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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 22

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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240 HOLDHEIM, VOLK UND GEMEINSCHAFT fchafi, feine Moral zur allgemeinen zu erziehen ... iß unfer — find des gotifchen, wefieuropäifchen Menfchen — eigenßes Eigentum«. <S.468f.> Diefe vage Behauptung wird niemanden, der fich in den Geiß des alten und neuen Teßaments einzufühlen weiß, hindern, nach wie vor zu glauben, daß in keiner »fauftifdhen Seele« jemals eine folche Leiden* fchafi zum Moralifihen geglüht hat wie in den großen Verkündern des Judentums und des jüdifchen Chrißentums. Daß die Moralen je nach Nation, Ralfe und Kulturkreis dabei verlchieden gefärbt fein können, und es auch find, iß natürlich zuzugeben. Wir fehen von allem anderen, fehr vielem gut und klar Ge* fchauten, aber noch viel mehr fchiefem und offenkundig Fallchem, was das Buch bringt, ab, da — wie gefagt — die Hauptfache für uns dem zweiten Bande vorbehalten iß. Die Tendenz des Werkes — es hat fehr deutlich eine Tendenz — iß die Verherrlichung des arifchen Geifies, der hier zur Abwechslung gotilch oder faußifch heißt. Wird fo das herrenmenfchliche Ariertum aus aller Menfchheit emporgehoben, fo ßeigt aus ihm wieder als delfen herrlichfie Blüte das Preußentum hervor, der dienend gehorchende Ordensritter, zugleich der wahre Sozialifi: H. St. Chamberlain redivivus. Die allgemeinen weltanfchaulichen Grundlagen, in die Spenglers Lehre eingebettet iß, find fehr getreu der intuitiven Metaphyfik Bergfons entlehnt. Obwohl diefer als Jude wie Spinoza dem magüchen Kultur* kreis des Arabertums angehört, konnte er dem gotifch^faufiilchen Philo* fophen treffliche Dienfie leifien. Stettin DR. MAX WIENER VOLK UND GEMEINSCHAFT *> Das Vorwort, das Margulies feinem Buche mitgibt, war uns be* reits feit einigen Monaten durch einen Abdruck in den »Neuen Jüdifchen Monatshefien« bekannt. »Aufruf zur Kritik« iß es überfchrieben. Mit knappen Strichen wird die gegenwärtige innere Situation des Zionismus gezeichnet und die Notwendigkeit gedanklicher Klärung dargetan: Wir fiehen in einer neuen Epoche zionißifcher Entwicklung. Vorbei iß die Zeit, wo fich uns Zionismus ausfchließlich als Willensakt darßellte, wo man fich einzig der Begeißerung anvertraute und nach dem Können nicht viel fragte. Nun gilt es zu fcheiden zwifchen Traum und Wirk* lichkeit, klar zu erkennen, was vom Traum Wirklichkeit werden kann, und andererfeits die übermächtigen Gefetze zu begreifen, welche den Willen des Einzelnen unterwerfen und die Grenzen des Könnens dik* •> Heinridi Margulies, Kritik des Zionismus, I, Teil, R. Löwit Verlag, Wien und Berlin 1920.

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