Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1919-02-28 · 8 (28.2.1919) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
8 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2827798-2827856-2827863--036-2828049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Freie Tribüne Nr. 8 Der allweltliche jüdische Kongroß soll aus der Vertretung der einzelnen Landeskoneresse im Verhältnisse zn der jüdischen Bevölkerung eines jeden Landes znsammengeietzt werden. Der Parteitag erklärt, daß die Partei gerne, bereit, ist, zusammen mit anderen jüdischen Arbeiterorganisationen sowohl auf den Lamloskongressen als auch aut dem alhveltlichen jüdischen Kongreß einen einheitlichen Arbcit«rbIock an hilden, unter der Bedingung, daß die ,,1'oale-Zion" in ihren weitgehenden Forderungen zur l'alilstinafrage und aur Frage der nationalen Rechte auch dann nicht behindert werden, wenn der gesamte Arbeiterblock nicht . bereit ist, sifh iie Forderungen in ihrer Ganze zu eigen zu machen. Allweltlicker jüdischer Arbeiterktngraß. In Anerkennung, daß sowohl die jüdischen Arbeiter •ine« jeden Landes, als auch die jüdische Arbeiterschaft, der ganscen Welt durch gemeinsame Interessen und Ideale verbunden ist, zu deren Verteidigung und Verwirklichung die Organisierung der gesamten jüdischen Arbeiterschaft notwendig ist, erklärt der Parteitag, daß es nötig sei, in jedem Lande einen permanenten jüdischen Arbeiterkongreß zu organisieren, dessen gewühlte Vertreter den allweltlichen jüdischen Arbeiterkongreß bilden sollen. Der allweltliche jüdische Arbeiterkongreß als Vertretnnff der organisierten jüdischen Arbeiterschaft tritt zur Erkämpfung der Ideale des internationalen Sozialismus, ■owie *wr Verteidigung der Forderungen des jüdischen Volkes in die sozialistische Internationale ein. Bi« nur Gründung dieses allweltlichen jüdischen Arbeiterkongrestes tritt der allweltliche Verband der „Poale- Zion" «usammen mit den anderen jüdischen Arbeiterorganisationen, die damit einverstanden sind, in die sozialistische Internatienale ein und bildet dort die jüdische Sektion. Bibliographisches. „Hailud", jüdisch-literarische Monatsschrift. Redigiert von S. J. Imb«r. Nmin liegt nach längerer Zeit endlich das dritte Heft dieser Zeitschrift vor uns1 und e$ ist zu 'begrüßen, daß die Redaktion dfe Möglichkeit fand, das1 im1 Vorjahre begonnene Werk fortzusetzen. Wir iwtühsche« uind hoffen, düesmal nicht so lange auf die; .weiteren Hefte wart ein zu nfüssein. Den 'Anfang macht S. J. InYber mit Teilen eines1 nodi(nidit vollendetem Poems. Das hier abgedruckte Kapitel, betitelt „Gott fin Avrultoöml", gibt die Stimmung des1 Schabbesabein'd im kleinen jüdischen Stiädftchen wieldfcr, die nur der in ihrer gnzen Tiefe; mitempfinden kanjn, der sie selbst erlebt hat. Einzelne Stellen und ganz besonders die Schilderung über das Verhältnis junger Menschen zu einander, sowie an einer späteren Stelle das Beginnen defe Werktages eriheben sich zu wahrhaft meisterhafter Schönheit. Manchmal aber ist es sehwer,. sich mit alll "äleim1 im1 Poemi Gesagten befriedigt abzufinden. Vor allem' fällt hier die Härte dler Sprache auf, etwas, woran man bei Imber» dem Sprachfomer, nicht gewohnt ist. Hart und sChweriäflllig wirkt auch die dort enthaltene Naturädiildienung, die nur zu! deutlich zeigt, wie wenig innig sich unser Dichter Izur Natur btezielht. Wenn wir Imber trotzdem für diese seine neueste Arbeit dankbar sind, so untü&sen uns "jedenfalls die beiden anderen Gedächte (HefmHeider) befriemtden. Wir glauben, daß wenn man auch auf dem! Standpunkt stejht, Literatur sei zeitlos, es doch nicht angeht, in unserer sturmbewegten Zeit Lieder einer längst abgelebten Romantik zu bringen, die überdies sprachlich in ihrer „Süßlichkeit" ganz unmlöjglich sind. Außer den hier erwähnten Gedichten Imbiers1 enthält das Heft noch einig© Gedichte Jakob Mestels, (die innerlich wohl etwas vom Ringen dieser Zeit (künden, doch fällt es schwer, sich in den* Labyrinth des' Dichters zurechtzufinden. Mit drei Gedidhten ist auch Meilech Chmelnitzki vertreten. Wenn wir uns recht erinnern, glauben wir auch von ihm1 schon bessere Ver&a gelesen zu haben. Symptomatisch für die ganze Art unserer jungen Dichter erscheint uns sein Gedicht „Vision1*, dessen innern Zusammenhang wir uns nicht erklären können. Das Symptomatische, das wir meinem, ist jedoch, daß wir den Eindruck haben, cKaß unsere Dichter, anstatt zu leben und alle, Formen des Lebens in sich aufzunehmen, nur Visionen des Lebens sehen: und deshalb sind' wohl ihre Ge.Jjohte so [ebena- und blutleer. Es ist so, als ob das Wejliibewegende. dieser Zeit, die ganz gewaltigen Uinwälziuugen, die vor unseren Auge|ti vorgegangen sind, von unseren Dichtern entweder nicht bemerkt wurden, oder daß sie sidh noch immer nicht von deir Romantik vergangener Geschlechter befreien können Wir glauben, daß das literarische Produkt dier Zeit das Abbild der geistigen und seelischen Kämpfe ihres Gesichleichtes sein muß. Davon; ist außer dem leichten Unterton in J. Mestels Gedichten, in allen! anderen nichts zu spüren. Das Heft bringt überdies einige Skizzen Peter Altenbergs, die sowohl in der Wahl als auch in der l'ebersetzung; sehr gut gehätten sind; und eine alte Arbeit Jakob Wassermanns „Die Kunst des Erzählens", die scheinbar nur deshalb gebracht wurde, um einigen unserer jungen Dichter als Fingerzeig für die Novelle zu dienen; ob man damit produktive Novellistein erziehen kann, wollen wir dahingestellt sein lassen. Das Heft enthält noch eine Kritik Sch. J. A., übelr das Poem „Polen" von Menacbelm, erschienen in Warschau, noch vor Kriegsausbruch, zur Zeit der polnischen Boykotthetze. Bei diesem jungen Dichter könnten es viele unserer Dichter lernen, wie man! lyrisch auf Ereignisse unserer Zeit reagieren muß. Eine publizistische Arbeit F. Korngrüns, betitelt „Ziele und Wege" beihandelt die Forderungen des jüdischen Volkes zur Friedenskonferenz. Leider fehlt es uns hier an Platz zu einer .größeren Auseinandersetzung' mit Hr. K. Die militaristische Strömung dies zionistischen Bürgertums findet hier ihren würdigen Vertreter. Mit Leuten, die da meimen, daß wir Palästina nur als eine Folge! der jüdischen Legionen für das1 jüdische Volk erhalten werden, "fällt es einem1 Sozialisten schwer, diskutieren, schon ganz abgesehen davon, daß wir uns mit dem Gedanken einer palästinensischen Nation in keinem Falle befreunden könnein. Doch, wie gesagt, es fehlt uns an Platz, um uns länger mit Herrn R. darubeir auseinanderzusetzen. •, Bei all den Fehlern des Heftes muß man doch gestehen, daß es ein ernster Versuch in unserer an literarischen Produkten in jüdischer Sprache so armen Zeit ist und es ist nur zu wünschen, daß das jüdüsch lesento'je Publikum dem Herausgeber die Möglichkeit zur Entwicklung und Ausgestaltung seiner Zeitschrift bieten möge. Hoffentlich findet sich dann auch der originelle und literarisch vollwertige Ton, den wir erwarten. Der erste Schritt dazu ist getan. R. „Dir ]idi", HüwM. Der Verlag: R. L ö w i t, Wien, überiseedrt ins einen .Vorabdruck de« Ftthrnarhefres, d««r von Martin Bnber reiiji-rten Monatsschrift Der Judey. a</& d»s «a Inhalt wir ie« Anfiatr. Franz Oppenheimers über B«>d*r» 1»es»ity.•»rdnhn in Palältina, hervorheben. Oppenlieimer.faßt, dan.'i die an» •einen Hauptwerken bekannte Theorie jiber die HedenMndimg des Großgrundbesitze» zusammen und knüpft daian die Betrachtungen über den Anfbau eines jüdischen Gemein we»f»s in Palästina, das ohne Großgrundbesitz »*n-ichtet werden soll. Auch der Artikel üb«r Ostj'ddische Proletarier in Deutschland vtm, Max Eschenbacher ist, erwähnenswert. Dsn» er bringt interessante, bisher nicht, genügend bekannte Tatsachen au« der Leidenszdit, die jüdische Arb»it*r ans Polen im inilita) istisck'-H Deutschland tvührtii«} der KriuRSxeit diirchg-eiuacht haben und von denen s« Manck«r asf dem iSahlachrfeld der Arbeit als Opfer seMielspn im. Von der Partei. Berichte, Wien. — Samstag, dien 22. Februar 1910 hat der sozialdemokratische Handels - und Angestefltenverein „Poale-Zion" im Cafe Industriellen einen literarisch-musikalischen Abend veranstaltet, an dern namhafte Künstler und Künstlerinnen jüdische Volkslieder und! Dichtungen dem 'Publikum vermittelten. Der moralische und materielle Erfolg war sehr groß. Ein Vortrag des Gen. Alexander in der Ortsgruppe Leopoldstadt, am Sonntag, den 2'3. Februar war dem Problemenkom|plex Weimar un,tl Bern gewidmet. Der Referent beleuchtete in kritischer, mit b'eissender Ironie durchsetzter Weise die mehrheitssozialistische Politik, die mehr reformsozialistisch, denn vom wirklichen Geiste des Sozialismus geboren erscheint. Die Ortsgruppe Brigittenau hat am Montag, den 24. Februar im Festsaal des Hotel Post; einen Abend dem -„Unbekannten" von Gordin gewidmet. In guter Aufführung, durch eine Schar der besten jüdischen Schauspieler, hat der Theaterabend' das zahlreich erschienene Publikum vollauf befriedigt. Am Dienstag, den 25. Februar war imi Cafe iAdJer eine interne Trauerfeier nach unserem (Unvergeßlichen Führer und Denker Max Rosenfeld(. Die Trauerrede würdigte eingehend! das Werden des verstorbenen Genossen und Freundes, sein Wachstum parallel zum Wachstuni der Partei, seinen unermeßlichen tinfulß auf die Gestaltung der jüdischen sozialistischen Politik und des Kampfes des jüdischen Volkes um seine Freiheit, und d(ie Größe des Verlustes, Iden die Partei und( das ganze Volk erlitten häben. Mit der Verlesung der „'Sozialen S'teintafeln", der letzten Arbeit des Verblichenen, schloß diese ergreifende, würd;ige Feier. Das Lokalkomitee Wien hat durch die Veranstaltung einer großen Versammlung am< Mittwoch-, den 26. Februar, im Hotel Bayrischer Hof der breiten Öffentlichkeit Gelegenheit geboten, den Bericht unserer Delegation über die inter-» nationale Sozialistenkbnferenz in Bern entgegenzunehmen. Die Fragen der Bedeutung dieses ersten Versuchte!?, die Internationale wieder zu erwecken, der Wirkung dieses Versuches auf die sozialistische Politik, die Behandlung der Juden frage, die Stellungnahme unserer Delegation, wie auch die djer Delegation des Bundes in den brennendsten Fragen des jüd;. Arbeiters, wurden von unseren Referenten eingehend beleuchtet. Voranzeigen. Sozialistische Vereinigung jüdischer Hochschüler» Donnmtag, den i;. Mary, 1 J , (i Uhr abend», im Kinocafe, L, tftnbenring 1X, Vertrag. Thema: „Nationalismas und Kapitaliswrt«.' Referent: Dr. Is'a.trler. — Sonntag den 9. Mär/ 1. J., 10 Uhr vormittag« im Ringeaf«, Pltiar- ▼ ersamwlung. Referat Dr. Tim bor* über r Unsere Aufgaben in der nächsten Zeit.-1 — Donnert tag, de» 13. -Marz 1. J. Vortrag: „Die materialistische Geschichtsauffassung. Akademischer Verein jüdischer Sozialisten „Cherut." Sonntag, den 2. War/ MHM, um 3 Unr nachmittag«, findet im Cafe Jätferishof, IX.. Porzellan«:"«*« 22, ein Vortrag des- Gen. Singer flUtt Thema: „Wir und der Hund."* — Mittwoch, den 5. Mär/ HU:>, ayiirht -iaselbsr um r>78 Uhr nachmittags Herr Dr. A. S i-luv a d r» n über BKnlt»r« traditionelle Untensohimi« im liiirgerlichen und pruletai ischen Zionismus. — S«nntag, den iK MHrz SSM», um Ii) [Ihr vormittag*, Plenarsilxuug inbeiden Poah -Zion akad. Vvr«iwe im Kinocafe, I., Siiibe»ring. Referent: Dr. M. Timburj. Thema: „Uimti-e Arbait in der nah»-i> Zukunft." Vereinigung jüdiicher Sozialdemokraten „Poale-^ Zion". Mittwoch, den 5. Milrz MM!), Diskussionsabend, eingeleitet von (Jen. Rudel Thema: Unsere Autonomieforderungea in Wien." F^aginii halb 7 Uhr abends. Allgemeiner jüdischer A;beitsrvercin „Poale-Zion" Wie», Tl., .Stefaniestraße 2. Tür H4. Samutag, den l.Mäiz^ wa halb 7 Uhr abends, Vortrag. (-Jen. Wiehl Kohn. Tkema: „Proletariat und Hiirgei l(im. 1 — Jlontag, den X. März und Donnerstag, d»>n <>. Mar/ linden im Vereiuslokale Diaku»sionsabende satt Betrhni hulb 7 (Ihr abends.—Freitag, den 7. llürz, um 7 Uhr abends, literarische Vorlesung. — Samstag, im 8. Mäiz, um 7 Uhr abends, im Cafe Rotentunn Freiheitiliederabend. AlKg. j£ldi»chför Aräseitervsrsin „Poale-Zion" Samstag, den 8. RfSSrz 19^9, findet im Souterr*»iinio9tale d«s Cafe „ftotwE' Turm", Wien, II«, Lilionbir*unnga»se 2, o5n Freiheitsiiedep »Abend statt. EästwirkeracS«: Sgn. Körnt^ DA. Rawitsch, Ber Koro« vits, S. I. Imber, BN. Singer Kartan zu K 2.50 im Parteilokal«, BI., tSlookangasse 6, Tür 17 und; bog donVarainofunktionären erhältlich So»"b©ri. erscliieiaerL! (C „Lider fyn der Frajhajt (Redijieit von Maleih Rawitsch) 30 originelle und übersetzt? Beiträge. Schöne Ausstattung- Quart-Format. Preis K 1,50» Der ganze Reinertrag fällt dem Borochow-Fonds zu. Bestellungen an Oest.Borochow-Fonds, Wien, II., Glockengüsse 6/17. flu die Binoisin ihi Bsnossinnsn iR Rien isnd in uv Provinz! War den direkten Vertrieb der „Freien Tribfine" ubernehmen will Cgiegen Bezahlung), wolle sich an die Administration, Wien BI, GSockengasse Nr. 6, T. 17 wende**. Genossen und Genossinnen sammelt für den Pressfond!. HeraasjebOT uad yerantwtrllicher Ke. akteur Aiaold Deutsck. Bruck von Josef Hoyer, Wien, IX., Lk-chtenstemstrate 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.