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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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202 KRUPNIK, KEUHEERÄ1SCHE LITERATUR und muß in einer einfeitig männlichen Gefellfchaft wirken. Die Sonne des Ewig * Weiblichen, die jeder neuen Literatur Licht und Kraft zu* führt, wird in der neuhebräifchen Literatur fchmerzlich vermißt. Endlich zeichnet fich die neuhebräifche Literatur dadurch aus, daß in ihr mehr als in jeder anderen der Neuzeit publizißifche und philo* fophifche Motive und Werke eine Rolle fpielen. Es iß unmöglich, die neuhebräifche Literatur allein von äßhetifchem Gefichtspunkte aus zu beurteilen. Sie muß hiftorifdi begriffen werden. * Die neuhebräifche Literatur entßand in Deutfchland, kurz vor der franzöfifchen Revolution. In dem Augenblicke, als junge Juden ein* zufehen begannen, daß es außer den ein für allemal vorgefchriebenen Judentumswahrheiten noch eine heile, weite Welt von Begriffen und Vorftellungen gibt und als fie inftinktmäßig den Willen in Geh verfpürt hatten, diefen reichen Kosmos hebräifch zu fehen und zu hören — da wurde die neuhebräifche Literatur geboren. Die neuhebräifche Literatur iß Zwillingsfchwefier der jüdifdien Aufklärung und teilt viele ihrer Stärken und Schwächen. Beide entßanden in Deutfchland, wo die Juden nicht fo widerfiandsunfähig wie in Frankreich und nicht fo wenig aufgeklärt wie im Ofien waren. Beide entßanden kurz vor der Eman* zipation, als die Judenheit in Wefieuropa noch nicht atomifiert, aber von europäifcher Kultur bereits angehaucht war. Nicht lange dauerte diefer Übergangszußand in Deutfchland. Sowohl die Aufklärung wie die neuhebräifche Literatur wurden hier fchnell gegenßandslos, eine in der jüdilchen Gefchichte beifpiellofe Aufklärung des Volksorganismus friff hier Platz. Aber die gefunde Synthefe zwifchen Nationalem und Äenfchlichem, die in der bis damals unerhörten Tatfache einer weltlich* hebräilchen Literatur lag, wurde aus den Ichwachen Händen der deut* fchen Judenheit durdi die der zahlreichen ößlichen übernommen, in Perfon der Maskilim, der Aufgeklärten. Haskala Aufklärung. neuhebräifche Literatur — iß die Formel, die für mehr als die Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt. Zionismus neuhebräifche Literatur iß die zweite Formel, die das Ende des 19. und Anfang des 20. Jahr* hunderts füllt. Neuhebräifche Literatur und Paläfiina — dies wird die dritte Formel fein, die noch in Entwicklung begriffen iß. Schematifch dargeßellt, beginnt die neuhebräifche Literatur in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Ihr erßer Repräfentant iß der Zeitgenofle und Freund Mendelsohns Naphali * Herz WelTely, der in feinen zwei Hauptwerken als Dichter und Denker zugleich auftritt. WelTely iß gleichfam Symbol der ganzen darauffolgenden Epoche, die bis Anfang der fechziger Jahre des 19. Jahr* hunderts andauert und fich durch zahmes Auftreten der Haskala* denker und durch unbeholfene Dichtung fentimentaler Art aust* zeichnet. So beßeht das Werk Wesselys »Diwre Schalem weeme « <Worte des Friedens und der Wahrheit) aus Beweifen und Über*

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