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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 36

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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254 EINZELHEITEN als er die Grundlagen einer neuen Befiedelungsform für Palältina erdachte. Daß die von ihm empfohlene Methode nicht neu ift, ift diefesmal fogar ein Vor« zug. Ift es doch einem Volke viel leichter das Erprobte zu akzeptieren, als fich in ganz unbekannte Jdeen hineinzufinden. — Bei der Lektüre imponiert der ameri* kanilche Geilt, mit dem der Verfafler an die Lofung des Kolonifationsproblems herangeht. Erfinder, Menfchen mit Knöpfe* rifcher Phantafie, gleich derjenigen von Edifon, dürften feine Arbeit am heften goutieren. Die erfchreckende Rückftändig* keit, mit der der Europäer feinen Boden bearbeitet, ilt bei Dr. Soskin überwunden. Kulturtechnifch und fozialpolitifch treffen wir bei ihm auf unverbrauchte Gedanken, die fchon an Schulbcifpielen als lebensfähig erkannt worden find. Der Verfafler, der von feinen Welt* reifen Welterfahrung mitgebracht hat, lehrt uns, daß die technifchc Kulturbafis eines Landes fein BewälTerungsfyftem fei. Diejenigen Teile der bewohnten Erde blünten, die fich durch ein großzügiges Kanalfyftem von den Trockenperioden unabhängig gemacht hatten. Da nun die Ernährung allgemein die Voraus* fetzung des Lebens ift, fo gehört alles Wafler eines Landes zuerft den Nutz* pflanzen der Gärten! Erft, wenn deren Bedürfnis voll befriedigt ift, darf man den Reft für andere Intereflen frei geben. Das Wafler ift zuerft für die Zwecke der Ernährung da. Der Beweis für diefe Behauptung glückt glänzend. In China beifpielsweife exiftiert auf Grund einer weitfichtigen Waflerpolitik feit vielen taufend Jahren eine dichte Maflenfiedelung, welche diejenige die wir erftreben, an Breite ungeheuer übertrifft. Was China — und andere Gegenden ~- im Großen gekonnt haben, müflen wir im Kleinen erft recht erreichen können. Freilich,wirWeftafiaten werden moderner vorgehen, als die rückftändigen Oftafiaten. Mauern gegen fchädlidie Winde, Boden* fräfe anftelle des Spatens, Verbindung von Induftrie und Gemüfebau, Genoflen* fchaftswefen, Elektrizität ftatt der Tiere — das ganze Rüftzeug der Neuzeit werden wir in unfern Dienft ftellen. Aus solchen Anfchauungen entwickelt fich eine agrarpolitifche Forderung. »Alles bewäflerbare Land foll referviert werden für die Bewäflerungsbodenkultur. Weide und Getreide follen nicht gepflanzt werden dürfen, wo intenfiver Gartenbau möglich ift. So verlangt es das ökonomifche Gefetz. Und vor dem Blicke Dr. Soskins taucht ein Land auf, das erfüllt ift von Talfperren, Staudämmen, Pumpwerken und Baffins, welche einen herrlichen Reichtum an Wafler auffpeichern helfe», der wirkfam wird. Durch Hauptkanäle, Seitenadern und zahllofe Abzweige ftrömt der Lebensfaft des Garten*Ackers, das Wafler, um fich zuletzt durch ein feines Kapillarnetz fruchtbar faft in jedes Beet des Landes zu ergießen. Ein folches Programm hat große Aus* ficht auf Verwirklichung. In Amerika koftete die Bewäflerungsanlage von Montana 64 Millionen Dollar, eine Ernte erbringt 84 Millionen Dollar. Wir lenken die Aufmerkfamkeit des Lefers auf diefe beiden Zahlen. Durch eine einzige Ernte können ~ in Montana — die Koften des Waflernetzes gedeckt werden. Folglich ift die Anlage billig. Wie fehen die Kolonien der Zukunft aus? Jeder Siedler befitzt ein Eigen* häuschen, hinter dem der kleine Garten liegt für die Selbftverforgung. Dahinter beginnt ein länglicher Streifen Gartenland, gut bewäflerbar, auf dem etwas Obft, vor allem aber Gemüfe gebaut wird. Von letzterem nur wenig Sorten. Auf diefe Weife entliehen verfandwürdige Mengen. — So legt fich Parzelle an Par* zelle. Ein Stück Gemeindeland forgt für Bedürfnifle der Gefamtheit. Die Parzellen find auffallend klein. In der Kolonie ift für das gefamte foziale und kulturelle Leben der Gemeinfchaft geforgt. In* duftrieller Gemüfebau ift die Lofung! Ein ununterbrochener Garten wird alles bewäflerbare Land in Paläftina bedecken, und gewaltige Maflen werden dicht darauf fiedeln. Es ift organifatorifch richtig, wenn Dr. Soskin forciert, daß zu allernächft ein jüdifches Amt gefchafFen wird, in dem alle Beftrebungen auf Bewäflerung des Landes zentralifiert werden,- nur fo kann wirtfchaftspolitifch, technifch und juriftifch das Waflerwefen einwandfrei eingerichtet werden. Unfere Leitung darf nicht zögern, die nötigen Schritte zu tun. Die Anlage eines großzügigen Bewäflerungsfyftems ift eine Sache für fich, die zunächft in Angriff genommen werden darf, un* abhängig davon, was man fonft für agra* rifche Ideen hat. Jedem Lefer feines Büch* leins wird es gut fcheinen, wenn der Schöpfer der Idee felbft in diefem Amte fäße und von dort aus verantwortlich die Kanalifation und Kolonifation leiten helfen könnte!

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