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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 34

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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204 KRUPNUC NEU HEBRÄISCHE LITEA'A Ti/Z in die Schlacht. }. L. Gordon, der Dichterkönig der Haskala, fang feine galligen Lieder. Großen Erfolg hatte Braudes mit feinem »Hadat weachajim« <Religion und Leben) betitelten Kampfroman gegen den Rabbinismus. In der neuhebräifchen Literatur begann es lebhaft zuzugehen. Es fprudelten nunmehr echte Gedanken, wenn auch noch immer keine echten Dichtungen. Bald darauf verfchwand auch die Einfeitigkeit der Gedanken. Perez Smolensky trat auf den Plan und fagte in feiner Monatslchrift »Hafchachar« einen Kampf gegen zwei Fronten an: fowohl gegen die Ghettoftarrheit als gegen die wefteuropäifche Affimilation. Zum erften mal wurde man fich über die drohenden Folgen der negativen Haskala klar. Noch aber war nicht die Zeit des pofitiven Schaffens gekommen. Stärker als feine Warnung vor Affimilation klang im Munde Smolenskys die Geißelung des »Fanatismus«. In einer Reihe von Romanen entlarvte Smolensky »das wahre Geficht« der Frommen, die er mit erftaunlidner Vor* eingenommenheit und völligem Mangel an künftlerifchem Sehen ausfchließlich in verwerflidifter Weife fchildert. Erft in den achtziger Jahren machte fich eine mildere Beurteilung des altjüdifchen Lebens bemerkbar. Derfelbe Braudes, der vor 10 Jahren die Unverföhnlidikeit von Religion und Leben in Romanform dartat, veröffentlichte Ende der achtziger Jahre einen Verföhnungstendenzroman, der nicht ohne künfi> lerifdien Wert ift »Schtei hakzawoth« (Beide Extremen). Lilienblum und Smolensky wurden ausgefprochene Zionilten und fanden keine Muße mehr, die Religion zu bekämpfen. Die Götterdämmerung der Haskala war da. Beide Epochen der Haskala, fowohl die erlte gelallene als die zweite ftürmifche, waren künftlerifch bettelarm. Weder bei den größeren, berühmteren Vertretern, noch bei den kleineren Kollegen ift auch nur ein einziges Werk zu finden, das vom Standpunkt der Erzählungs- oder Dichtungskunß einwandfrei ift. Im ganzen Wuft des erften Säkulums der neuhebräifchen Literatur von den fiebziger Jahren des 18. bis tief in die fiebziger Jahre des 19. Jahrhunderts läßt fich nur vereinzelt hie und dort ein grünes Blättchen, ein Sonnenftrahl, ein Gefichtsausdrud*, eine Gefühlsäußerung finden, die echt und fchön wiedergegeben find. Die Gründe find mannigfach, manche find am Anfang diefer Abhandlung angedeutet, manche gehören in einen anderen Zufammenhang. Zu Ehren der neuhebräifchen Literatur ift zu erwähnen, daß von Zeit zu Zeit Kritiker auftraten, die die Talent* lofigkeit der »fchönen« Literatur ihrer Zeit fchonungslos bloßftellten. So Uri Kowner und der jetzt greife Abraham-Jakob Paperna in den fechziger Jahren. Gefruchtet hat die Kritik freilich nicht. Erft die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts brachten einen ungeahnten Lim* fchwung in der neuhebräifchen Literatur. In den letzten dreißig Jahren kamen wir endlich zu einer Dichtung, die auf Erlebtem und Gefühltem beruht. Heute befitzen wir eine anfeknlicbe weltliche Literatur, die der europäifchen ebenbürtig ift. Vorläufer und Verkünder dieser modernen hebräifchen Literatur waren David Frifthmann, der anfangs der achtziger Jahre Alarm

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