkeiten. Nach früheren Kriegen wurde in dter Regel ein Rückgang des Arbeitferr Schutzes beobachtet, weil das Kapital die Welt beherrschte, diesmal Ist die Herrschaft des Kapitals durch d(en Krieg grundtief erschüttert worden. Die jZus'tände, wie vor dem Krieg, werden nicht wiederkehren. Welche Erschütterungen die Revolution auch noch bringen mag, die Sozialpolitik bleibt Trumpf. Wir befinden uns bereits im Stadium! des Ueberganges vom kapitalistischen zum sozialen Staate, dies beweisen uns (die Ereignisse jedes Tages. Die nächste Nummer der „Freien Triböne." bringt die Reden unserer Genossen auf der Berner Sozialistenkonferenz, sowie die Anträge zur nationalen und Judenfrage vollinhaltlich nach dem stenographischen Bericht, Die Monarchie ist tot. Lasset uns gut achthaben, daß sie in ihren Einrichtungen/, die allenthalben im inneren Wesen unverändert fortdauern, nicht wieder auferstehe. Das Kaisertum wohnte eben nicht nur in der Hofburg, sondern überall, auch in der entlegensten Sidierheitsvvadh'stube. Wir unterschätzen gewiß nicht den großen Schritt nach vorwärts, den dfts Volk von Deutsichösterreich getan hat, als es jdie Embleme dies alten! morschen Kaiserstaates Verbrach und sich unzweideutig zur demokratischen RepublrPTbekannte. Wir vermögen nur nicht in diesem rein äußerlichen Umsturz den Kern der Sache zu sehen. Die blohe Ersetzung des Doppeladders durch die rote Kihue kann dem arbeitenden Volke nicht genupen. solange die innere Struktur des Sta ites uiuci \ ( i bleibt, solange die kleinen Tyrannen dies alten Regimes, die Polizeigewaltigen aller Ciradie uneingeschränkt herrschen und mögen sie auch Siajischu,/. — oder weiß Gott was für „Räte bil k > der Sumpf einer korrupten Verwaltung, einer v - schlampten Wirtschaft jeden Versuch ein er wissentlichen Reform im Keime erstick i. Wir können auch nicht glauben, dain ■ ' Amtsstuben der alten Bureankratie ein hcik . eingezogen ist. Was man so nennt, ist nichts :\-.' ■ r s als die alte österreichische Charaktci losi i stets bereit war, vor den jeweiligen Herren v»(;■ . ,:- tuation zu katzibuekeln und über jene hei i i die sie nicht fürchten müßte. Die Schicksalsfrage, die der So/nlocti > i als der größten Partei, dter Partei des arbeitenden 'Volkes, gestellt ist, ist folgende: Werden die Männer, die djer Wille der arbeitendein Massen per;! en hat mit fester Hand das Gewebe von UiU Würidelosjigkeit und! Korruption zerreiben, n das alte monarchistische Regime das Voik verstrickt hat? Für die Sozialdemokratie ist das eine rrao-ei von Sein oder Nichtsein. Wenn das alte System, der alte Sum»pf bestehen «bleibt, dann fallt die Veramwortung hiefür natürlich1 auf die Partei dier Arbeiterschaft, dann wird! die sozialistische bewegun»- diskreditiert. Die Arbeiterschaft würde es nicht u n können, wenn ein Polizeipräsident, der die ann;hen des JännerstreikJs' verhafteten Aibet \e i n und gequält hat, auf seinein Posten bi c \ ui alle die höheren unfdf niederen 'Poll/ i i m während des Krieges ihre Tapferkeit um Lebensmittel angestellten Frauen und Kindel u ifcu bewiesen, die wehrlose Arrestante i im Ohrfeigen traktiert haben, nicht ^e c i Schuldigen entlassen würden. \< c i s Arbeitslose gibt, dann mögen jcl/i de i > i sein, gegen die dfas Volk entschieden nat. Erneuerung oder Sumpf. Da gibt es keine Kompromisse. Wie sehr noch die Mächte des früheren Regimes am Werke sind, kann man aus .'eben zu ei tiet in das Leben jedles Arbeiters einschneidenden besetzen ersehen, die unter Mitwirkung der :>o/t,\!- demokratie als Regierungspartei geschahen wurden. Wir meinen dlas Wehr- und das Arbcttspü.cnigesetz. Es ist das geradte ein Schulbeispiel, wie eine neue Partei, die nicht reinen Tisch macht, in Einflüsse der alteingesessenen, regierungsgcwolin.- ten Reaktionären erliegt. Wie lächerlich ist chkh iiie Vorstellung einer kleinen deutschösterreichiscnen Operettenarmee. Welchen anderen Zweck komne sie haben, als' für die postenlosen Stabsum! Subalternoffiziere eine Sinekure zu schaffen. Gewissermaßen die Verewigung des Parasitentums am Volkskörper. Gar nicht davon zu reden, daß durch den Anschluß an Deutschland; diese Frage emer späteren Erörterung vorbehalten ist, und wir uns den ganzen Energieaufwand! zur Schaffung eines volksfeindlichen Gesetzen füglich hatten sparen können. Einen noch antisozialeren Charakter hat das Gesetz der Arbeitspflicht, d'as direkt gegen die Arbeiterschaft gerichtet ist. ist das Wehrgeset/ e<i: Üeb'el, welches alle Staatsbürger in Mitlcuienschai , zieht und wenigstens zwischen arm und reich k -n: Unterschied macht, so ist d'ie Arbeitspflicht ger.vi ... zu je-in Schutzgesetz für alle, die trockenen i a,,c s mit reicher Habe durch das rote ßlutineer jis Weltkrieges gegangen sind, ir&'fcm es alle Reichen, die Schieber, Kriegsgewhmer und Preistreiber verschont und nur über die heimgekehrten Arbeitslosen die Hungerpeitsche schwingt. Man merkt dem ganzen Gesetz die christlichsoziale Mache am? Darauf hätten Sozialdemokraten nie undL nimmer eingehen dürfen. Wenn Sozialisten überhaupt an eine Arbeitspflicht denken, so können sie dies nun im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Pro-, duktion. Dann müssen aber alle zur Arbeit verpflichtet sein; der Rentier sowohl als der Arbeitsmann. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß vom rein' demokratischen Gesichtspunkte aus die Forderung gestellt werden müß, djaß Gesetze, welche vomi jedem Staatsbürger große Opfer heischen, nur durch die Volksabstimmung beschlossen werden. Hiedurch wäre für die Sozialdemokratie die Möglichkeit gegeben, trotz ihrer /ahlengemäßen Minderheit d;en Willen der breiten Massen zur Tat Werden zu lassen. Soli die Sozialdemokratie in der Nationalversammlung den arbeitenden Massen zunii Heile gereichen,' dann darf es kein Paktieren und JKJompromisseln geben m(!t den volksfeindlichen Mächten von gestern. Alles durch das Voik und für. das Volk.'Gegen c(en Sumpi, für die Erneuerung! R.G. XL Parteitag dB? jDdiSGhsn^oziaüstischen flrij&ürwsS!, l gr in flmwüia. A u ) Im ranena> 1 i phia n nka ms '!n der i i in :•:<■ u:i m .■■ 'S bei e!) m ert ■ :•■ ■ : der < jfre nid j ' en w:r enm'e der auf dem Do? u n ,^^pR Ä"nftnka V?} i ) utei dnh (>■■]• kurzhcli üi aer üotit; unserer!>'• \\ n In l\ i i I i I iitlick uii in Ii ii \ i ^eu, \ ii i i ii iii n i ' (i f m (t 11 M 1! II ) l M()J^ ll(! t l I I It ISilll l \ ii i < \ I liclieu TU iivi-nvij :;;nr;r<-'.-; .\u :vvs.:; -<i .in . i) int In W ihl i ii i untm \ i i i u olkts Sa 10 tc arf* ii kon- Wille aJiistiua uli che ThV $<y-LS<r^v&«Q m Paristl!\a. h.T ,■" . ' i , U h. Mi Sicllim»" zu im Viv \ . im .>.■! >U-;ii irelton hai, «•.<;?r ii -i,- m»L> .<} hU'-vrc.l-ii^muluv jüdisch II l! d Ii r i. r : s •:•!. ,:i .^ -üdi^, (tt-nclil. lllhl \'ei,\ValtlUlg' .j';tl;:.lili;i. ZU b-rti.;!)!. Aihvcltiicbcr jtiüfscL'er Kongreß. h\ A ü •cx--!i'.>;n,--, ifM, (It Vi-rsrlit^leiltm L llllil'!' Ui-i : >{•■:■■ .•••,lir<.,!l;^!!-■'•iU'II \ lüK-.'S ^'('111 Cliisiiiae -.--^!>•;■■■ MI....-..U ■;.:r<:w.-ü iiaiion, sieht, der „!••.;(•;-/...»;r:- rs-:l.r.;' «in? N"' w.■ -1»-i 1 -1;#:Ii. <l»-r i'Üiibfnnim^ II,,!!;: ■\:,.-:>->\iii-j; ihu'S iilne; ■- i: - -. i ■ -11 jüiiisuii-a Ivültflcs i:v u.in ■ Im - u-- iilvt!i:n<>!) :t;-: \ >'<;->m:.i:nng :. i1:t:.. ... Siash n\v dm ' " , a ' ■-vai mal 1 'al';-;."ill.l ' .'llS.:!ZtMl. ......: ■ '>'.' '-ii;.iai[.-s aucli ni-.jK : \ >' < »••«Rlli- ■ '■■ :-;>vi :n; sn;!i V •..; tue .iti c.e.M.-;. nni-jf und ■•• i!•»•••$•-•• iv;-:, tic; ■■•.< Zw«s-.k es -.!.. i a^u- ' ■ ■;- \'. »;uu^ der .1!. .1 t.i /. ii \ t-i ) t >m ihrer i.-"-ü nur am t.run'l d<-s ^h'ieheu, Ii ,1 \\ .uiU.m ii — Im Ai.mu r und Arbeiter1 und Angestellte, besucht unsere Versammlungen und werdet Parteimitglieder!

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