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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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194 WIENER, NATIONAUSMUS UND UNIVERSALISMUb gelchaffen und alles, was fie füllt, die Menfihen und fo auch alle Völker. Er müßte alfo — wie rationale Überlegung es felbft dem einfachften Denken, das fo weit vorgefchritten ift, einleuchtend machen follte —' auch Gott für alle fein. In Wirklichkeit, im unmittelbaren Erfühlt^ und Erfaßtwerden, bleibt er aber Gott für Israel allein. Ändert an diefem Ergebnis irgend etwas die Stufe der prophetifchen Religion? Wird jenes Band gelockert oder gar völlig gelöft, und tritt an die Stelle des natürlichen, felbftverftändlichen Verhältnifles, das urfprünglich und von rückwärtigen Vorausfetzungen nicht weiter ableitbar, Jahve und feinen Stamm zu unzerftörlicher Einheit zufammen^ fihweißt, ein anderes, eine gedankenhaft begründete Verknüpfung mit dem Weltengotte, der nicht bloß der einzige wirkliche Gott gegenüber allen Götzen, fondern der Vater und Fürforger aller Menfchen ift? Nein, vielmehr das Gefühl der Zufammengehörigkeit, die Empfindung unbedingten Getragenwerdens diefes einen Volkes durch Jahve ericheint jetzt noch unendlich viel tiefer wurzelnd als jemals früher. Das ift der Grundcharakter des religiöfen Bewußtfeins, der innerfte Kern feelifchen Erlebens, das ohne Zweifeln und Schwanken, ohne Über* legung und Bedenken Jahve fo Geher unveräußerliches Belitztum Israels, wie diefe Nation das nicht preiszugebende Eigen diefes Gottes ift. Es ift wahr: Was die Propheten gefchaut, was Tie verkündet, vorausgefagt haben, das war vor dem Exil immer das Ende, der Untergang von Stamm und Staat. »Es fällt, fteht nicht wieder auf die Jungfrau, Tochter Israel!« Aber überall klingt, ausgefprochen oder nicht ausgefprochen, des Jefaia Gewißheit hindurch: »Ein Reft bekehret Geh«, ein Reft, der geheiligt und geweiht, ewigen Beftand hat. Das primäre, rein triebhaft wirkende Element diefer Frömmigkeit ift die felbßverßändlichfte nicht zu motivierende und nicht zu entwurzelnde Tatfache des Glaubens an das durch feinen Gott feines Lebens fiebere Volk. Die eigene Nation bleibt immer im Blickpunkt der Betrachtung ftehen. Ihr gilt das InterelTe des Propheten und des prophetifihen Gottes. Religiofität und Patriotismus bedeuten hier ein und dasfelbe. Es ift unmöglich, den Monotheismus im Sinne eines Univerfalismus aufzufallen, der dem einen Gott eine Einheit des Menfihengelchlechtes korrefpon^ dieren ließe. Israel und immer nur Israel ift diefes Gottes Reich. Freilich fagt Arnos: »Seid ihr mir nicht wie die Mohrenföhne, ihr Kinder Israel ift Jahves Spruch Fürwahr, Israel habe ich herauf^ geführt aus Ägypteniand und die Philifter aus Kaphtor und Aram aus Kir.« <9,7.) »Gehet hinüber nach Kalne, und fehet euch um und von dort nach Groß-Hamat, und fteiget hinab zum philiftäifchen Gath. Seid ihr beffer als diefe Königreidie?« <6,2.) Danach fchiene es, als ob bloße Einbildung der Glaube fei, Jahve, der Eine, der Gott Völker^ umfpannender Gerechtigkeit, hege für eine Nation eine befondere Vor^ liebe. Aber in Wahrheit bricht in folchen Worten nur die furchtbare Angft ans Licht, daß des Volkes Untreue fchreddiche Vergeltung heraufbefchwören müfle, die in endlofen Plagen ihm den Tod bringen wird. »Nur euch habe ich erkannt von allen Gefchlechtern des Erdreichs,- darum ahnde ich an euch alle eure MilTetaten.« <3,2.> Treue um Treue

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