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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 30

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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200 KRUPN1K, NEUHEBRÄISCHE LITERATUR ift ein anderes geworden. Die ganze Welt hallt wieder von Jahves Ruhm. Leife beginnt auch das völkifche Selbftbewußtfein, fich um einen Sdhwerpunkt zu fammeln. Ift der Knecht Jahves, was immer noch das Wahrfdieinlichfte dünkt, eine Perfonifikation Israels, fo keimt jetzt der Gedanke auf, ob nicht das in ihm entzündete Licht der heiligen Wahrheit auch den andern ftrahlen foll. Ganz neu ift diefe Weisheit freilich hier nicht. Das in Jefaia 2,2—5 gleich Micha 4,1—3 über** lieferte Orakel von der meffianifchen Zukunft enthält einen ähnlichen Hinweis. Da wie dort wird die Interpretation fehlgehen, welche darin eine Mahnung zu aktiver Miffion erkennen will. Das fromme Israel freut fich der Erhabenheit feines Gottes, dem die ganze Welt Untertan ift, deflen nunmehr vor den Augen vieler Völker enthüllte Herrlichkeit mit ihrem Abglanz feinen Liebling vor den Heiden erhöht. Die Menchheitsidee ift zur Wirklichkeit geworden. Der nationale Genius Israels hat fie aus der Tiefe feines Lebens gefdiöpft, nicht damit fie ihn in feiner Sonderart auslöfdie, fondern auf daß er durch fie erleuchtet feinen eigenen Weg vollende. Stettin Dr. MAX WIENER NEUHEBRÄISCHE LITERATUR Eine Reihe von eigentümlichen Merkmalen machen die neu* hebräilcfie Literatur zu einer der merkwürdigßen des Weltfchriftums. Vor allem ift das, was man unter dem Namen neuhebräifche Literatur verlieht, nicht der Inbegriff der gefamten literarifchen Produktion des gegebenen Volkes, des jüdilchen, in der gegebenen Sprache, der he* bräifdien, und in der gegebenen Zeit, der neueßen, fondern neu* hebräifdie Literatur heißt allein die profane, ausdrücklich nichtreligiöfe hebräiiche Literatur der letzten Generationen. Das umfangreiche reli* giöfe Schrifttum in der hebräilchen Sprache, das im Laufe des letzten Jahrhunderts neben der neuhebräifchen weltlichen Literatur feinen Weg läuft und feinerfeits in zwei große Zweige zerfällt — in rabbinifdies Forl&ungfdirifttum und in chaffidifches erbaulicher Art -* gehört nicht in das Gebiet der neuhebräifchen Literatur. Dies daher, weil die neu* hebräifdie Literatur ihrem Wefen nach eine Revolutionsliteratur ift, die ihre Freiheit teuer erkauft hat, die aber von der religiöfen Neben* buhlerin noch immer nicht als legitim angefehen wird und mit ihr um die Palme der rechtmäßigen Erbfthaft und Kontinuität des klalfifchen, hiftorifch*nationalen Schrifttums ringt. Während bei jedem anderen Kulturvolke der Neuzeit die religiöfe Literatur nur einen Winkel der Gefamtnationalliteratur ausmacht, begnügt fich unfere religiöfe Literatur, im Bewuftfein ihrer glorreichen Abkunft, mit diefer befchei* denen Rolle nicht. Im Kulturkampfe beider Literaturen, der hebräifdi* weltlichen und der hebräifch*religiöfen, ift noch bis auf heute kein

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