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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 16

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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234 3fRAUS, POM FALSCHEN GEIST DES JUbEHfUMS Wiedergeburt, und fdiließlich daher audi Paläfiina nicht halten. Die Menfchen find bereit zu kämpfen für Haus und Herd, d. h. für ihres Lebens Notdurft/ fie kämpfen auch für große Ideen, die fie befeelen <— ja felbß für einen Unfinn, wenn fie befeelt find. Aber fie kämpfen nicht für den bloßen Nationalismus, d. h. für einen Begriff, den Theoretiker aus den hißorifdien und menfihlichen Gegebenheiten klügelnd herausgelöß haben. Der nadkte Nationalismus iß der natürliche Egoismus der Völker,« er kann vorübergehend zu einer Tatfache der brutalen Wirklichkeit bei politifth organißerten Völkern gemacht werden, iß aber keine Idee, mit der man ein zerfprengtes Volk fammeln kann. Wenn man aber den brutalen Lebensegoismus der Völker idealifieren will, gelangt man zu jenem »sacro egoismo«, zu jener Selbßvergötterung der Nationen, die irgend einmal zur Schande und zum Untergang führen muß, wie wir leider alle erlebt haben. Es iß fehr merkwürdig, daß all das unter uns erß ausgefprochen werden muß. Dabei kann man als feßfiehend annehmen, daß viele von uns aus dem Bedürfnis, einen Inhalt wiederzugewinnen, felbß zum Zionismus gekommen find und daß ihnen diefe Rückkehr eben dadurch möglich wurde, daß fie daß Vorhandenfein von Inhalten fühlten, deren fie bis dahin felbß ermangelten. Das mag nicht bei allen aus* fihlaggebend gewefen fein, aber einige Bedeutung dürfie diefer Gedanke bei allen gehabt haben, die nicht gerade mit blinden Augen den rechten Weg zu finden das Glück haben. IX Wir rekapitulieren diefen Inhalt: Das jüdilche Nationalbe wußtfein und die Hoffnung auf eine nationale Zukunfi wurde während der Diafpora allein ermöglicht durch eine forgfame Pflege der geifiigen und fittlichen Perfönlichkeit. Eine forgfame Pflege der geißigen und fittlichen Perfönlichkeit allein iß wie früher fo noch heute zu nachhaltigem politifchen Erfolg das Haupterfordernis. Bleiben wir uns deflen bewußt, daß wir auf Grund diefer Vorausfetzung mit Erfolg hebräifch lernen werden, ebenfo wie alle anderen der nationalen Zukunfi dienenden Unternehmungen dann allermindefiens eine innere Erfüllung bringen müflen. Eine Mißachtung diefes jüdifdhen Lebensinhaltes aber muß zur Folge haben, daß diejenige letzte Verbundenheit der Perfon mit der Sache fehlt, die allein alle fachliche Leifiung zum Heile ausfchlagen läßt. Schließlich möge eine Probe aufs Exempel feine Richtigkeit befiätigen: Unfere Jugend ermangelt heute zum Teil diefer letzten Verbundenheit ihrer Perfon mit der Sache und fucht Erfatz für diefe mangelnde Erfüllung in fremden Ideologien. Der Sozialismus iß nicht jüdifch. Aber das hifiorifche Judentum hat Elemente, aus denen diefelbe, nein, höhere Befriedigung quellen kann, als aus einer modernen Wirtfchaftslehre. Allen Gegnern der fionißifchen Sache aber wird der Zionismus, der zuzugefiehen fich nicht länger firäubt, daß auch er den moralifchen, den einzigen Gewinn zweitaufendjähriger Verbannung nicht aufzugeben, fondern nutzbar zu machen gedenkt, verfiändlicher werden,

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