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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 15

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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STRÄUS, VOM FÄLSCHEN GElSt DES JUDENTUMS 233 eingefangen und gefaßt werden, nur in einer Aufgabe kann der über* mäßig bewegliche Geiß der Juden Ruhe und Wefenhaftigkeit wiederfinden. Aber wie gefährlich wäre foldi ein Verfuch! Verfuch? Uns fcheint, es ßeht nicht in unferem Belieben, den Verfuch zu machen oder zu lalfen. Uns fcheint, daß mit der Belaßung des jüdilchen Geifies durch einen Inhalt nicht nur die nationale Zukunft in Paläßina, fondern felbfi der Ichäbigße Weiterbeßand in der Diafpora ßeht und fällt» Die moderne Judenheit ßeht auf dem Punkte, mit ihrer fittlich^geifiigen Eigenart den nationalen Stolz zu verlieren,- heute haben fie vielleicht die Wahl, mit der erfieren den letzteren wieder zu gewinnen. Wenn man die erfiere für unwefentlich hält, wird nichts mehr zu retten fein. Und wenn man uns fagt, diefer Weg, der einzige, der zum Ziele führt, fei gefährlich: nun, dann werden wir der Gefahr zu begegnen fuchen. Das iß der Weg der Zionifien ,• der andere iß der der Selbß* aufgäbe aus Mangel an Mut, der der Affimilation. An der falfchen Einfehätzung fittlicher Werte erkannten wir den modernen Juden, der deutfehe Jude fieht hinter der Angfi vor dem Kosmopolitismus hervor. Wir deutfehen Juden kennen zur Genüge jenen jüdifchen Weltbürger, der feine geißige Wurzellofigkeit hinter der Rede, die Welt fei feine Heimat, verßeckt. Der vermeintlich nach außen hin Wirkende entbehrt der inneren Triebkräfte und verkümmert. Anders der feiner Triebkräfte bewußt Gebliebene. Er wird aus den Kräften feines Wefens das höchß Erreichbare geßalten und wird vielleicht bei ausreichendem Können über den Kreis feiner Nächßen hinauswirken. Wiederum zeigt die alte jüdilche Gefchichte, wie ein folches Wirken für die Welt der ßärkßen nationalen Subjektivität, ja Enge, entfpringen kann. Eines der zahlreichen auffindbaren Beifpiele find auch die Franzofen vergangner Zeiten, denen man weltbürgerlichen Verzicht auf ihre nationale Art gewiß nicht wird nachfagen können, Im Gegenteil; da für ein menföhheitliches Wirken ein das normale Maß überragender Reichtum an natürlichen Kräften vorhanden fein muß, iß es nur auf der Grundlage fiark entwickelter Eigenart möglich. Aber dem deutfehen Juden klingt jüdifch * liberales Gefdiwätz in den Ohren, wenn er von Menlchheitswerten fprechen hört ,• er wird ängfilich vor folefaen Werten und verzichtet und überfieht, daß er damit wiederum auf einen Impuls des nationalen Lebens verzichtet, der für uns Juden, fiärkfier nationaler Impulfe bedürftig, minder entbehrlich iß, als irgend einer anderen Nation, In diefem Sinne iß Paläßina kein »Kunfigriff«, fondern eine unerläßliche Vorbedingung für eine Kulturaufgabe, VIII Wir glauben nun nicht, daß der zionißifchen Organifation andere Aufgaben zufallen, als mit politifchen Mitteln ein politifches Ziel zu erfireben. Aber wir glauben auch nicht, daß diefes Ziel erreicht werden kann, wenn der Sinn vieler Zionißen fo kleinlich nüchtern allen Ge* danken abgeneigt bleibt, mit denen nicht unmittelbar ein politifches Gefchäft zu machen iß. Mit folcher Ängfilichkeit läßt fich durch günßige Umßände vielleicht Paläßina gewinnen, niemals aber die nationale

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