Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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WALZER, DER GESCHICHTSUNTERRICHT TN JUGENDORGANISATIONEN 189 »Juden«, L Jahrg., Heft 4 hin weifen*) Je nach dem, was man bei den betreffenden Bundesbrüdern an Zahlen und Daten von der Schule her vorausfetzen kann, kann man diefen Überblick auf wenige Stunden oder auf ein ganzes Semeßer ausdehnen. Es liegt bei folch allgemeinen Überblicken die Gefahr fehr nahe, daß fie phrafenhaft werden oder wirken, und es iß nicht leicht, da die richtige Grenze zu finden. Wenn wir aber dem Ziel, das ich vorhin andeutete, irgendwie näherkommen wollen, dürfen wir hier nicht liehen bleiben, fondern mülfen zu eingehenderer Behandlung von Spezialgebieten fortlchreiten. Eins möchte idi dabei unter keinen Umltänden mitten,• die f ©genannte biblifche Zeit, und zwar aus drei Gründen: erfiens weil wir hier wie nirgends fonft in der ganzen ausgedehnten jüdifchen Gefchichte ein ganz gefundes Volksleben mit allen Äußerungen eines folchen finden, zweitens v/eil fie in der Jugendzeit unferes Volkes iß, und diefe Jugend mit ihrer Frifche und Tatkraft uns befonders packt und ans Herz greift, nicht nur uns, fondern felbß alle Nichtjuden, die der Haß nicht verblendet, drittens weil fie die klaffifche Zeit in der jüdifchen Gefchichte ift, die Zeit, in der als Niederfchlag der prophetifchen Bewegung fich das herauskriftallifiert, was wir gemeinhin mit jüdifcher Nation zu bezeichnen pflegen, und lie uns fo den Schlüflel zum Verßändnis der ganzen folgenden Entwicklung liefert. Über die Literatur, die hierfür in Frage kommt und die faft ausfchließlich der Feder deutfcher Gelehrter entflammt, ift fchon gefprochen worden. Es ließe fich in diefem Zufammenhang vieles über die Berechtigung wie die Mängel der modernen Bibelwiflenfchaft fagen, aber das würde uns zu weit vom Thema fort in eine Erörterung von Kulturfragen führen, die den Rahmen diefes Auffatzes durchbrechen würde. Wie man die Literatur benutzt, hängt davon ab, wieweit fich der Kursleiter in fie felbß wie befonders in die Quellen vertieft hat. Man kann aber auch ruhig, allerdings nur aus intereffanten Büchern wie dem Weinßeimer, vorlefen, denn auch gutes Vorlefen erfordert eingehendes Verftändnis der Dinge. An die Behandlung der biblifchen Zeit in einem Kurs dürfte fich, wenn die nach dem heutigen Erziehungsplan ja meift nur auf zwei Semeßer berechnete Unterrichtszeit ausreicht, organilch eine allerdings weniger umfangreiche Darftellung der Zeit des zweiten Tempels fchließen. Auch fie gewinnt uns als Zionißen ein befonders aktuelles Intereffe ab, weil wir auch hier noch im Leben relative nationale Selb* ßändigk.eit finden, oft voll ftarker Leidenfihaft, gleichzeitig aber fehen, wie die wachfende Macht der Tradition alle ßhöpferifchen Kräfte in ihren Bann zwingt und in allmählicher Entwicklung der Ausbau der Tradition fich zur geißigen Lebensaufgabe des Volkes entwickelt. Oder denken wir an den Zufammenfioß zwilchen Judentum und Griechentum, den größten Kulturmächten des Altertums.**) *> Demnach/t erfcheint im Jüdifchen Verlag Dubnows, »Neuelte Gefchichte des jüdifchen Volkes« in zwei Bänden. D. Red. *•> Von der hier in Betracht kommenden Literatur, die fchon genannt worden ift, ift befonders der 2. Band des Weinßeimer mit Vorficht zu benutzen!