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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 38

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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256 EINZELHEtTEK alle wirtfchaftlichen und kulturellen In* ftitutienen für die Gemeinfdiaft. Leider ift nichts darüber ausgefagt, wie in der »Kaufftraße«, die durch jede der Kolonien geht, private Unternehmungen behandelt fein follen. Auch mußten Angaben ge* madit werden, wie die Kwuzoth, die in Erez Israel fo ftarken Anklang gefunden haben, innerhalb des Gefamtplanes zu kolonifieren find! Aber fchon durch die Tatfadie, daß es möglich wird in den Garteninduftriedörfern die Lohnarbeit - diefen Anlaß von Haß und Schmerz — zu vermeiden, ilt eine fchöne Löfung des fozialen Problems an* gebahnt. Inftruktive Zeichnungen ergänzen den Text der Brofchüre. M. FABIAN DIE LINKSHÄNDIGKEIT DER JUDeR. Von der Beobachtung ausgehend, daß die Außenrotation und zentrifugale Abduk* tionsbewegung des Armes die zweck* mäßigften und natürlichften Bewegungen find, auf denen die Rechtsläufigkeit un* ferer Schrift beruht, kommt Erlenmeyer1) wegen der umgekehrten Richtung der femi* tifchen Schriften dazu, für diefe urfprünglich Linkshändigkeit zu poftulieren. Den hiftori* fchen Beweis für diefe Annahme glaubt er durch zweiTalmudftellen erbracht zuhaben, in denen verfangt wird, daß die hebräifchen Infchriften der Gebetsriemen nur mit der rechten Hand ausgeführt werden, doch find in Ermangelung anderer auch die mit der linken Hancf gefchriebenen erlaubt. (Traktat Menachoth 37 b, Schulchan Aruch 32 § 5.) Mit mehr Kritik und geftützt auf ethnologifches und ftatiftifches Material hat neuerdings Stier2) jene Thefe dahin modifiziert, daß tatfächlich bei den Juden früher linkshändiges Schreiben und damit auch Linkshändigkeit überhaupt häufiger gewefen fei als dies bei uns der Fall ift. Da elfaß * lothringifche Soldaten dreimal fo oft linkshändig waren als der Durch* fchnitt der deutfchen, glaubt Stier wegen der Mifchung mit romanifchen Elementen eine ethnographifche Differenz feftftellen zu können. Aber es läßt fich kein Kapital daraus fchlagen, daß nach Helmke die Franzofen zur femitifch*mongolifchen Mittelmeerrafle gehören, weil feine Raflefragen des Weltkriegs« auf den Einfluß der Kriegspfychofe zurückzuführen lind und jeder wilTenfchaftlichen Unterlage *> Erlenmeyer, Die Sdirift/ Grundzüge ihrer Phyfiologie und Pathologie. V Stier, Unterfuchungen über Linkshändigkeit. entbehren. Überhaupt wollen die oben genannten Forfcher damit nicht die Minder* Wertigkeit der Juden beweifen, denn noch heute ilt Linkshändigkeit beim Manne doppelt fo oft vorhanden wie bei der Frau, die Stier daher für den weniger differenzierten Teil der Menfchheit anfieht, welcher dem kindlichen Habitus und den früheren Entwicklungshilfen noch näher lieht als der Mann. Gerade Chronik XII2, wonach dem David Helden bei* ftanden »mit Bogen bewaffnet und gefchickt, mit der Rechten und mit der Linken Steine zu fchleudern ..« will mit der Doppelhändigkeit die befondere Qualität der Helfer Davids hervorheben, und das Wort des Hippokrates »oudemia gyne amphidexios« zeigt, daß fcheinbare Doppel* händigkeit als Linkshändigkeit anzufehen ift. Gegen die Ausbeutung der Schrift* richtung läßt lieh auf das fogenannte buftrophedon der Griechen verweifen, bei dem abwechfelnd eine Reihe von links nach rechts, die nächfte aber von rechts nach links gefchrieben wurde,- es ift kaum anzunehmen, daß die Griechen nach jeder Reihe die Feder in eine andere Hand genommen haben. Diefe Freiheit im Wechfel der Schriftrichtung finden wir bei der altfemitifchen Sdirift, die uns jetzt durch die Denkmäler vom Sinai bekannt geworden ift <nur einmal von rechts nach links, fonft beide Richtungen nebeneinander.) Da ferner die Bilder nach links blicken, wie in der fpäteren phönizifchen Schrift, und nach Sarafin beim Zeichnen mit der linken Hand das Profil unwillkürlich nach der rechten Seite geriditet wird, fo muß die altfemitifche Schrift mit der rechten Hand gefchrieben fein, auch wenn in der Urzeit ein Drittel der Menfchheit links* händig war. Als Belegftellen find heran* gezogen Richter XX 16 »Von allen Siefen waren 700 auserlefene Männer linkshändig . ..« und Matth. V39 »Wenn dich jemannd Ichlägt auf die rechte Badte...« was allerdings nur mit der linken Hand möglich fcheint. Wohl aber kann man die rechte Backe treffen, wenn mit dem rechten Handrücken gefchlagen wird, was nach Traktat Baba qama fol. 90 a als die fchwerere Kränkung gilt. Ferner kann mit dem Mifchnatraktat Sabbath XII § 3 der Beweis Erlenmeyers widerlegt werden/die linksgefchriebenen Gebetsriemen wurden abgelehnt, weil man fich der linken Hand zur Umgehung der Sabbathverbote bediente. Ganz verfehlt ift es, aus Richter XX16 den Prozentfatz der Linkfer zu berechnen, da es fich hier um eine fabelhafte

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