Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Sf&AÜS, POM fÄLSCHiN ÖtlSi 6tS JUDENTUMS vielen vielleicht fo lieb werden können, daß fie die Ängftlichkeit vor der politifdien Erfihütterung durdi den Zionismus überwinden lernen. Wir alle aber werden erft dann erkennen, wie arm wir damals waren, als wir uns durch den politifdien Kampf allein erfüllt wähnten. Wem aber die Pflege der geißig fittlichen Perfönlichkeit . als Inhalt des Judentums zu wenig erfiheint, wer äffe nach Geftaltung drängenden nationalen Kräfte befreit willen will, der hoffe auf die Zukunft. Sicherlich wird das lebendige jüdifche Volksleben im neuen Paläßina reichere Früchte tragen als das Galuth, und wir werden fpäter einmal den Inhalt des Judentums weiter befiimmen können als heute. Aber damit uns diefe reicheren Früchte reifen, müITen wir die Frucht des Galuth, das Judentum als littliche Aufgabe der Perfönlichkeit, fefihalten/ denn nur in diefer Frucht bewahren wir weit über die Vergänglichkeit aller politifihen Programme hinaus den Samen der Zukunft. Nachbemerkung: Nachdem Klatzkins »Probleme des modernen Judentums« als das derzeitige ftandard work über die Theorie des Zionismus anzufehen find, ericheint es angebracht, einige' Worte zu fagen über das Verhältnis der Auffaflung Klatzkins zu der im vor* flehenden vorgetragenen. Die Stärke diefes intereflanten Buches ifi feine unbefiechliche Kritik. Es ifi aber zugleich auch feflelnd in der Form und daher zu weitgehender Wirkung berechtigt und berufen. Indelfen hat gerade die Vielfeitigkeit der Probleme des modernen Juden* tums notwendig zur Folge, daß nicht alle Probleme von einem Autor mit gleicher Durchdringung behandelt werden können und da die große und vorzugsweife Befähigung Klatzkins die kritilche Erörterung ifi, kommen diejenigen Seiten des Problems, die eine kritifche Abgrenzung verlangen, am befien weg. So die Abgrenzung der Juden gegen die nichtjüdifihe Umgebung <S. 170>, fo die Abgrenzung des jüdilchen Nationalismus von der Affimilation. Sachliche Kritik führt K. auch zu der hifiorifch^politilchen Feftfiellung, daß das wenigfte von all dem vielen, was als Inhalt des Judentums angegeben wird, mit der jüdilchen Art wefenhaft verknüpft ifi, und zu der philofophifchen Feftfiellung, einer Erfcheinung des Gefellfchaftslebens fei. So erfahren wir zwar, was ni<£t Judentum ifi, aber die Methode verfagt bei der Feftfiellung, was ja Judentum ifi, und was wir darüber erfahren <jüdilche Heiterkeit S. 134, unjüdifches Kriegsheldentum S. 158), ifi fehr wenig und nur gelegentlich. Kein Wunder, denn die Methode der kritilchen Unter* fuchung wird fo wenig das Wefen des Judentums erklären, wie unfere Kenntnis vom Herzmuskel, der das Blut durch die Adern treibt, das körperliche oder gar geiftige Leben erklärt. Wenn der Philofoph K. feftftellt, daß kulturelles Inhaltsbewußfein kein Kriterium der Nation fei, fo wird er wahrßheinlich Recht haben. Es bleibt aber darum trotzdem ebenfo richtig und in Wirklichkeit viel wichtiger, daß das Kulturbewußtfein ein entfeheidender Faktor in jeder nationalen Gefchichte ifi. Das Bewußtfein kritifcher Fähigkeit befähigt Herrn K. zu kritifcher % daß ein kulturelles Inhaltsbewußtfein