Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 3 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 3 Pen Gipfelpunkt der Niedertracht haben die Pressekuli der Bourgeoisie erreicht, als sie über das tragische Ende der Märtyrer des Proletariats Liebknecht und Luxemburg berichteten. Alle bürgerlichen Blätter gaben der Ansicht Raum, daß die Lerche der Frau Luxemburg in den Kanal geworfen worden sei. — Wohlgemcrkt — niemand hatte behauptet, es gesehen zu haben, kein Zeuge hatte sich gemeldet und dennoch diese Notiz in allen bürgerlichen Zeitungen. Hier war offenbar der Wunsch des Gedanken Vater. Das verhärtete "Gemüt der bürgerlichen Sold schreib er scheute nicht davor zurück, die edelste und beste Frau noch in ihrem Märtyrertode mit Kot zu bewerfen. Diese Leichenschändung darf nicht vergessen werden. Das Proletariat hat stets für die Freiheit der Presse gekämpft. Aber die Freiheit der Presse ist nicht die Freiheit der politischen Pornographie, ist nicht die Freiheit ehier feilen Zeitungskamorra, die heiligsten Gefühle der Arbeiterschaft zu be- •sudeln. Die Schänder des ffolhes. Die jüdischen Kapitalisten haben den Ehrgeiz gehabt, besser als die nichtjüdischen zu sein. Und nun, da sie die sozialistische Gefahr wittern, erbeben sie vor der Möglichkeit einer Schmälerung ihrer Geldmacht. Jedes Mittel ist ihnen gut genug, wenn nur ihre ausbeuterische Stellung erhalten bleibt. Was schert sie die Reinheit der Wahl, was kümmert sie die Moral des Volkes? Mögen einige lumpige Hunderttausende springen, mag die Korruption fcich entfalten, wenn nur der Zweck erreicht ist. Es ist eine Schmach, 'daß die bürgerlichen Parteien des Landes der Korruption zugänglich stn{d. Die breiten' Volksmassen sollten die Lehre darausziehen und den Millionären mit ihren politischen Handlangern zUjgleich einein Gedenkzettel geben. Wie dem' auch siei, die jüdischen Masfeen werden die Niedertracht der Geldjuden nicht vergessen. Sie haben mit der jüdischen haute ftnance nie eine Verbindung gehabt und! sie müssen sie nun noch kräftiger von sich abschütteln. EHe Finanzjuden haben sich keine Skrupel gemacht, den Antisemiten ihr Geld zur Verfügung zu stellen, denn noch nie ist ihnen;, den jüdischen Millionären, ivjori dein! Antisemiten kein Haar gekrümmt worden. Ihre Verworfenheit, büßen dann die jüdischen Hausierer, denen die antisemitische Politik ihre Macht beweist. Wir'müssen immer für die Sünden büßen, die „iHiser.e" iGetdmagnaten begehen. Darum an den Pranger mit denen, die riecht nur des Volkes Unheil sind, sondern auch desfeen Schmäher un>d>Schänder. und Seid! Die „Arbeiterzeitung" hat mit voller Entrüstung .den Wahlbeeinflu Dungs versuch der (Kapitalisten aller Richtungen aufgedeckt. Sie nimmt sie alle her: die agrarischen und die industriellen, die christlichen un!d( die jüdischen Kapitalisten. Die Geld sack juiü|e;n bekommen ihr besonder (Teil, das sie neichiieh verdienen. Daß fie, wenn man d[as sein kafnn, doppelt charakterlos iStnd, in dem1 sie ihre (Geldbeutel zur Bekämpfung d(£s Sozialismus in .die Politik undi tauf die Wagschäle von Antisemiten werf en, kennzeichnet sie zur Genüge. Aber weiß die Arbeiterzeitung nicht noch eine ihrer Qualitäten -anzuführen? Sie haben eime besondere Auszeichnung und' die „Arb'.-Ztgf." sagt es: sie sind diejr Stolz der i s' n a e 1 i t| i s c h e n Kultusgjem;e inde. Und |da erinnern wir (uns, daß unter diesen Leuten der «Günstlinge ,und((Gönner der israelitischen Kultusgemieinde 'manche sind', die K'ox gar nicht langer Zeit das Wohlgefallen -jeiier „Arb.-Ztg." erweckten, damals, (als! sie dem Jüdischen Nationalrat ihr Mißfallen [ausdrückten. Es-fehlte unter ihnein ■wieder ein Sekretär dter Rothschilds, noch ein Direktor einer jGroßbank, aber Vlie Arbeiterzeitung unionierte sich (mit ihnen wn/d efer Oesterr. isa\ lS'-^rum; rtiaitsie es damals, d|a doch die israelrttschen Protestier keineswegs im' Büßerhemde erschienen? Die „Arbeiterzeitung" sah deren GeFdsack nicht, ■weil ste nur die feindselige Haltung gegen den Jüdischen Nationalst sah und[ Sich daran ergötzte. bx° 3"a,rc! * >>Arbeue;rzeitung" verblendet und sie stellte steh auf die Seite des Trosses und Stolzes der israelitischen Kultus gemeinde gegen den Jüdischen Nationalst, in welchem jüdisch-proletarische Parteien sitzen. Was wir 'immer betonen, war auch diesmal wahr: [Die Parteinahme der „Arb. Ztg." für dSje BQurgeofe^Ä&sönilant^n war eine antisozialistisich«; aber da sie für (flliese Leute eintrat, mußte sie gegen die jüdische Nation auftreten. Das deutsche Proletariat muß Klarheit haben. Klarheit aber ist Unterscheidung zwischen d{en Bankjuden, die auch dann .nicht zu loben sind, wenn sie dem jüdischen, Volke Cin den Rücken fallen, und den jüdischen Volksmassen, die \auch dann nicht zu tadeln sina(v wenn sie siclj im* Jüdtsfchejn Nationalrat vereinigen. Klarheit aber auch' darüber, d(aß es nicht nur jüdische Großbanken und Finanzjuden gibt, sondern ein arbeitendes, jüdisches Volk. Dieses dlarf nicht totgeschwiegen werden, wenn der deutsche Arbeiter nicht irre werden soll diurch das jüdische Großkapital. DinhinswBFte Offenheit beweisen die bürgerliehen Zionisten, die als Jüdischnationale im Wahlkreis Leopoldstadt-Brigittenau kandidieren. Sie wehren sich sonst dagegen, daß man sie als Bürgerliche bezeichnet. Nun erkennen sie sich als Kleinbürger und.-- wollen: das Kleinbürgertum retten — vor der sozialistischen Gefahr. In Nummer 1 ihrer „Wiener Morgenzeitung" heißt es: „Der jüdiisc.be Mittelstand, das jüdische Kleinbürgertum laufe Gefahr, im Kampfie zwischen Großkapital und Arbeiterschaft aufgerieben zu werden. Schon aus diesen Gründen ergebe sich die Notwendigkeit der Aufstellung e i g e n e r n at i o n a 1 j ü d is c h e r K a n d i d a t en." Mögen sie die jüd(ischcn Mittelstandsretter spieien. ^er Versuch kommt zu spät, denn im Kampf zwischen Großkapital und Arbeiter werden die jüdischen Volksmassen — dank der jüdischen Sozialdemokratie — sich mit der Arbeiterschaft vereinigen und vom Großkapital erlösen. Internationale Sozialistenführer über die 3udenfpap. \Wir haben in der ersten Nummer unseres Blattes davon gesprochen, daß bedeutende Führer dier 'sozialistischen Internationale sich in (klarer Weise für unseren nationalen Befreiungskampf •aussprachen. Das Nahen der Friedenskonferenz verleiht djeren Aeußeningen über ihre Stellung zu den jüdischen, Forderungen in Bezug auf den kommenden Frieden dieselbe Aktualität, die sie im Jahre 1917 hatten. Wir beginnen mit der Meinung von Ca'miHe Huysmans, Sekretär des Internationalen Sozialistischen Bureaus, der seine Stellung zur Jiudenfrage wie'folgt formulierte: „Ich teile voll und ganz den Standpunkt, den die neutralen Delegationen zur Stockholmter Konferenz in ihrem' Fnedensmanitfest ,zur Judenfrage .eingenommen haben. Der internationale Charakter der Judenfrage ist so handgreiflich, daß man dafür gar keine Beweise anzuführen braucht. Die Existenz einer Judenfrage in vielen Ländern kann nicht geleugnet werden. Sie tritt schon negativ durch die Tatsache der judenverfolgiungen izu Tage. Wenn manche "Juden die Existenz der Ju- , rlenfragc leugnen, so beweist das nur, daß sie selbst assimiliert und dem Jud'Cntum und seinen Problemen entfernt sind. Die Assimilation Ist keine ' bloß jüdische Erscheinung. Von ihr sind auch Flamen, Russen und Angehörige vieler anderer Völker ergriffen. Die Assimilation ist eine allgemeine Erscheinung in Grenzgebieten. Daß die Assimilation unter den Judfen stärker hervortritt, erklä t sich eben dadurch, d[aß .die Juden im sozialen Sinne ein Grenzvolk bilden. Nicht der' Assrmilationsprozeß, der einen Bruchteil' der Juden erfaßt hat, ist das was mich in Staunen versetzt, sondern urngekehrt, diephänomenale Widerstandskraft, die das jüdische Volk immer entfaltete und entfaltet, d(ie Tatsache, dajfi es von der Assimilation nicht viel stärker mitgenommen ist. Das friedliche Nebeneinanderleben von zwei oder mehr gleichberechtigten Völkern Cn einem Lande, die sich gegenseitig (geistig beeinflußen, kann sicherlich in hohen* Masse kulturfördernd sein, aber was man Assimilation gemeinhin nennt, wirkt keineswegs kulturfördernd, sondern umgekehrt überaus kulturhcmmend. Die Assimilation, welche die Minderwertigkeit eines gegebenen Volkes zum Vorwand nimmt, hindert ciie Entwicklung eben des-? selben Volkes und erzeugt in jeder Hinsicht verderbliche Wirkungen. Zu dieser Ueberzeugung bin ich aus persönlicher Anschauung gekommen. Die assimilierten Flämen in Brüssel sind kulturell weder Franzosen noch Flämen. Die französischen flämischen Oberschichten sind .geistig '.völlig unfruchtbar, während ein großer Teil der Arbeiter von beiden Sprachen der Ländler nur Brocken besitzen, so daß sie nur die Klatsch nach richten der Presse lesen können, dagegen aber zum Verständnis dies politischen Teils der Zeitungen zu wenig Sprachkenntnisse haben. Daß die Assimilation auch antisozial1 wirkt, lehrt uns gleichfalls das belgische Beispiel. Die Assimilanten haben kein Empfinden für die Not ihres Volkes. Ja, es ist eine Tatsache, daß die fraiizosisierten Flamen die Beziehungen zwischen den beiden das!Land bewohnenden Völkern vergiftet haben, daß sie im wallonischen Lager * Wir erwähnten dieses bedeutsame, im Jahre 1917 beschlossene Friedensmanifest iu unserem Artikel ,>Kijie jüdische Sektion in der sozialistischen Internationale^ in Nr. 1, Freie Tribüne. die Rufer im Streite gegen das flämische Volk sind. Sie haben auf ihrem1 Gewüssen die Rückständigkeit eines großen Teils {des flämffschen Volkes und die Verweigerung: seiner (Rechte. Soviel ich sehe, liegen 'die Verhältnisse auch! genau so bei den Juden.; Ich bin entschieden für die Anerkennung d|er Juden als Nationalität in allen Ländern, wo sie in Massen leben, und für die internationale Regelung; der Judenfrage. Der Krieg hat deutlich genug Leiwiesen, daß die nationale Frage je$es Landes all^e) Länder berührt. Damit die jetzige Weltkatastrorjfoe' sich nicht wiederhole, müssen auf internationalem) Wege Normen für die Behandlung der Nationalitäten in den verschiedenen Staaten geschaffen werden. Das Schicksal der schwachen Nationen d^alrfi niet mehr den einzelnen (Staaten überantwortet werden. Ich habe kein Vertrauen zu den Staaten'. Ich habe zum Beispiel ungeachtet Wer großen Tralgödid, die Rumänien gegenwärtig durchmacht, kein Vertrauen, daß es in lder Zukunft dien Juden Gerechtigkeit widerfahren lassen wird, \ia\\s es selbständig über das Schicksal seiner jüdischen Bevölkerung wird verfulgen können. Rumänien ist in' doppeltem Sinne ein Präzedent in bezug auf die jüdische Frage : Einmal1 wurde hier die jüdische Frage zum erstenmal international behandelt (Berliner Vertrag 1878), .dann aber verletzte Rumänien systematisch! die Vereinbarungen der Mächte, und) zwar aus dem Grunde, weil die Mächte tsich mit der Proklamierung eines 'Prin'zips begnügten, ohne Garantien für dessen strikte Beobachtung zu: schaffen. Das darf sich nicht mehr wiederholen. Ich billige vorbehaltlos die Forderung der ukrainischen Delegation, die auch von der tschechischen und jüdischen Delegation unterstützt wurde, daß bei dem! zu schaffenden internationalen Tribunal ein Ausschuß eingesetzt werden müsse zur Wahrung der Rechte der Völker und daß olas internationale . Tribunal zugunsten jedes Volkes intervenieren1 solle, dessen Rechte vlon. welcher Seite immer verletzt Werdejn,. Die Rechte der Juden als "Bürger undi. als Nationalität mülssen auch in dem1 internationalen Akte festgesetzt werden, der dlje Unabhängigkeit Polens proklamieren wird. IicWOrabe den Eindruck, daß die Polen ausgezeichnete Menschen sein werden, wenn ein wirksames Gesetz geschaffen twird, daß sie all anderen nicht tun dürfen, was an ihnen getan worden ist. ich höre Klagen, daß der Antisemitismus! den Geist der polnischen Gesellschaftn so vergiftet: hat, daß selbst sozialistische Parteien ihm erlegen sind. Da kann ich nur sagem: die Feindschaft gegem irgend ein Volk': ist mit den1 Grunldjsatzein des Sozialismus unvereinbar, daß jede sozialistische Partei, die anUsemit'ts.cbe Politik macht, sich damit äußerhalb der Internationale stellt. tBei uns in Belgteu ist der Antisemitismus-' so fremd, daß der "Mann1 aus dem Volke ungläubig das Haupt schüttelt, wenn man ihm von JudenVerfoFgungein erzählt. < Was Palästina betrifft, so fordert das Manifest der neutralen Delegationen den internationale«! Schutz für die dortige jüdische Kolonisation., Ueber die Aussichten ^des Zionismus können die Meinungen verschieden ,,gehen, dienr jüdischen Volk muß aber nach dem: Grundsatz!dfes nationalen Selbstbestimmungsrechtes 'in jedemi Fall' das Recht zustehen, sein ^Schicksal1 nach seinen eigenen Wünschen und Idealen zu gestalten. Wenn die jüdischen Massen in den Ländern des Ostens, in Rußland, Polen, Galizien 'und Rumänien, in ihre Rechte eingesetzt sind, so entfällt zum; großen Teil allerdings der Grund', zu ihrer Unzufriedenheit, also auch zur Auswanderung, und zwar Kolonisation* in anderen. Ländern.-Aber [das setzt einerseits wicht nur die rechtliche, "sondern auch d|e soziale Gleichistellung voraus, undfandererseits muß ja auch! dier Faktor der großen Befvlölkerunlglsvermehrung ün Betracht gezogen werden. An Kolonisationsmaterial wird der Zionismus jedienfal'ls keinen; Mangel haben. Der Krieg hat die: g'roße Bedeutung einer gesunden Landwirtschaft für den (Bestand und die Entwicklung der Völker dargetan. Ich war niemals Anhänger des extremen industi ialismus. .Der Sozialismus wird sich unmittelbar nach dem Kriege mit dem Agrarproblem ernst m befassen haben. Er muß eine Politik der P'roduktionsfördierung treiben, d. h. eine bessere Organisation der Prodiuktionskräfte der Menschheit anstreben. Das ist: für die sozialistische Internationale ein Grund mehr, dem jüdischen Kolonisationswerk in Palästina freie Bahn zu öffnen. Die Erklärung Balfours, des englischen Ministers des Aeußern, England beabsichtige dem jüdischen Volk zur Schaffung eines nationalen Heimes in Palästina zu verhelfen, erhebt den Zionismus zu einem Faktor der Weltpolitik. Diese Erklärung ist eine Anerkennung der Kraft unidj des Einflusses der zionistischen Bewegung, die Stellung Englands wird/ aber rückwirkend tlen Zionismus noch mehr stärken. Die Internationale kann sich auch nicht länger demi Zionismus gegenüber indifferent verhalten. Wenn sie ihn gestern als Privatsache betrachtete, so ist das heute, wo er eine Rolle in der Weltpolitik zu spielen begonnen hat, nicht mehr möglich. Arbeitet« und Angestellte, besucht unsere Versammlungen Parteimitglieder! und werdet