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Freie Tribüne · 1919-01-31 · 4 (31.1.1919) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
4 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Freie Tribüne Seite 3 indische Meiter und fingest eilte! Die furchtbaren Geschehnisse des Weltkrieges haben es Euch mit grauenhafter Deutlichkeit vor; Aug«*1 geführt, wie ohnmächtig der einzelne gegen die organisierte Gewalt des Kapita ismus ist. Die Arbeiter aller Völker können aus dem größten Verbrechen, das an der Menschheit je verübt worden ist, nur die Lehre ziehen, daß sie ihren Klas- «eniwitlen in machtvollen Organisationen mm Ausdruck bringen müssen, damit dem völkerverhetzeiiden ImeperiaHsmus der Kapitalistenk'Iasse ein Ende bereitet werde durch den Völkerbefreienden Sozialismus. Was für 'die Proletarier aller Völiker gilt, ist für uns besonders maßgebend. Die Reaktionären suchen dem Volkszorne zu entgehen, indem sie eine Hetzkampagne gegen wehrlose Juden entfachen wollen. Darauf gibt es Stur eine Antwort: Hj n e i n in d t e j ü d t s c h e so- •zjtal demokratische Organisation „Poale-Zion" zum gemeinsamen Kampf gegjew alle f inste ren M ö chte für eine neue Tic h te Weltf! Gemeinsam mit den Arbeitern all er Völker tsotJ1 das jüdische Proletariat! auf dem Wege zur, neuen sozialistischen Gesellschaftsordnung mar-, schieren. Ein lebendiges GM der prole ansehen Internationale. Bis in die letrte jüdische Arbeiter- . wohnung soll'der Gedanke der internationalen Klassensolidarität getragen werden,. Wer mit un& geht, wirkt auch für die Gesundung des jüdischen Volkes. Unserem Volke, das keine eigene Volkswirtschaft besitzt, das der Bauernkjlasse unjd somit a^er .natürlichen Kraftquellen ermangelt, so.l durch die Familie der Nation sein Recht wurden. Die proletarischen Vertreter aller zivi'isierten Volker sind eins mit uns in der Forderung einen Heimstätte für das jüdische Volk, einer sozla.tsti- •schen Republik in Palästina. Jüdische Arbeiter und Angestellte erfüllet Eure ipflicht als jüdische Proletarier und tretet ein i l d'i£ Vereinigung jüdischer Soz'.aldemokra en „Poae- Zton", Wien, I., S'chottenrtng 12 (Cafe Adler). Mitgliederaufnahme Dienstag und Donnerstag von 6 ibis' 8 Uhr abends im\d 'bei der Verwafftung <der „Freien Tribüne*', des jüdischen Lebens, Platz zu machen. In der Wahlfaewegung zur polnischen Konstituante, die aim1 26.. Jänner stattfinden, stellen alle Parteien dasfN •Postulat der nationalen Autonomie auf. Es gib* zwar .Unterschiede in dem Ausmaß der Kompetenz, die für die jüdisch-en autonomem Behörden; gefordert werden. Au£h! hat die zionistische Partei noch immer nicht auf gehört, die jüdischen Massen mit dem VerTangen der hebräischem Unterrichtssprache zu verwirren, aher immer allgemeiner wird die Erkenntnis, daß die lebende Sprache der Massen, tdie jüdische Grundlage des Schulwesens und des ganzen autonomen Lebens werden muß. Natürlich ist, daß die Parteien einen en details ausgearbeiteten Plan der Gestaltung-;der geforderten' Autonomie noch nicht haben. Am Wesen werden Anerkennung der Juden als (nationale Minderheit, eigenes .Schulwesen, eigene Repräseiritationskörpeii zur Vertretung der navtonaletn Interessen, Vertre-< tung in der Regierung (und den polnischen Körperschaften, soweit sie gemeinsame Angelegenheit zu erledigen lilaben, nach dem' Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung verlangt So steht denn die Judenschaft Polens, wenn auch in viele Parteien gespalten, doch fast ganz einig im Kampfe um ihre nationalen Rechte. Als Antwort auf die Verfolgung, Vergewaltigung in ihren primitiven menschlichem Rechten, stößt das jüdische .Volk, das seit Jahrzehnten sein nationales Selbstbewußtsein wiedergewinnt und innerlich erstarkt ist, nicht den jämmerlichen Schrei nach Mitleid und Gleichberechtigung aus. Es betrachtet d(re Gewährung der gleichen politischen Staatsbürgerrechte als Selbst Verständlichkeit und nimmt auch für sich das Recht auf Selbstbestimmung in Anspruch, in der sicheren Erwartung, daß ein Zusammenleben des jüdischen Volkes mit dem polnischen nur möglich sei, wenn die verlogene Vertuischungspolitik der AssimiiSalion einmal gründlich beseitigt i.st und beim Bestehen eines e geneu jüdischen Lebens, die Sünden angeblicher, dem Judentum gänzlich entfremdeter „Israeliten", nicht diesem aufgehalst werden'. Wie sind nun die Aussichten dieses Kampfes, was für Zukunft haben die Juden in Pol'cn zu erwarten? .'Nach dem» Gesagten ist wohl die traurige Antwort einleuchtend, daß, wenn es von den Polen lallein abhängen (Soll, die Juden' einer entsetzlieh Schweren Zeit entgegenjgehen. Die Hoffnungen * des Volkes richten sich auf die Garantien deszu schaffenden Völkerbundes, de des jüdischen Proletariates, auf die Beschlüsse der internationalen sozialistischen Konferenz. Aber,wenn auch von beiden, wie es1 zu erwarten ist, manches geschehen wird, wenn auch diese beiden Instanzen imstande sein werden, die krassen Formen der Vergewaltigung der Juden unmöglich zu machen, wenn auch schließlich die. jetzige angehend erregte und absichtlich aus bestimmten politischen Gründen geschürte antisemitische Stimmung einer ruhigeren AuffassiinigiPlatz machen sollte, so wird es doch Tatsachejb' eihen, d!aß die Juden in Polen e ner systematischer Ausrottungstendenz gegenüberstehen werden, sehen Ausrottungstendenz gegenüberstehen werden, die von keiner-äußeren KraFt ^emügend paralisiert werden kann. Erst wenn das polnische Proletariat dem jüdischen die Hand im gemeinsamen Kampf " .um die soziale Befreiung ferchen wird, kann ein friedliches Zusammenleben beider Völker mögltch werden. al'. Sie neigte sich über ihn, als wollte sie etwas in sein taubes Ohr sagen, konnte aber nicht ad sich halten und Weinte laut auf. Ihren ~Kc*pf grulb sie immer tiefer im die Fejtjzeni, die sei.ie Efruistl umhüllten und schluchzte auf. Keiner könnte wissen, wessen Unglück sie (beweinte: Das Unglück des1 bettlägerigen Tauben, oder ihr eigenes, das so geheim und unbekannt war, wie jene finstere Herbistnacht, in der zwei aif%ehärtmte Arbeiter, ' Bicks Haus umschleichend, etwas bemerkt hatten. Der Taube betrachtete sie mit seinen großen, bleifarbenen Augen und wollte etwas sagen, etwas sehr Wichtiges. Verwirrt und formlos wälzte der Gedanke sich in seinem Hirn herum: Ja, das Wichtigste: Sie solle nicht dummen Oedanken nachhängen. Schon ha :tc er den Mund geöffnet, eine Hand erhoben, ails Esther aufstand «und ihren Herbstmantel fester zuknöpfte. Sie schütteiljte langsam (und traurig ihr Haupt, seufzte schwer und verzog den Munld zu einer Grimasse, aljs wollte sie sagen ■ Auch ein iVaten . . . leider., . . auf wessen Rat sie hören sc#te\.. (Fortsetzung fc%t.) Flucht vor 3ehowa.*) Schwarzkünstler h>in ich und spiele mit Welten, Löwenbezwtinger. v Und diie Mähnen im1 wild aufwirbelnden Kreis Beugen isuch meiner Peitsche Geheiß. Nur in schwarzer Nacht hin ich Änehr denn* ein Kind Und weniger noch als ein Halm im Wlndl — Jehowah. >—. Und «in Regeunächten von (Blitzen durchzuckt, »Wenn die schweren Schiffe m Amsterdams Bucht Aufstöhnen vor heulender Wellen Wucht, *) Aui den soeben im Verlag M. üickl, Wien, in jadischer Sprach? erschienenen Gedichtband, »Spinoza«. Umtfäfit mein Geist ein krankes Tier, Von den Menschen verjagt, Verbannt von Dir Und wie ein Hund], der licht los verreckt, Liegt -meine Seele emporgereckt »- ■ \ I Jehowah. ...... Denn Gift wand das Bfut Unfd d(ie Seete — Glut i j. Und im ein Fing von ^Deinen Fessejn beengt Denn hart auf meinem1'(jungen Leben Ist Deines Leibes Schwere gelegen - Jehowah. — ' i Und in Nächten, durchwühlt von der Blitze Pflug, Wenn die Mäste sich' winden in wildem Gesang Und Matrosen tosen im'Ueberschwang Und (die Schul, das vHerz tn Amsterdams Brust Steht vor Schrecken1 teer, — Da faß' ich erklirren (den spitzen Speer Und (singe die Freiheit — > Gefangener, ich Deiner Fünf-Türme Haft Der Türme Deines Gebots <~ Jehowah. — Der Himmel spie (Wasser, fcpie Glut Und ich entlief d(urcb tdie Nacht, Dem eigenen Geiste, dem1 (eigenen Blut. Hörst du d£n Schritte dumpfen Hall? Und ich lief; > Der Schatten ging hinten nach, Uenn das Licht, tfcs Licht Brannte im' Herzen und zitterte nicht. Da wuchsen Flügel an (memen Füßen, Wie einstens an den Füßen d(es Loth — Jehowah. — Ich will I>eine Huld nicht undf nicht Deine Gnade Und nicht Dieinen Haß und! den rächenden Spott; Ich will nicht'diie'Ketten und} will nicht die Türme, Deiner fünf Türme vernichtend Oebot. — Frei nach fclem Jüjdttschen übersetzt. Internationale Sozialistenftar die üudenfroge. P. I. Troelstra der Führer der holländischen; sozialdemokratischen Partei sagt: „Es steht fest, daß die Judenfrage in ilsrem _ jetzigen -Stadium zur nationalen Frage wurde und nicht mehr eine Frage nur bürgerlicher, d. h. individueller Gleichberechtigung ist. Diese Auf.assung verbreitete sich, erst tn letzterer Zeit in den Rethen der sozialistischen Internationale. Ich muß gestehen, daß ich selbst hier viel gelernt .habe, insbesohderje durch Bekanntsdhaft mit der Partei Poale-Zion. . Die Judenfrage ist in den Ländern der jüdischen Massen: in Rußland, Polen, Galizien und Rumänien eine der wichtigsten nationalen Fragen, die nur auf Grund der Personal-Autonomie gelöst werden kann» Die Judenfrage muß nur auf internationalem Wregj wie es durch das Frtedensmanifest der neutralen Delegaiton in Stockholm gefordert wird,, gelöst werden, da sie unter allen internationalen Fragen, die intelnationalste ist. Die Verstreutheit der Juden in so vielen Ländern, die Tatsache, daß sie in keinem Gebiete eine geschlossene Masse und überall auf die personale Autonomie angewiesen sind, und Wetters der Umstand, daß die ungenügende Lösung der Judenfrage in einem Lande eine schlechte Wirkung auf die Lage der Juden in anderen Ländler« ' nach sich ziehe — all dies legt der Jujdienfrage einen besonderen Stempeil auf und Üäßt die Notwendigkeit eines internationalen Schutzes für das jüdische Volk erlkennen. Ich kann es absolut nicht begreifen, wie man den Juden ihr Recht, eigene Schulen zu benützen, die i hren nationalen Forderungen entsprechen, verweigern kann. Das widerspricht jedem' ^reiheits- [gefühl. Es steht nicht an, daß die Regierung die unbegrenzte Macht über die Erziehung der Jugend besitze. Wir in Holland haben dies begriffen und in unserem neuen Schulgesetz übervießen wkr d«n Eltern das Recht der letzten Entscheidung über das Erziehungssystem ihrer Kinder. Die Regierung beistreitet die Kosten aller Volksschulen, auch die der privaten, sofern sie die Minimum.Forjdierungie« in Bezug auf den Lehrpilan annehmen. Der Kest •Wird der Entscheidung der geistigen Kräfte überlassen. Nur tauf diese Weise können wir die innere, f Freiheit auf dem1 Gebiet der Jugendjerziehung wahren. Die Juden HodlanfJs1 haben bis nun keine besondere n Forderungen bezügjch der Erziehung erhoben, doch bin ich überzeugt, daß sie nach Begründung eines eigenen Schuixereines mit besonderer Verwalttunig die nötigen' MitW ''ajus der Staatskasse' erhalten würden. Dieses Prinzip muß in de(ft Na.ionalitäten-Staaten den nationalen Minderheiten gegenüber angewendet werden. Auf der Stock höhn er-Vorkonferenz fiel' es1 mir auf, mit welcher Reserve sich die ukraüi&johien und jüdischen Vertreter dem Gedanken eines unalbhangigen Polens gegenüber verhalten und ihre Furcht, daß die Polen ihre Seihstänfclig'keit zur Unterdrückung der nationalen Minderheiten ausnützen würden. :H Ich gestehe, daß ich über die Lage in Polen zu wenig informiert hin, um meine Meinung auszusprechen, inwiefern diese Furcht begründet ist. Jedenfalls aber bin ich überzeugt, daß die Forderungen der Ukrainer und JudiCn berechtigt sind und daß auf internationalem Wege für die Gebiete, wo die .Polen die Majorität der Bevölkerung biliden, Mittel gefunden werden imüssen, um dije Bedrückung der nationalen Minderheiten durch die Polen hintanzuhalten. Wie die Lage der Juden in Polen zu regulieren wäre, bekamen wir von der jüd.-soz. Arbeiterpartei „Poale-Zion" ein interesisantes Gesetzprojekt, das der internationalen Staatskommission, M der Ausarbeitung des Völkerbunldstatutes wertvolles* Material liefern wird. . Mit großer Verwunderung1 hörten wir von den sozialistischen Parteien PoLens1, daß große sozia- ,lfctische Parteien in Polen, ihre Nation als die hierr«. sehende betrachten, und sich nieht genügend lajn der Befreiung der unterdrückten. Völker beteiligen, Dies aber ist auch verstän'dflich'. Bis zu diesem Krieg« wojllte die Sozialdemokratie die Bedeutung der nationalen Frage dem Klassenkampf zuliebe nicht anerkennen. Das war Straußpolitik. Heute sieht die' sozialistische Welt diese Angelegenheit in ganz anderem Lichte. Einerseits fordern es die Interessen eines dauernden Friedens, daß die nationalen Tragen gellöst werden; andererseits bekamen wir über die pemokratie. eine mehr förderative Auffassung, gewissermaßen eine Reaktion gegen den übertri6benen. automatischen Zentralismus der französischen Revolution. Man verstand früher unter Demokratie, daß die eine Hälfte Püüs-Eins, die andere Hälfte Minus-Eins regieren müsse. Heute verstehen hen wir die Demokratie in dem Sinne, daß ailles, das eigen und originell, alles das Kulturwert be» sitzt und in sich die Eigenschaft, sich zu entwtdkeün, trägt, die Möglichkeit freier Tätigkeit erlangen müsse. Ich glaube, daß Wald nach dem Kriege der Morgenstern der nationalen Elemente ansehen Arbeiter und Angestellte, besucht unsere Versammlungen und werdet Parteimitglieder!

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