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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 14

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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232 STRAUS, VOM 'FALSCHEN GEIST DES JUDENTUMS jüdilchen Inhalten, fondern daß Tie nichts mehr willen tvoffen. Kommt z. B. jemand, der mit den jüdifchen Inhalten noch in unmittelbarer perfönlicher Fühlung lebt und dem kraft diefer höheren Qualitäten ganz natürlich eine Führerrolle zufällt, fo fühlen fich die Formalen verärgert, betrachten diefen Führer unfinnigerweife mit feindfeligen Blicken und fuchen mit wahrer Inbruß nach Splitterchen in feinem Auge. Wahrlich, wenn man die rein politilchen Führer fo wägen wollte, würde auch nicht jeder das volle Gewicht aufweifen! <Aber wer denkt daran?) Die Objektivfien, Ehrlichßen und Sachlichßen <Krojanker S.) find noch immer fo befangen, daß fie die Lirfache der Führerfchaft jener Jüdifcß reicheren Perfönlichkeit in ihrer Überlegenheit als ßünfiferifcßer Persönlich* keit fucht, die in Wahrheit niemals eine überzeugte Jüngerfchar um den Lehrer fammeln kann. Alle anderen aber, die minder objektiv fein können oder wollen, erheben den Stein gegen den, der fich als »Prophet« auffpielt. Man kommt bei allem ehrlichen Bemühen um menfchlich rerechtes Urteil nicht immer um den Ärger über diefe Dreigrofchenfeelen herum. Die jüdifchem Kulturleben näherftehende und mit der Gabe künßlerifcher Rede ausgefiattete Perfönlichkeit iß felbfiverfiändlich und notwendig für uns Aflimilierte ein relativer Prophet, für uns Fremde in jüdifchen Dingen ein Fremdenführer. Wie kläglich, daß man darüber ausführlich zu fprechen genötigt wird! Auch dies Mißverßändnis rührt nur von der Richtungslofigkeit der »Formalen« her, die mangels Bindung an einen feßen fachlichen Standpunkt nie erkennen können, was an einem befiimmten Ort zu verlangen wefentlidi iß und was unwefentlich. VII Nun fagen die »Formalen« weiter: Die Wahnvorfiellung vom nationalen Beruf iß einmal objektiv finnwidrig und daher unnötig, fie iß für uns aber auch geradezu gefährlich, infofern fie die an fich fchon vorhandene Tendenz zum Kosmopolitismus verßärke. Es zeigt fich, daß man mit einer falfchen logifchen Vorausfetzung auch nicht zu richtigen Schlüflen kommt. In der Auffalfung, daß der »inhaltliche Nationalismus« für die Juden unnötig fei, zeigt fich die ganze Ahnungslofigkeit einerfeits des modernen und andererfeits des deutfchen Juden. Der moderne Jude hat das Urteil darüber verloren, daß niemandem fo fehr als gerade dem Juden die Inhaltlichkeit als Gegengewicht gegen die im Galuth erworbene rationalifiifch^unwefenhafte Sinnesart nötig iß. Niemals wird Paläßina einen fefifitzenden jüdifchen Bauernfiand haben, wenn nicht der jüdifche Intellekt eine natürliche Belaßung und das erforderliche Schwergewicht durch einen Inhalt wiedergewinnt. Unfere zionißilchen Theoretiker bezeichnen doch felbß das Allverfiändnis der Juden als Schädigung und Gegenpol des wurzelhaft ^produktiven Denkens,- wie wollen fie einen formalen, der fubjektiven Einflülfe entkleideten Nationalismus als Heilmittel diefes Schadens anwenden? Man muß fagen: wenn je das Bewußtfein einer nationalen Aufgabe ent* behrlich wäre, bei den Juden iß es am allerwenigßen der Fall. Nur in einer großen Aufgabe kann das nationale Leben der Juden neu

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