Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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182 TROMM TRADITIONELLES JUDENTUM UND ZIONISMUS aufmerkfarn zu folgen. Das Gefetz mußte über kurz oder lang zu* gründe gehen und alle Konfervierungsverfuche, die fich in das krampft* hafte Dogma der Entwicklungslofigkeit kleideten, und alle Reform, die zur Sonntagskirche führen mußte, konnte nichts helfen, wenn es nicht gelang, dem Gefetz, den Normen wieder das Subjekt zu geben, fie wieder herauszureißen aus ihrer unerträglichen Objektivierung »zu Re* \igion«, das Volk wieder mit Leben zu füllen, und es fo wieder or* ganifch mit feinen Normen zu verbinden. In diefem Augenblick höchßer Gefahr entftand der Retter — im Zionismus. Zionismus iß keine Theorie und keine Anfdiauung. Er iß Leben, Einfiellung, Formung. Er iß die Revolution des jüdifchen Volkes, das plötzlich von der Erkenntnis durdifchauert wurde, daß es zugrunde gehen müfle, wenn es fidi nicht machtvoll zu neuer Tat aufraffe, und erkannte, daß es jetzt nicht auf Theorien ankommt, fondern allein auf Frifche, Leben, Aktivität. Gerade die, die dem Abgrund fchon am nächften gefianden hatten, fahen ihn umfo deutlicher und gerade aus ihnen erwuchfen die Führer. Man erkannte, daß nur Erez Israel das Land fein kann, wo das alt-neue .Volk fein Leben wieder beginnen wird, und man verwandelte in die Tat, was der fehnfüchtige, geftammelte, geweinte Wunfeh der Generationen des Galuth war. Und die, die an die Bedeutung des Gefetzes glaubten, fie erkannten plötzlich: nur der Zionismus, nur das zu neuem Leben erwachte Volk iß imßande, das Gefetz zu verwirklichen, weil diefes Gefetz eben nur um des Volkes willen gegeben iß. Sie wußten, daß das Gefchlecht, das außerhalb Erez Israels wohnt, nicht nur, wie der Talmud fagt, keinen Gott hat, fondern daß auch in Wirklichkeit Israel bald ein verlorenes heidnifches Volk fein müßte, und fie glaubten an die belebende Kraft Erez Israels, wie daran, daß, wenn wirklich diefes Gefetz Aufgabe und Sinn des Volkes bedeutet, es wieder wie Land und Sprache unlösbarer Befiandteil des zu neuem Leben erwachten Volkes werden muß. Andere waren ungläubiger. Sie hatten fich in die vier Ellen der Halacha eingefponnen, fahen nicht die Not ihres Volkes, fahen nicht den Abgrund, weil fie noch etwas weiter von ihm entfernt waren, und alles Lebendige war fchon fo erßorben in ihnen, daß fie das neue Leben fürchteten und es mit dem Bann belegten. Sie glauben nicht mehr an die Kraft des Gefetzes, denn fonß könnten fie es nicht ertragen, abfeits vom Volk zu ßehen und es dem Zufall anheim zu geben, ob die, die heute noch fernfiehen, auch morgen noch »Abtrünnige« fein werden, wie man fo felbfificher und felbfigerecht fagt. Sie haben den Zufammenhang mit dem Volke verloren, und verzweifeln an feiner Zukunft. Ganz konnte fich die Orthodoxie den Wirkungen des Zionismus nicht entziehen, aber er löfie in ihr nicht Aktivität, fondern nur Gefchäftigkeit aus, und tote Ideen und tote Menfchen wird fie nach Paläßina bringen und fie dort begraben mülfen, wenn nicht andere fie beleben. Die Orthodoxie fieht nicht, daß nur dann Paläßina ein Erez Israel werden kann, wenn das ganze Volk wieder gebunden und erfüllt wird von Gefetz und Rhythmus und daß Beifeiteßehen und Getrennt*