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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 5

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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RWLIN, GENESIS DES ZIONISMUS 223 Sümifte des Lebens. Der Golus iß nicht mit der Verkettung der .Zeiten verbunden, aus der fidi dte jüdißfie Geßhichte zufammenfetzt. Die Kette der Zeit ift an einem Ort zerriffen, und fie fängt wieder an, nachdem die Wiedergeburt fich vollzogen hat. Riefige Änfirengungen, die beiden Enden diefer Kette zu einem Ganzen, zu einer untrennbaren, ünend^ liehen, goldenen Kette zu verbinden find das Werk diefer Renaiflance. Das Leben des neuen Paläfiina muß die Fortfetzung des Lebens des alten fein. Wiederherfiellen — das heißt das Alte auferwecken> das Vergangene zum Leben zurückrufen. Die Wiedergeburt befieht darin, .daß das Judentum aus dem Zufiande der Rune in den der Bewegung verfetzt wird, aber einer Bewegung, die mit der Vergangen^ heit im Einklang iß und die Fortfetzung einßiger Gelchehniffe darßeHt. Die Renaijfance iß die Neuerfcßaffung des vergangenen Judentums, III Worin befieht das vergangene Judentum? Wie in der Gegenwart, fo unterßhied fidi das Judentum auch in der Vergangenheit <das heißt in der Zeit vor dem Golus) durch feine Dafeinsformen ßharf von den umgebenden Völkern. Das Judentum bildete fiets einen Kontrafi, es war ein Unikum, das keine Nachahmer hatte. Es war etwas ganz befonderes in feiner Art auch damals, als es noch, gleich andern Völkern, im eigenen Lande ein eigenes politifihes Leben führte. Diefe Eigenart, durch welche lieh das Judentum von den andern Völkern der antiken Welt unterfchied, fand ihren Ausdruck im aus* geprägten Selbftbewußtfein der nationalen Einheit <»Du haß uns auserkoren«), in der territorialen Abfonderung <»das Land des jüdtifiheti Volkes«), in der Überzeugung von der gemeinfamen Abftammung <»Söhne Jakobs«, Abraham) und in gemeinfamen hifiorilchen Ober* lieferungen <>Du haß uns herausgeführt aus Ägypten«). Eine Eigenart, die in fo verßhiedenen Seiten des Vplksbewußtfeins zum Ausdruck kommt, muß etwas Hervorragendes enthalten, Sie ifi Arifiokratismus, Bewußtfein der eigenen Überlegenheit. Die Bibel, das heißt, ihr erfier Teil, die fünf Bücher Mofis, find nichts anderes als eine Chronik diefes Arifiokratismus, und fie entfpridit jener Zeit, in der ein Volk fich als belfer hält als die anderen. Der zweite Teil der Bibel, die Prophetenbücher, find ein Kodex des Arifiokratismus in feiner vollkommenen, reinfien Gefialtung. Es ifi die Chronik jener Periode, in der ein Volk beffer fein will als die andern, Die Ethik der Propheten ifi eine Aufförderung zur Sefßfivervofäommnung, zur inneren ArBeit an fieß fefßfi und zur richtigen Beftimmung des jedem einzefnen geßüßrenden Pfatzes. Das jüdilche Volk, weldies das Wort Goj gefchaffen hat/ zog eine Grenze zwischen fich und jedem andern Volke auf 4er Erde. Monotheismus im Himmel und Monotheismus auf Erden. Das" ifi das erfie Stadium. Die Gefahr, die privilegierte Stellung des aus* erwählten Volkes infolge der Verfcßtecßferung der Sitten, oder belfer gefagt durch feßfeeßte Sitten einzubüßen <oenn die Propheten geben

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