Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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EINZELHEITEN ife Seitdem uns Paläftina offen zu ftehen fcheint, tritt Entwurf auf Entwurf an uns heran und jeder neue Kolonifator überholt den früheren durch Verbeflerungen. Das neuefte Elaborat Jftellt einen Bruch mit den bisherigen Grundfätzen dar, die den agrarifchen Teil der Kolonifation betreffen. Man hatte in Paläftina fehr fchlechte Erfahrungen gemacht mit ein* feitigen Kulturen. Als Folge refultierte das Prinzip, daß die gemifchte Landwirt* fchaft unerläßlich fei. Wenn eine Ernte verdarb, fo rettete die Ernte einer anderen Nutzpflanze das Budget. Dr. Soskin fchwebt da gegen überwiegender Ge* müfe*, vielleicht noch Bananen* etc. Anbau vor. Die Frage bleibt offen, ob hierin nicht tatfächlich Gefahren liegen, die aus der Einfeitigkeit ftammen, mit der Gemüfebau getrieben werden foll. Hier ift vielleicht die Gelegenheit zu anderen kritifchen Einwänden. Wir fehen gerne davon ab, daß Zahlen über den Kapitalbedarf vorläufig fehlen. Dr. Soskin verfpricht fie uns für fpäter, weil infolge der Umwertung aller Werte unmöglich Angaben gemacht werden können. Sicher fei nur, daß feine Methode die billigfte werden würde von allen Methoden. Aber Anderes fteht in Frage. V7 des fruchtbaren Landes ift bewäflerbar in Paläftina, 6/7 nur für Trockenwirtfchaft geeignet. Wenn man rigoros vorgeht und das befte Siebtel nur für die Gemüfe* induftrie der Gärten vorbehält, ift dann der unbewäflerbare Boden allein im Stande, uns die nötigen Brot* und Ölpflanzen <Sefam>, dazu die Weiden für die un* erläßliche Düngergewinnung und die Milchwirtlchaft zu liefern, fo viel, wie wir wirklich brauchen? Die Getreidefelder verlangen doch auch Stalldüngung! Die Ölbäume brauchen noch viele Jahre, um uns mit Fettftoffen zu verforgen. Tut ihnen, den typifchen Trockenkulturbäumen, nicht dennoch Bewäflerung einen glän* zenden Dienft? Das Weidegras, die Futterpflanzen fprießen am fetteften, wenn lie ordentlich Wafler kriegen. Giebt es in Zukunft nicht auch einen intenliven Getreidebau, der Wafler will? Wir find ja doch nicht am Ende der Entwicklungen. Vorausfetzung für eine Exportinduftrie ift es bekanntlich, wenn die betreffenden Produkte einen ftarken Inlandsverbrauch haben. Das trifft fogar für die berühmte Cigarettenerzeugung von Ägypten zu, aber auch für die gemüfepflanzenden In* duftrien am Mittelmeer. — Wie ift es mit dein Bedürfnis nach Mengen von Gemüfe in Paläftina? »Tatfache ift es, daß die meiften Oftjuden das Gemüfe in ihrer Küche ftark vernachläffigen. Sie find vorwiegend Fleifchefler«. Sagt Dr. Soskin! — Sie find ebenfofehr Brotefler und fchätzen noch nicht überall die Kartoffel, müflen wir hinzufügen. Wir haben im Hinblick auf Paläftina darauf Wert gelegt, daß in unferer Küche das Gemüfe feinen vollen Rang behauptet. Werden die Mafien überall zum Wechfel der Koft bereit fein? (Pflicht wäre es freilich!) Wird der In* landsverbrauch fofort da fein, der die Induftrie der Gemüfegärten lohnend macht? Faft jede Induftrie hatte bisher Anfangs* fchwierigkeiten. Sind »Natürliche Treib* häufer«, — fo nennt man gerne die Gärten Paläftinas - vor Konkurfen ficher? Wir wollen freudig glauben, daß unfere Bedenken zerftreut werden können . Alle Einwände haben aber gar keine Bedeutung, wenn es fich darum handelt, daß die nächften Forderungen unferes Autors erfüllt werden follen. Die drei verlangten Kolonien können unbedenklich als Verfuch angelegt werden. Wir müflen fie haben. Im Zeitalter der exaeten Wiflenfchaften entfeheidet das Experiment. Wir haben das Recht zu erfahren, wie es ausfällt. Und was das Bewäflerungs* fyftem felbft betrifft, fo wird es kommen, auch wenn alle anderen Ideen des Ver* faflers fallen fein follten. Das Refervoir* und Kanalnetz ift das eigentliche kultur* technifche Bedürfnis Paläftinas, das keinen Auffchub duldet/ das hat Dr. Soskin ein* wandfrei gezeigt. Der größte Wert diefer koloni* fatorifchen Ideen und Programme iß der, daß durch fie die Möglickkeit gegeben wird, grobe Fehler zu vermeiden. Man denke fich ein fchönes Tal! Es liegt in einer fruchtbaren Gegend Paläftinas. Kolonien werden da gebaut. Wiflenfchaft* liehe Inftitute hingefetzt. Bahnen gezogen. Und plötzlich ift das Tal unbedingt nötig für eine Talfperre. Es gibt kein anderes geeignetes. — Welche Kataftrophe! — Um* fichtige Pläne erfparen uns viele Fehler. — Hygienifch find die Kolonien Garten* ftädte. Volkswirtfchaftlich fuchen fie tat* fächlich das foziale Problem zu löfen. Lohnarbeit im üblichen Sinne ift ganz aus* gefchloflen! Jede Familie bekommt ihre Parzelle. Die Gefamtheit der Siedler bildet eine Genoflenfchaft. In diefen Punkten find die Ideen, die Hapoel Hazair über Kleinfiedelung hat, fehr glücklich verwirklicht. Die Genoflenfchaft errichtet