Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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212 AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN nicht einzufehen, weshalb derjenige, der durdi Eingehen einer Milchehe einen Kompromiß mit der Umwelt fchließt, fchärfer zu befirafen iß, als alle diejenigen, die bei zahllofen anderen Veranlagungen zeigen, daß fie im Leben nicht die Anfchauungen bewährt haben, die fich aus ihrer zionißifchen Ueberzeugung ergeben. Aufgabe der Erziehung, nicht der Reglementierung, muß es fein, derartige Fälle immer feltener zu machen oder gänzlich auszufchaften. Die ganze Mifchehedebatte war übrigens ohne aktuellen Anlaß geführt worden. Ein Bericht, der die außerordentlich wertvollen Ergebniffe des Kartelltages würdigt und in Uebereinßimmung mit dem Urteil des ganzen K. J. V. an eine weitere gute Entwicklung glaubt, kann gelaflen von der Austrittsbewegung berichten, die mit dem Kartelltag begann, und die zur Gründung eines aus etwa 150 bisherigen K. J. V.^ern begehenden Bundes Zionifiifcßer Korporationen geführt hat. Wir K.}. V.^er bedauern diefe Neugründung, von der wir überzeugt find, daß fie zu einer unnötigen Zerfplitterung und Vergeudung der Kräfte führen muß. Wir bedauern fie umfomehr, als keinerlei zwingende Gründe dazu vorhanden waren. Die Ausgetretenen bilden nicht etwa eine Gruppe, die durch gemeinfame Anfchauungen verbunden iß. Ein Teil der ausgefchiedenen Alten Herren hat feit einer großen Reihe von Jahren nicht nur im K.}. V., fondern in der zioniftifchen Bewegung überhaupt jede Mitarbeit abgelehnt. Die übrigen find Zionißen, die der fiarken nationalen Entwicklung des deutßhen Zionismus ablehnend gegenüberßehen, die fogenannte Intenfivierung der jüdilchen Erziehung verwerfen, mit ihrer Propaganda befonders weite Kreife erfalfen zu können glauben und durch Herßellung eines anderen Verhältniffes zur Umwelt; befonders zum Staat, dem nicht nach Paläßina gehenden Zionißen das Verbleiben in Deutichland erleichtern möchten. Die theoretilchen Anfchauungen diefer Richtung wurden fchon 1914 auf dem Leipziger Delegiertentag der Zioniftifchen Vereinigung für Deutfchland von Franz Oppenheimer vertreten, fie Ttftd in' anderer Fdftfi neuerdings von Zolllchan in feiner »Revifion des jüdilchen Nationalismus« und von Gotthold Weil in einem Artikel in der Jüdifchen Rundfchau ver* treten worden. Die überwältigende Mehrheit, nicht nur des K. J. V. und der Jugendbewegung, fondern aller deutfihen Zionißen lehnt diefe Anfchauung ab. Sie iß aber auch keineswegs das verbindende Moment des neuen B. Z. K., fondern wird nur von einigen älteren Mitgliedern vertreten. Das K. J. V., deffen Werbe-Brfolge im Jahre 1919 aus* gezeichnet waren, muß es weiter als feine Pflicht empfinden, einen möglichß großen Teil der jüdifchen Akademikerfchaft Deutlchlands in feinen Reihen zu vereinigen und in feiner Erziehungsmethode zu verantwortlichen Gliedern der jüdilchen Volksgemeinfchaft zu madien. In dem feften Gefühl, auf dem richtigen Wege erfolgreich voranzu* fchreiten, wird das K. J. V. feine Arbeit unbeirrt fortführen. Berlin Dr. TRITZ LÖWENSTEIN