Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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NEUE BÜCHER 219 fo daß der Ver.falTer fpäter noch, andere Erbauungsjbücb.er veröffentlidite. Die Ge« G&ichte des. berühmten Einbrechers Niclas Lift ift früher bereits von Willibald Alexis bearbeitet worden. In Lift's Gefellfdiaft -befanden fidi auch einige Juden, die am Schlufle gerädert, gehenkt, verbrannt oder fonft wie von der früher fo viel härteren Strafe für Eigentumsdelikte erreicht wur* den. Diele Juden nun follten im Gefängnis, vor dem Gang zum Tode, während des «Ganges und auf dem Richtplatz der allein feligmachenden Kirche zugeführt werden. Sie haben fich deffen alle geweigert und nicht nur das, fondern überdies fließ einer von ihnen, der Jude Jonas Meier, vor dem Tode fo »erichrökliche Läfterung« aus, daß ihm die Obrigkeit die Zunge ausreißen und ihn neben einem Hunde an den Galgen hängen ließ. Diefer Um= Itand gibt dem ob der ihm entgangenen Seele bekümmerten Stadtprediger Hos« mann Anlaß, aus den Nachrichten bei den Kirchenvätern und allerhand unzuver« läffigen Chroniken Ammenmärchen und verzerrte Wahrheitenzu fammeln, um die Unbekehrbarkeit des läfterlichen Juden« herzens daran zu erweifen. Er hebt an mit Juftinus Martyr und Origines und endet mit feinem eignen Erlebnis — eine kurze Zufammenftellung alier feit alters gegen die Juden erhobenen Anklagen. In all diefem zufammengetragenen boshaften Unfinn glaubt'Hosmann die Betätigung für die augeblich altererbte Eeindfchaft der Juden gegen die Chriften zu finden. Das ganz unorginelle Gefchwätz ilt ermüdend, da es der Darftellung des Unfmns auch an jedem formalen Reiz gebricht. Die fleißige Zufammenftellung Hosmanns lehrt uns aber etwas ganz anderes, als der Autor beabfichtigte: fie beweilt mit er« fchreckender Deutlichkeit den Haß der Chriften gegen die Juden. Alle leidlich günftigen Nachrichten über die Juden werden unterdrückt wie feit alters bei den Autoren der Kirche, fo in diefer Korn« pilation des Celler Stadtpredigers. Alle belaufenden Märchen aber werden getreu« lieh regiftriert. Ob man all die verlogenen Redensarten, die einer dem anderen nach« plappert und die der Magifter fogar wahr« Icheinlicfi geglaubt hat, bei einem alten Chroniften, bei Hosmann oder bei Eifen« menger, Drummond oder in der neuer« dings wieder blühenden antifemitifchen Literatur nachlieft, es ift immer das gleiche,- die Verftooktheit der Juden, die der Ma« gilter durch feine Berichte erweifen will, wird dadurch nicht erwiefen, fondern fehr einleitend begründet. Die chriftlidie Kirche hat fich den Juden durchgehends fo unrühmlich gezeigt, daß befondere Sympathien für fie bei den Juden nicht erwachfen konnten. Jonas Maier 1 alterte mit Recht, als die Kirche, die feit Jahr« hunderten von allen irdifchen Machtmitteln den fdilimmften Gebrauch gemacht, ihm im Gewände der geiftigen Macht impo« nieren wollte. Von all den vielen Er« wägungen, die das Büchlein im Leier wachruft, wird leider durch den Heraus« geber nichts angedeutet. Der Herausgeber hat fich damit begnügt »das fchwer zu bekehrende Juden«Hertz« ftiliftifch zu be« arbeiten und zu modernifieren. Das er« fdieint uns zu wenig, eine Einführung in die Entwicklung der Beziehungen der christlichen Kirche zu den Juden wäre un« erläßlich geweien und hätte das an fidi reizlofe Buch lehr intereflant und wertvoll machen können. Wir bedauern, daß der Herausgeber von diefer Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht hat. A J. N. ROE HANDBUCH DER JUDENTRAGE. Eine Zufammenltellung des widvtigften Materials zur Beurteilung des jüdifchen Volks. Herausgegeben von Theodor Fritfdh. 28. Auflage <48.~67. Taufend). 1919. Sleipner«Verlag G. m. b. H., Hamburg. 660 Seiten. Wir find mit ehrlidiem Willen zu ruhiger und gerechter Beurteilung an dies Buch des bekannten Jahve« und Juden« feindes herangegangen. Lafien fich doch gegen jedes Ding in der Welt, fei es eine Idee, eine Religion, ein Volk, eine Gemein« fchaft mancherlei fchlimme Sachen anführen: warum nicht auch gegen Judenheit und Judentum 1 — Unfer Erwarten ilt fchlecht belohnt worden: was wir hier finden, ift ein troftlofes Sammelfurium des Hafles, der Oberflächlichkeit und der Bosheit. Mögen Andere fich über dies Buch amüfieren — und es ilt reichlich viel un« freiwillig Komifches darin! es ift und bleibt ein in feiner Art einzig grauen« haftes Dokument für den Tiefstand des Menfdientums: alles Schlechte in der Welt foll jüdifdi, alles Jüdifche fchlecht fein! Der Jude fchändet und verpeßet überall und zu allen Zeiten Sprache, Frauen, Kinder, Heimatland, Kunft, Dichtung, Religion, kurzum das ganze Weltall mit allem, was darin ift. Er war und ift immer feige, wollüftig, graufam, arbeitsfeheu, kriecherifch, unwahrhaftig, abergläubifch,