Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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TROMM, TRADITIONELLES JUDENTUM UND ZIONISMUS 183 arbeiten dem Geiß der jüdilchen Vergangenheit ebenfo widerfpricht wie der Forderung der jüdifchen Zukunft. Priefier mögen vor dem Wirken die Wirkung berechnen, Propheten haben geryfen und werden immer rufen, weil fie rufen müfien, unbekümmert, ob man fie hört und wer fie hört. Propheten mußten beim heidnifchen Opferfefi des Volkes ericheinen und ihm das dröhnende »kehre zurück« zurufen. Sie konnten nicht fchweigen und nicht dem Untergang des Volkes zufehen. Die Orthodoxie kann fthweigen. Mögen die, die den jüdilchen Weg zu haben glauben, auch über den jüdifchen Willen fpotten. Wo ein Wille iß, wird auch ein Weg fein. Aber mancher Weg führt in den Abgrund. Die jüdifche Jugend, der es ernfi iß mit dem Gefetz und der Zukunft des Volkes, wird erkennen, daß nur die einheitliche vom ßarken Willen getragene Jugendbewegung die Vorausfetzung für die Erneuerung der Tradition bietet. Denn fo nötig, wie die aus unjüdifchen Milieus ßammende Jugend die Inhalte der aus der Orthodoxie kommenden Menfihen braucht, fo notwendig iß diefen die i Aktivität und Frilche, die fie nur von jenen erhalten kann. Denn mit dem Inhalt hat man auch durch die ununterbrochene Kontinuität die Einßellung des Galuth bewahrt und nur die Synthefe von altem Inhalt und neuer Einstellung find die Grundlagen der Zukunft. Nidbt gefagt zu werden braucht, daß es für junge, das heißt, ganze erfüllte Menfdien ein unerträglicher Widerfpruch iß, zionifiilch organiliert zu fein, aber nicht innerhalb der zionißilchen Jugendbewegung <nicht Organifation) zu leben und zu arbeiten. Es fei nicht verkannt, wieviel dafür fpricht, in der orthodoxen Jugend zu wirken, aber trotz allem gibt es für den Zionißen nur eine Möglichkeit und eine Aufgabe: das Aufgehen in der zionifiifchen Jugendbewegung. Denn fonfi würde er das tun, was die Orthodoxie zum dauernden Vorwurf erhebt, organifatorifdi verantwortlich zu zeichnen für eine Bewegung, auf die man keinen Einfluß nehmen will und nimmt,- er würde die Aufgabe des traditionellen Zionismus nicht verfiehen. Die Jugend, die wahrhafi an die Zukunfi des Volkes und der Tradition, die an die Einheit von Gott, Israel und Thora glaubt, fie wird nicht nur organifatorilch verbunden, fie wird im Innerßen ergriffen mitaufbauen im Kreife der vom gemeinfamen Willen getragenen jüdi* fchen Jugend und der fchöpferilchen Erneuerung der Vergangenheit, die die Zukunfi iß. Tranüfurt a. M. ERICH TROMM