Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 14 (19.4.1919)
- Date
- 1919-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 14 Seite 3 keit des deutschösterreichischien Proletariates nicht •berücksichtigende, die Gewaltherrschaft ermöglichende Richtung lehnen Wir ab, ebenso wie ihre Verwerfung des' Parlamentarismus; Gewiß, damit würde auch unsere Stellungnatee, da die Scheidemannsche nicht in Frage kommt, festgelegt. Ob damit die Orientierung oder die Taktik bestimmt Würde, mögen andere entscheiden. | Israel Schurek (Heisskind) | Ausi Warschau kommt 'die Nachricht' vom Tode unseres Genossen Schurek. 'Mitten in der Arbeit wurde er ein Opfer des Flecktyphus. Das schwarze und unbarmherzige Geschick, das unsere Partei verfolgt, 'hat wieder einen unserer Cesten getroffen. In Rußland 'Borcchow, in Galizien — Rosenfeld, im Polen ' - Schurek. In jedem Lande 'raubte uns der Tod eim Opfer, und überall den Besten und Stärksten. Noch brennt die 'kaum vernarbte ^unde nach dem' Verlust Borochows, noch denken wir mit Schrecken an die grause Nachricht vom Ableben Roscheids, und schon stehen wir vor einem neuein' Grabe. Schurek nahm trotz 'seiner Jugend er wurde nur\27 Jahre alt in unserer Partei in Polen eine führende Stellung ein. Er geihörtie zu jenen mutigien -Genossen, die unter 'dem Drfucke der .'deutschen Soldateska In Piolen noch die Kraft fanden, sozialistisch tätig, zu, sein. Wohl wurde er vom; deutschen 'Militarismus verfolgt, von einem Internierungslager ins andere geschleppt, 'doch -hörte er nie auf, für die Ideale des 'revolutionänen Sozialismus! tatig 'zu sejm Der Aufschwung, den unsere Partei in Polen genommen hat,, war zum großen Teile nur seiner unermüdlichen Tätigkeit zw verdanken. Der Sturm der 'deutschen Revolution,, der Polen frei machte, befreite auch ihn. nachdem er ein ganzes' 'Jahr in einer deutschen Festung ge7ange|n war. Es, gibt schon kaum eine Stadt in Polen, in der er niicht in Versammlungen gesprochen hat: alle die vielen Tausende unserer Genossen kannten ihn, und? alle liebten ihn, denn er, der immer Tätige', von Leben und Kraft Sprühende, brachte überall, wohin er 'Ääm;, neues Leöen mit sich, neue Energie und Mut zum' revolutionären Kampf. Er sagte sich von. seiner Familie und seinen Stu- «dieni Tos* al!s! er erkannte, daß 'die Piartei seimer tbie-' ^U-rfte, 'Wurde l^hfcer in einer Schule, um' ml Warschau an der Leitung 'der' Partei teilnehmen zu können. So ganz unvorbereit;et fiel er mitten im Kampfe, daß Wir eis kaum fassen und glauben können. In tiefer Trauer beugen wir uns über sein Grab. __ 1 Vi' Soziale Revolution und Palästina.""] .JMärx erbrachte den Nachweis,, daß das Versehenden des Kapitals die Lösung des jüdischen ' Er$jlems:..mit '"sich Ibringen muß. Er hatte: Recht in dein Sinne, dteß Idas Judentum sich seiner Umgebung . nur ,axif der, Grundlage dier kapitalistischen Wirtschaft anpasseni konnte und jetzt, wenn die kapitalistische Wirtschaft zerstört wird, kann'sich das Judentum nur noch eine Zeit lang fortfristen jund'' die Katastrophe dtadurch vermindern, daß große Teile des, Kleinbürgertums1 nach jenen Ländern auswandern werdiehy. wo noch Reste des Kapitalismus beistehen, oder dadurch, d&ß sie währe nid der Diktatur des Proletariats in staatliche Anstalten eintretem,. —- Jedoch kann man in all Sdem1 keine radikale Lösung des Problems1 sehen. Es ist jfiür jeden Denkendien klar,, daßl die jüdische Nation, entwedfer in der sozialistischen TiesellsChaft als A ribei t s n at i o n mit einer normalen Piroduktionsbasis existieren iwirdtf oder aber, daß sie aus den ©eschiChtlichlen Arena verschwinden'muß. Diejüdische ^Nation besitzt wedfer ein industrielles:, nodh' ein landwirtls'chaftuchies Proletariat, welches von der sozialistischen Wirtschaft übernommen werden kann. Neunzig Pirozeilt der jüdischen Nation ziehen ihnen Lebenfeuinterihalt aus jeinen Prodüktiohszwe^en und Beschäftigungjen!, 'die mit der Liquidierung c'!er kapitalistischen Gesieilsfeft im Prozesse der sozialen Revolution verschwinden müssen. Und wenn die sozialistische Kolonisationspolitik es' sich 'iä'tsl Ziel setzen wird:, die arbeitslosen Kräfte dafür ^ziüniÜtzen, um für die Menschheit ne,ue Kploh^atiöns^ebietife zu ersChlie'sislen^ 'äanii, wird sie 'das »Emigration^- und Kolonisationsprobrem als besondens wichtig für die jüdische Arbeiterschaft stellen. Die Emigration, 4ie 'schon 'bis jetzt einer der ^p^euteindfsten Faktoren! idfcs jüdischen Lebiens war, twird jetzt,, hei 'der ersten Möglichkeit noch stärker werben,; Pie; Emigration nach Amerika war, eine *) Anm.,. jj. Rßd« . D©C i hier. > abgedruckte Artikel gibt ein Referat wieder, das aiif eiijer,Konferenz der «Poale Zion» Sowjetruölands von Genossen Rosenhaus gehalten wurde. demokratische Revolution,, denn sie war mittätig ,an der Schaffung der bourgeoisen Demokratie, dies deshalb, weil sie in einer Epoche;bourgeoiser, Revolutionen vor sich ging. Dieselbe Emigration; als wandernde Revolution, wird, wenn sie sich in .unserer Epoche der 'sozialen Revolution nach Pialästina wendet, das! sozialistische Palästina schaffen.? Palästina ist die soziaie Rjevolution, des jüdischen ' Volkes. Auch jetzt durchlebt die jüdische Nation eine schwere Krisis. Die 'schwarzen Flügeln des Todes und der Assimilation ^breiten sich wieder über das j ü d i s c h e Leben, w; e z u Z e i t e n der b'ou rge ö*i s c n R e - volutionen und jeder Kriseuepoche. Doch es 'besteht ein gründlicher Unterschied zwischen der Ib'ourgeoisen und sozialistischen Epoche. Die soziale Revolution befreit alle Kräfte der Menschheit und gibt ihnen; die Möglichkeit (das verwickelteste aller,nationalen Pirob!eme, das verfluchte Problem des ewig wandernden Ahasver, zu lösen. Dje herrschenden;jüdischen Klassen können uns während der sozialen Revolution die nationale Erlösung bringen.tNu,n ist die Zeit gekommen, da der jüdische Arbeiter die Verantwortung für die Zukunft der,Nation auf sich nimmt. (Das jüdische; Proletariat kann die jüdische Frage nicht durch Verleugnung des eigenen Ich oder idüreh Anpassung lösen. Es ist die Eigenschaft des Kleinbürgers und des Krämer?, sich dem Markt und der Kunde anzupassen. Der Arbeiter jedoch ist die Vom starken. Willen beseelte und schaffende Klasse. Und schaffen kann man nur auf dem Boden freier Bedingungen und aus eigenem Antrieb, jedoch nicht dann, wenn majn zur Anpassung gezwungen wird. Die historische Aufgabe des jüdischen "Proletariats ist es, eine gesunde und nationale Pu'oduktionshlasis für das; jüdische Volk;zu scTiaffen. Ein anderer Ausweg ist nicht vorhanden. Leere Steilen der kapitalistischen Gesellschaft auszufiül'lein und sich in den 'riintergassen der Produktion zu verkriechen,, ökonomische Ghettos in großen Städten zu schaffen,, dies war nur in den alten Klassengesellschaft möglich und zum Teile noch in;der Üebergangszeit. In der Periode der sozialen Resolution jedoch., wenn die Kl'asscneinteiluivg vernichtet wird, stellt sich für die jüdische Nation nur der eine Weg: verschwinden oder zur s e h! äff e n d e n A r ib e i t s n a t i o n z u w e r d e n. Die natürlichen historischen Prozesse werden in der Uebiergangszeit Ibiesc!hleuni|g,rtl, ^auisi dem Staate der Notwendigkeit zum Staate der Freiheit" bewegt sich die Regulierung, die angesammejtieti Kräfte der. EntwjiCto lelfementäf'zium revolutionären Sturm'aulsi Der jüdische Arbeiter, als' ein Teil1 dies internationalen Pirolietariatie^ dies' Trägjer's des1 Sozialismus, einer Kraft,, die [überall1 organisiert umld schafft, muß sich notwendigerweise an die Spitze der nationalen Erlösung stellen. [Die historiische Stünde hat,geschlagen und der jüdische Arlbeiter, der von den Baumeistern weggeworfene Stein, wird zum Eckstein, zur ganzem Nation. Öas jüdische Proletariat, mit der Hilfe des: internationalen. Proletariates., auf die heiligsten Prinzipien der neuen Gesellschaft: Recht der Völker auf tAlleinibestimmung, Recht auf Äribeit aiuf ein ganzes'Ünd freies Lejbeni sich stützend, wird| 'die f" Organisierung und Relgfulieriuing der jüdischen Wanderung vornehmen u|nd das sozialistische Kolbnisai tionszentrum in Palästina schaffen. Wer tiefer über die Gesetze der menschlichen Gesellschaft Jiachged;achtihat, hat sicher die Ue',berzeugung geschöpft, daß ein Aendiern! der Beschäftigung, der Tradition! und 'ökonomisChein Struktur auf dem Boden dier alten Heimat schwerfällt. Die große Zahl dier Luftmenschen, Händiller, Krämer des' .jüdischen Volkes, denen es Immer schwer war, aus psychologischen Gründen oder Kraft, des Trägheitsgesetzes aus dem alten Leiben ^n die Reihen der wierktätigen Arbeiterschaft überzli^ieHeno, hat^n, mit den al pn Ökonomischen «Traditionen brechend, in Amerika eine Arbeitsgemeinschaft aufige richtet währen.d sie in Rußland seihst außerhalb des Ansiedliungsrayons nur selten zum Handwerk übergangen.s^d1. Wer die (Gesetze dier sozialen Trägheit beachtet, wird es begreifen, daß der kleinste Widerstand zum Um'bäu der jüdischen Oekonomik' und des ganzen wirtschaftlichen 'Leibens auf dem Wege zur Kolonisation liegt. Der katastrophale Zustand der jüdischen Gemeinschaft 'bringt es mit sich daß die territoriale lösung des Problems nicht nur auf dem Wege des kleinsten Widerstandes liegt sonde/n dan dies der einzig möglie'he Weg ist. I Der P'alästinismus ist der konkrete Territorialisi mm. Nicht die Böurgeoiszionistlen alller Richtungen,, die in Palästina eTne durch die Entente, gesicherte Heimstätte ihrer Kapitalien suchen, werden die Erlöser der jüdischen Nation sein, idCntn sie könnein' in : Raipistina wohl he'bräisChe Schulen schaffen, 'doch .nie d'as Aribeitslehien einer arbeitenidletti *Nation. Dies Schaffen können1 nur wir Ploale? £ion, d!er revolutionäre Vortrupp dies jüdischen jPiKoli^tariates. Wir Poale Zion niiussien d*as Vermächtnis un1seres unvergeßlichen lehrers erfül'l'en: „Retten den Zionismus von den Zionisteli". Feierlich wenden wir uns an die dritte Internationale und erklären Im Namen des jüdischen Proletariates!: das jtidteclte Proletariat fordert Gleichberechtigung für die jüdische Nation, es will nicht, daß Idas jüdische Volk ajs Ausnahme von der ffegel zwischen den 'Nationjen hestehen bleibe. Im Interesse der sozialen Revolution liegt die Gründüng einer jüdischen sozialistischen Gesellschaft; in Palästina. Die Stimme dies jüdischen Proletariates wird man hören müssen. Deshalb rufe ich Euch zu: Bauet in der Zeit 'dies Bauens und schaffet in der Zeit jdes Schaffens! Dies ist der Wille der jüdischen Arbeiter, des ganzen jüdischen Volkes.; Die Zukunft ruft uns. Mit fe;ürig;en Lettern schreibt die jüdische soziale Revolution ihre ersten Worte: Entzündet den roten Flammenschein, den Morgenstern des Sozialismus auf den finsteren Himmeln des Galuth. Gehet jüdische Kämpfer, jüdische revolutionäre Sozialisten» erfüllet Eure Pflichten gegen die allweltHche und ]die jüdische soziale Revolution. Es leh'e das sozialistische Palästina. An der SciiweilB. Nicht am SdieidCwieg stehlen wir heute; nicht mehr dort, wo die „Wiege zum Sozialismus" sich kreuzen,, sondern an dier Schwelle der neuen Welt sind wir bereits afngelangt. » Und die Frage ist heu'e n|dht' mehlr, welCnejn Weg wir gehen sollen,, sondern ob wir dien einzig möglichen Weg '— dien jenigen, d|en das revolutionäre Proletariat Rußlands^ Ungarns und zum Teile auch' Deutsoniands kiü'hln heschritten hat - ob wir die Schwelle, welche uns vom gelobten, sozialistischen Lande noch trennt, sofort .überscWrieiten, oder ob wir, an dieser (SchwielJe angeian^i, eine Ruhepausie einschaltien wrid die Ankunft unserer heute noch irriewandernden ausländischen Brüder a'bwa rt en sollen. Hand aufls1 Herz! Glaubt heute noCh jemand von uns d,aran, cliäß diese Riegierung nichts and(er|ös ist, als ein, „"Revo lutionisaussehüß",, der die Revolution weiter iz;u treiben fähig wärje? Denkt jemand von. uns. efjp^t an die Möglichkeit die soziale Revolution 'auf dfeb Wege des bürgerlichen Parlamentarismus: zu verwirklichen? Und izweifieit [heut'e noch! jemand von uns an 4er historischen 'Notwendigkeit -der Piktatur;iäies Ptroletariats,' als Uebfergah^sstädiü^^m von käpitaiistisdher Staatsförm zur sozialistischen GeseHschüffeförm? GiM.esheutiei'nochi ,,1/!ern&hf^e",',Ä 'meinen, da ß „der Sozial i s m ,u s s © 1 BijS tau S, id e r Tatsache der Demokraiie kommen wird"; "{ '' Nein, heute steht ja nicht mehr die Frage so wie am 1. November 1918: Nationalversamnilung oder Rätesystem; bürgerliche Dein o k r a t i e oder p r o 1 e t a r i s c h e D i k t ä t uir? Heute gilt es bloß darüber Klarheit zu gewinnen, obtiwir auch fernerhin diei Tragi-Komödie des^Linksrederis" und „"Rechtshandelns" mitspielen wollen. Ob wir i n "Erwartung eines röten — vorläufig «lein rotweißrotes —' Deutschösterreich aufzuhauen helfen sollen. Ob Wir, die wir davon' fäherzet^gt. suijd, daß dl,ie einzige Sicherheit für die Verwirklichung des Sozialismus nur dann gegeiben wäre, wenn die ganze politische und Ökonomische — iMächt dient Arteiterräten gehört, vorläufig die Macht im die Hiahde . der arbeiterfeindlichen .National'versammlüng samt ihren Landes- und Xpmmunal^jes^Hwi^erii,, legen sollen; ja noch mehr, iOb [wir die MaCht'^feser, unserer Meinung nach dem Tode geweihten Institutionen gegen diejenigen'' der Ärbieiterräte durch •unverzeihliches- Vergeuden unserer eigenen Kräfte stärken sollen. Sollen wir heute schon unseren Fuß , auf die Schwelle setzen' und dem Piroletariate;, in voller"Hiarmonie mit unserem 'eigenen! Ich, in voller Übereinstimmung mit unserer inneren Ueberzeugüng zurufen : wage es, überschreite diese zur Kenh^eichnüng der Grenze zweier verschiedener iWelteh Errichtete Schwelle, jenseits liegt 'das ^gelobte Land. Oddr sollen (wir uns inj ihierzzerreißendier Zerkliiftung verbrauchen, ewig an der Schwelle sitzen, uns niemals über dieselbe wagen, und warten bis ja, bis ein neuer mächtiger Sturm die Welt durchbraust und uns mit unwiderstehlicher Kraft über die Schwelle hinüberschllieudert. . So und nicht anders steht li'etute die Frage. Vorwärts gqhen oder stehen bJeit^en — denn mit Renner können wir unmöglich nijtgiejienrr- -h,#i!- dein oder zuwarten — dehn mit Günther köwjfti wir unmöglich gemeinsame Sache machen — Aktiv sein oder .ziischauien1— ckntn1fnfit Ghrisjtlidh^ozia'len gönnen wir uMÖglich . arbeiten, Zuschauen, — welch ientsietzficlje,rbedanke?^in Sozialist und zuschauen,,,ein. Kämpfer iu&I warten, eine Arbeiteiibewegung lu^pl'.stiU'stehenj. ,; \Jti4, w^'npcH;,jjf^^ffew ^t,.-W^^j^wir.;.^!!!'!- stehen \yenn,;wir vi^^. w^ti^sm zußchauKn» werden wir dann nicht zum Hindernis für die Vorwärts- N ...