Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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244 HOLDHEIM, VOLK UND GEMEINSCHAFT wirklidiung willen zum Opfer bringen, unfittlich aber ift es, die Exiftenz der Mitmenfchen aufs Spiel zu fetzen. Die Löfung des Konflikts fieht Margulies nur darin, möglichften Ausgleich zwifchen Individual- und Sozialforderungen zu fchaffen, im Geifte der Gemeinfchaftsforderungen, aber auf der Grundlage der Gefellfchaft zu leben und diefe, das heißt das Wohl des Volkes als oberftes Gefetz anzuerkennen. # Die Erkenntnis, daß das, was das Wefen des Kongreßzionismus ausmacht, die Tatfache der das ganze Volk umfallenden, die Löfung der Judenfrage erßrebenden Bewegung, dem Bewußtfein eines großen und des besten Teiles unferer Jugend zu entfdiwinden droht, erfcheint mir unzweifelhaft richtig. Verßeht man unter »Gemeinlchafi« eine Gruppe gleichgeftimmter, in gleichen Vorßellungen lebender Menlchen, fo gibt es keine »Gemeinfchafi« des Zionismus, deflen Grundlage und tieffier Sinn ja gerade darin liegt, alle zionsgefinnten Juden auf politifcher Grundlage zu einen, unabhängig von in der verfchiedenen Weltan^ ßhauung beruhenden Divergenzen. Das war ja gerade der entlcheidende Einwand gegen die das jüdilche Monopol für fich in Anfpruch nehmende Orthodoxie, daß diefe den Oberbegriff des Volkes nicht anerkannte und intolerant, ihre Kompetenzen überfchreitend, das Judentum zu einer Konfeffion herabwürdigte. Mit welchem Recht und mit welcher Legi* timation, fragt man fich fiaunend, kommen nun gerade diejenigen, denen bei der Vorßellung eines fchwarzen Terrors gewiß recht grufelig wird, zu der Anmaßung, durch Konßituierung anderer angeblich dem jüdifchen Geiße immanenter Eigentümlichkeiten eine ähnliche, mindeßens fo ge* fährliche Diktatur des Geifies aufzurichten? Die Orthodoxie kann, worauf Margulies mit Recht hinweifi, für ihre der Logik widerßreben* den Anfchauungen wenigfiens ihren Offenbarungsglauben anführen. Aber worauf fiützen fich die andern? Wo iß die Inßanz, die ihre Klaffifizierung in Juden und Unjuden auf ihre Wahrheit begutachten könnte? Und weiter: wodurch unterfcheiden fich Auffätze, wie wir fie im »Juden« und im »Jerubbaal« bis zur Unerträglichkeit ofi ferviert bekommen, von den Reden eines Fichte anders als durch die Erfetzung des Wortes »deutfih« in »jüdifch« <und natürlich durch die ßhlechtere Sprache)? Der in dem Buche behandelte Fragenkomplex hat nicht nur theoretilches InterefTe. Wir alle willen, wie fiark unfere Jugend an der Hypertrophie des Gemeinfchafisgedankens krankt und wie fehr ihr po* litifcher Aktivitätsdrang dadurch gelähmt wird. Wir erleben es immer wieder, wie fie die Fragen unferer zionißilchen Entwicklung unter dem engen Horizonte ihrer Vorfiellungen von gut und böfe betrachtet, wie fremd fie den Bedürfniffen des Volkes und den Forderungen, die die Wirklichkeit fiellt, gegenüberfieht. Einige Beifpiele. Rudolf Samuel »rebelliert« in der »Arbeit« gegen die »Politik der Alten« und kündigt an, daß die Politik der Jungen von idealifiifchem und ethilchem Geiße befeelt, radikal und kompromißlos und nicht durch Gründe der Opportunität« befiimmt fein wird. Als wenn Politik nicht die Kunft des Möglichen wäre und das Kompromiß nicht zum Intereffenausgleich brauchte! Ein Herr Sagorin empört fich im »Juden« über die Be*