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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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188 WALZE*, DER GESCHICHTSUNTERRICHT IN JUGENDORGANISATIONEN Bewegungen kenne, deren letzter Niederfchlag jene Ereignifle waren, wenn mir der allgemeine politifdie und kulturhifiorifche Hintergrund fehlt, von dem fie fidi abheben. Und fo kommen wir zu folgenden konkreten Forderungen für die Art der Darßellung der Gefchichte in unferen Kurfen: Zunächß Darßellung des Volkslebens in all feinen Auswirkungen, auf politifihem, kulturellem, wirtfthaftlichem und fozialem Gebiet und klare Auseinanderfetzung der innigen Verknüpfung aller diefer nur um der Anfchaulichkeit willen von einander gefchiedenen Gebiete. Nur fo iß es möglich, dem Verfiändnis z. B. der prophetifthen Bewegung nahe zu kommen. Aber felbß folch gründliche Darßellung muß wertlos bleiben, wenn man nicht zeigt, wie all dies aus der Univerfalgelchichte, aus der allgemeinen Weltfituation herauswächß. Man kann nun einmal die Gefchichte der einzelnen Völker wohl zum Objekt einer Sonderdarfiellung machen, aber niemals ifoliert für lieh ohne ununter brochene Berückfichtigung des univerfellen Zufammenhangs <Ed. Meyer). Ein ganz geläufiges Beifpiel zur Veranfchaulichung bietet die Gefchichte der makkabäifchen Erhebung. Aus diefen beiden Forderungen erwächfi mit Notwendigkeit eine dritte: nämlich den Blick unferer Bundesbrüder auf die großen Probleme der jüdifihen Gefchichte zu lenken. Ich meine damit nicht die »großen Linien«, etwa die Darßellung der Gefchichte unter dem Gefichtspunkt des Antifemitismus oder der Alfimilation oder fonß einer »gefchichtsphilofophifchen« Idee, worauf der Dilettant leicht verfällt, fondern die wirklichen, meiß noch ungelößen Probleme, die vorliegen. Einige wenige Beifpiele: Wie iß jene feltfame innere Wandlung des Volkes im babylonifchen Galuth zu erklären? Aus welchen inneren Urfachen brach der Staat der Makkabäer zufammen? Warum hat die fpanifche Periode nicht fo auflöfend und zerfetzend auf die Judenheit gewirkt wie die moderne Affimilationsperiode, obwohl fie doch auf den erßen Blick fo viel Ähnlichkeit mit ihr aufweiß? Dann werden wir z. B. auch mit weit mehr Sachlichkeit, als es uns heute möglich iß, zu den modernen Theoretikern der national jüdilchen Idee Stellung nehmen können. Ich bin mir wohl bewußt, hiermit ideale Forderungen aufzußellen, aber in diefer allgemeinen Richtung müßte Geh unfere Arbeit bewegen, und wir müffen verfuchen, foweit es unfere Kräfte und die allerdings nicht allzuweiten Hilfsmittel zulaflen, diefen Forderungen zu genügen, um eben einmal zur lebendigen Anfchauung der Dinge zu kommen. Was aus dem Gefamtgebiet der jüdifchen Gefchichte follen wir nun in unferen Kurfen, die ja der Einleitung und Anregung in der Hauptfache dienen follen, behandeln? Unerläßlich ericheint mir, foviel auch dagegen fprechen mag, als erßes ein allgemeiner Überblick über das gefamte Gebiet von den Gefichtspunkten aus, die ich eben fkizziert habe. Als Grundlage dafür eignet fich recht gut ein kleines Büchlein von Dußnow, dem bekannten jüdifchen Hifioriker in Rußland, mit dem Titel: »Die jüdifche Gefchichte, ein gefchichtsphilofophifcher Verfuch, Berlin 1898«, das im Buchhandel vergriffen iß, aber wohl in allen Univerfitätsbibliotheken vorrätig fein dürfte. Für die Gefchichte des neunzehnten Jahrhunderts, die da etwas fchlecht weggekommen iß, möchte ich zur Ergänzung auf den Auffatz desfelben VerfalTers im

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