Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827078--0635-2827740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN 211 Auf dem Frankfurter Kartelltag, der in den letzten Dezember* tagen 1919 ßattfand, fprach Blumenfeld über unfere Stellung zur Jugendbewegung. Es zeigte fidi die abfolute Einmütigkeit der K. J. V.-er, diefe Arbeit weiterzuführen und zwar nicht wie überlegene Akademiker, die diefe Organifationen begönnern, fondern wie junge Zionißen, die lieh dazugehörig und als verantwortlidi empfinden und die der Jugend* bewegung geben wollen, was fie im K. J. V. gelernt haben. Wenn wir alfo erwarten, daß jeder K. J. V.-er fich feinen Platz im jüdifchen Leben fucht und ihn ausfüllt, fo beweiß dies am beßen, daß das K. J. V. eine Erziehungsgemeinfchaft fein muß. Wir muffen den jungen Bundesbrüdern, die zu uns kommen, diejenigen Werte übermitteln, die fie zu ihrer fpäteren Tätigkeit im jüdifchen Leben befähigen. Unterricht und Erziehung war denn auch der wichtigfie Teil der Kartelltagsdebatte im Anfchluß an ein Referat von Buchholz. Der LehrfiofF, der dem jungen K. J. V.^er übermittelt wird, iß ziemlich groß geworden, und vermehrt fich von Jahr zu Jahr, je fiärker wir erkennen, daß die Befchäftigung mit Gefchichte und Theorie des Zionismus und Paläfiinakunde nicht ausreichen kann. Wollen wir Menfchen bilden, die in Paläfiina, im jüdifchen Oßen oder in Deutfchland erfolgreich wirken können, wollen wir, daß jüdifche Menfchen Produkte der K. J. V. ^Erziehung find, fo muß das Erlernen der hebräifchen, Sprache im K. J. V. in einem Ausmaß betrieben werden, das den Einzelnen über die formalen Schwierigkeiten der Sprache bis zu dem Punkt hinwegführt, an dem er Freude an der nationalen Sprache und deren Ausfprache und an ihren Erzeugniflen finden kann. Das Referat von Buchholz gab in diefer Hinficht wertvolle Fingerzeige, indem es vor allem betonte, daß wir Hebräifch an denjenigen Teilen unferer Literatur erlernen follen, die uns wirklich wertvolle Inhalte zu vermitteln vermögen, alfo in erßer Linie an der Bibel. Daneben wird jüdifche Gefchichte am beßen ebenfalls in engfier Verbindung mit den Quellen getrieben werden müffen, zumal die Zahl derjenigen, die über Gefchichte mehr als das aus Büchern Zufammengelefene zu fagen willen, natura gemäß gering fein wird. Mit diefen Fragen der Erziehung und des Unterrichtes beßhäftigten fich drei volle Sitzungen des Kartelltages. Die Debatte zeigte ein ungewöhnlich hohes Niveau und bedeutete eine Klärung in mancherlei Fragen. Sie gab uns Gelegenheit, auf die grundlegendßen Fragen unferer zionißißhen Theorie einzugehen, ins* befondere auch das Problem unferer Beziehung zur Umwelt und zur deutfehen Kultur zu erörtern. Es zeigte fich auch in diefen Fragea die Gefchloflenheit der überwältigenden Majorität des Kartells, die für eine kompromißlofe nationale Propaganda und nationale Erziehung eintritt. Erwähnt fei weiter auch die Ausfprache darüber, ob Bundesbrüder, die eine Mifchehe. eingehen, zum Austritt aus dem Kartell zu zwingen find. Es kann in einem zionifiifchen Kreife keine verfchiedenen Meinungen über die nationale Gefahr der Mifdiehe geben. Die Frage war nur, ob es angebracht fei, durch einen formellen Befchluß diejenigen aus dem Kartell zu entfernen, die eine Mißhehe eingehen. Indes iß es-