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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 21

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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WIENER, NATIONALISMUS UN® UNIVERSALISMUS 191 die völlige Entnationalisierung jüdifchen Wefens aus, fachte darum den von nationalem Geiß ganz und gar gefättigten Talmudismus mehr und mehr auszumerzen oder doch einzugrenzen und begrüßte als BundesgenofTen in diefem Kampf gegen die völkifchen Elemente von Brauch, Kultus und Ritus die Prophetie. Ihre gewaltigfien Repräfen* tanten, Arnos, Hofea, Jefaia, Micha, Jeremia und auch Jona erfchien&n To als die Protagoniften der Ideen des Internationalismus und der Humanität, als die Überwinder von Volksreligion und Stammeskult, als die Herolde einer rein »geifiigen« Welt- und Menfihheitsreligion. In diefer Auffaflung iß — wie zu zeigen fein wird — Wahres mit Unrichtigem zufammengewoben. Jedenfalls aber bedeutet folche Anficht von der »Vergeifiigung,« die mit der Entnationalifierung Hand in Hand geht, was ihr fichtbares und ficheres Refultat anlangt, zunächft nur eine Entkonkretifierung des Judentums in der ganzen Breite von Leben und Lehre: Aus dem Meffias, dem König aus Davids Gefchlecht, der die zerßreuten Glieder des jüdifchen Volkes nach Zion zurückführen follte, wird fo der Ge* danke vom meflianifchen Reich. Er iß die Frucht einer gefchichts* philofophilchen Konfination, welche die allmähliche, durch natürliche innermenfchliche Triebkräfte gefidberte Veredlung der ganzen irdißhen Ordnung und insbefondere der Völkerorganifation lehrt. Aus der Auserwähltheit Israels wird das Moment des Stammhaften, Volks* mäßigen nach Möglichkeit ausgelchieden. Das Gefühl für die leibhafte Wirklichkeit jüdilcher Menlchheit mit befonderem Wefen und vielleicht auch noch befonderen Zielen, das ihr Selbfizwedk und Eigenleben in der Reihe der Nationen zuerkennt, verblaßt vor einer idealifierenden und rationalifierenden Betrachtungsart. Die ichaut auf Israel lediglich als auf das Infirument der religiöfen Weltmiffion, des lauteren Mono* theismus, auf das Gefäß der göttlichen Wahrheit. So fchiebt fidi die finnfällige Realität der Volksperfönlichkeit in den Hintergrund hinter die Idee, deren Träger fie fein follte. Der »Geiß« des Judentums, oder was dafür gehalten wird, überfihattet die lebendige Seele der Judenßeitj die abfirakte Wahrheit rüfiet. fich, über blutvolle Wirk* lichkeit hinwegzufihreiten, und die Konfequenzen einer Leßre fcheinen die unveräußerlichen Anfprüche des Leßens zu überwinden. Eine objektive Betrachtung der Dinge wird fich davor hüten müffen, parteipolitifche Richtungen und Tendenzen der Gegenwart in eine Zeit zu projizieren, die von ihnen nichts wußte und nichts wiflen konnte,- gedankliche Analogien und ideale Vergleicfaungsmöglichkeiten für Zufammengehörigkeit realer Tatfachen hinzunehmen. Vor folcher Verwechslung und Verfällchung werden wir bewahrt, wenn wir mit dem nötigen Mißtrauen an die Methode der Schriftauslegung heran* fehen, welche die religiöfe Gedanken* und Gefühlswelt unter die Äaßfiäbe einer von fremd her an fie herangetragenen Wertung preßt, gleichbarkeit nachempfindend zu erleben. Diefen Weg als den einzig gangbaren, der zu innerlichem Verfiändnis religiöfer Wirklichkeit führt, weiß der Auffatz von Ernfi Troefrfch über »Das Ethos der hebräifdien fiatt fie von innen heraus

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