Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN 213 -,-,-_---^y.--,-.-,-,-;- DER J. ST. V.*> UND DIE WEIBLICHE JÜDISCHE JUGEND AN DEN HOCHSCHULEN Die Schulkinder haben ihren Blauweiß, die erwachsenen Mädchen können fich in einem Mäddienklub zioniltifch weiterbilden. Was aber findet die jüdifche Abiturientin vor, die 211111 erftenmal eine deutfdie Univerfität bezieht? Das junge Mädchen, das in einem zioniftiSchen Haufe herangewachsen ift, fieht fich gezwungen, mit der üblichen einschlägigen Literatur fürlieb zu nehmen, wofern fie es nidit vorzieht, einer nicht akademifchen Organisation, der Ortsgruppe oder einem etwa exiflierenden jüdifchen Mäddienklub beizutreten.. Selten wird fie Sich in einer der beiden Organisationen woh! fühlen können, denn es befteht hier wohl kaum die Möglichkeit, fich über Fachangelegenheiten auszusprechen. Das „Fachfimpeln" jedoch ift uns Studierenden allen mehr oder weniger Bedürfnis. Noch weniger Erfreuliches kann man von der jungen Studentin berichten, die im Geifte des AffimÜantentums erzogen worden ift. Diefe Art von jungen Mädchen überwiegt an Zahl bei weitem die vorhin genannten Studentinnen. Fafl alle find uns bis jetzt für den Zionismus verloren gegangen. Der Grund zu diefem ofFenfichtlichen Fiasko ift nicht dem Einfluß des ElternhauSes zuzuSchreiben, Sondern die HauptSchuId trifft uns allein, die wir nicht für die Exiflenz einer Organisation Sorgten, welche den Neuling in unferen Ideenkreis hätte einführen können. In den feltenflen Fällen flehen die jungen Studentinnen von vornherein unSerer Sache ablehnend gegenüber, denn die Mehrzahl von ihnen hat fich bis zum Beginn des Studiums noch gar nicht näher mit dem Zionismus vertraut gemacht. Es ifi daher Pflicht der älteren Semefler, die noch latenten Kräfte arbeitsfähig zu machen und fie in die geeigneten Bahnen zu weifen. Anflatt deSfen hat man die jungen Studentinnen von der Arbeit ausgeSchlofien und fich damit begnügt, fie zu feftlichen Veranlagungen einzuladen. Die Folge davon war, daß die jungen Mädchen heute im K. J. V. und morgen im K. C. tanzten, und wo am meiden „los war", da blieben fie zufällig hängen. Es find gewiß nicht die Schleenteflen Kräfte, die aus Affimilanten* kreifen hervorgegangen find. Da dieSe jungen Mädchen fich noch in keiner WeiSe für eine Richtung durch aktive Anteilnahme feßgelegt haben, ift ihnen genug Zeit geblieben, fich ein gründlicheres Willen auf verschiedenen Gebieten anzueignen. Solche MenSchen können uns nur erwünScht Sein. Und fie kommen uns ja entgegen! Denn gar bald entbehrt die 18-19 jährige die Möglichkeit, fich rein menSchlich an gleichgefinnte Gefährtinnen anzu* Schließen. Wohl gelingt es ihr hier oder da, eine wirkliche FreundSchaft zu befefligen, doch bald wird die Univerfität gewechselt und das Suchen beginnt von neuem. Unbewußt ent« behrt man das Elternhaus, wo das herzliche jüdifche Familienleben es verflanden hatte, es einem wohl und behaglich zu machen. Auf Verkehr in befreundeten Familien ifl nicht viel zu rechnen, außerdem vermißt man dort wieder das tiefere InterefTe für das Studium. Der an der Hochlchule immer mehr anwachsende Antisemitismus endlich fördert beträchtlich das BewußtSein der nationalen Zusammengehörigkeit der jüdiSchen Studierenden. Hier ifc es alSo, wo der J. St. V. mit Seiner Tätigkeit einSetzen muß. Er wird es den jungen Studentinnen ermöglichen, fich in behaglichen Räumen daheim zu fühlen. Die Mitglieder des Vereins find nicht nur.Teilnehmer an SeminarifliSchen KurSen, um nachher wieder fremd auseinanderzugehen, Sondern die große Idee und das gemeinSame Streben knüpfen die Bande der FreundSchaft hier Schneller als unter anderen Bediagungen. Man fühlt fich als Glied einer großen Gemeinfchaft. GemeinSame Arbeit, gemeinSame Ausflüge, gemeinSame Felle: dieSe drei Faktoren bilden das flarke Einigungsband. Ich Spreche hier nicht von einem idealen Zufland, der erfl von der Zukunft zu erwarten ift. Ein Verfuch der gekennzeichneten Art ifl in München unternommen worden, und die Arbeit eines Semeflers zeigt uns, daß wir auf dem richtigen Wege fmd. Der Grund für den verhältnismäßig guten Erfolg, den wir erzielt haben, ift der, daß wir von allgemein menfehliehen Voraussetzungen, nicht von der oft trockenen theoretifchen Arbeit ausgegangen waren. Den Beweis für die Richtigkeit diefer Erkenntnis gab mir ein flüchtiger Einblid?, den ich in den Aufbau eines J. St. V. einer, anderen Univerfitätsftadt erhielt. Hier ging man von der Arbeit aus und ließ das persönliche Verhältnis der Mitglieder untereinander faft unberückfichtigt. Die produktive Arbeit Stand hier bei weitem zurüdt hinter der unferigen, die im großen und ganzen auf Sozialem Gebiet liegt <JüdiScher Kindergarten und Kinderhort, Flüchtlingsfürforge;J> JüdiSdier Studentinnen Verein.