Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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214 AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN für die ..vertriebenen Oftjuden, Volksbibliothek, Heimabende für fchuientladene jüdifche Mädchen etc.). Diefes Ergebnis läßt die Frage nadi der Art des geeigneten Auf baus eines Studentinnenvereins aufwerfen. Es find zwei Möglichkeiten, vorhanden: ein lofer Bund oder ein feit gefügter, ftreng brganifierter Verein. Es würde lieh wohl lohnen, beide Geftaltungen einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Es wäre zwecklos, und wenig fördernd, lieh hier mit Hypothefen aufzuhalten, denn die Praxis verwirft vieles als untauglich oder ungeeignet, was nach menfdilicher Vorausficht die fchönften Früchte hätte zeitigen muffen. Darum will ich mich nur von Erfahrungen aus der Praxis leiten laffen. In einem der letzten Kriegsiemefter, als die K. J. V.*er falt alle im. Felde waren, hatten mehrere jüdifche Studentinnen es verflicht, eine kleine zioniftifche Gemeinfchaft zu bilden, die in Form von gemeinfamen Lefeabenden und fich daraus ergebenden Diskuffionen das Interefle für den Zionismus an unierer kleinen rheinifchen Univerlität wieder neu wachrufen follte. Ich gebe zu, . daß die Abende immer recht intereflant und anregend waren, zumal da. die. oft. .grundverschiedenen Anflehten einiger äußerft exakt und logifch denkender Kommilitoninnen fcharf aufeinander prallten. Stets nahm man etwas Pofitives, mit nadi Haufe, aber diefe Art des Diskutierens hatte höchftens ver* m.qch£. das .verftandesmäßige Denken für unfere Sache einzunehmen, während das Herz des Neulings fo gut wie nichts empfand von dem großen-Erlebnis. Was follen unsaber diefe Verftandes^, um nicht zu lagen Sympathtezioniften! Wir haben mehr ah genug davon.. Wir haben Frauen nötig, edit .-jüdifche Frauen, Menfchen voll Blut und Kraft, die durch ihr Studium befähigt fein mülfen, dem Manne in feinem Kampfe treu zur Seite zu ftehen, ohne auch nur ein. Jota von ihrer Weiblichkeit dabei aufzugeben. Als man fpäter; an einer anderen. Üniverfität abermals einen verunglüdvten Verfuüi machte, einen Studentinnenverein in Form einer Arbeitsgemeinfchaft ins Leben zu .rufen, erkannten wir endlich-, daß diefer Weg nicht der richtige fei. Der Mißerfolg beruhte hauptfächlichdarauf, daß man ziemlich unberückfiditigt ließ, ob die Mädel auch rnenfchlich miteinander harmonierten. Alle diefe Klippen wurden bei der definitiven Gründung:'."des....Münchener J.,?St. Vaglücklich umlchifft.. Durch - die.:freundlichen BehiQhungen eines, K. ~J.,.y.Vers .wurefe es uns ermöglicht, erft perfönlieh näher Fühlung zu nehmen.'. „ ' Als,;es ./ich dann ergab, daß wir Hins recht gut aufeinander ein/teilten, gingen, wir daran, die Statuten zu einem feft organifierten Verein auszuarbeiten. Die Praxis hat gezeigt, daß die Annahme^ rwir Mädchen' eigneten uns. nicht zu einer feit gefugten Qrganilation>, durchaus unrichtig war. Wir alle fühlen uns wohl und emp~ finden keinerlei faltenden, Zwang.; Mit Luft und Liebe find wir; bei der-Saxhe, und das, durchaus fremidfchaftlkhe Verhältnis; untereinander läßt uns, unfere felbftgewählten Pflichten doppelt gern erfüllen. Kleinere und größere Feite mit den K.J. V>ern zufammen, mit denen uns ein herzliches, fozufagen bundesgefchwifterliches Verhältnis verbindet, forgen dafür,, daß Arbeit und Vergnügen in. gefunder Ablöfung ftehen. Mülikalifch* literarische Teeabende, wosu auch Gäfte geladen werden, Turn^, Schwimm** und Tennis^ fport, yerbindenfugleich das Angenehme mit dem Nützlichen. Von Einzelheiten über unlere theoretifche und praktifche Arbeit wird einmal an anderer Stelle die Rede fein. jetzt will ich nur noch die Frage erörtern, wie kann uns das K. J. V. in unferer Arbeit unterstützen? Zunächft wohl am meiften dadurch, daß es dafür forgt, daß bald, -an allen Univerfitaten^ wo bereits ein V. J. St. vorhanden ift, auch ein J. St. V. nach dem Münchener Mufter ins Leben gerufen wird, damit wir bald in der Lage find, uns gleich dem K. J. V. zu einem Kartell zufammenzufchließen. Denn nur fo kann man erfolgreich Hand in Hand arbeiten, und nur auf diefem Wege ift es möglich, eine einheitlich gefchulte weibliche laudierende Jugend heranzuziehen, die auch wirklich reif ift für den großen Gedanken unferer Bewegung. Wo keine anderen Räumlichkeiten zur Verfügung ftehen, follen die V. J. St.^er, wie es die Münchener Bundesbrüder bereitwillig^ getan haben,, uns ihre Räume für beftimmte Zeiten zur Verfügung Hellen. Lind auch dort, wo es uns vorläufig noch an geeigneten Lehrkräften für die theoretilchen Fächer fehlt, mögen diefe aus den Reihen der K. J. V.^er wie bisher gelteilt werden, Vorläufig* rnüffen wir noch die Hilfe des K.J. V. in Anfpruch nehmen, doch in nicht allzu.ferner Zeit wird der Tag kommen, wo audi wir, Seite an Seite mit dem K. J. V., uniere: gute Sache vor der Welt vertreten können. 'ff}}hi}over*Müncßen LIZZIF-RUTH WO 1,77