Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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TROMM, TRADITIONELLES JUDENTUM UND ZIONISMUS 179 Phifofophie, Poefie, bildenden Kunß, untrennbar verknüpft mit jeglicher Lebensäußerung des griechilchen Volkes und gegenüber anderen Kulturen das unterfdieidende Moment felbß bei Gleichheit des Stoffes. Daß Übernahme fremdnationaler Kulturen unmöglich iß, liegt nicht an der Schwierigkeit der Übermittlung der Inhalte, fondern an der Unfähigkeit, im fremden Rhythmus mitzufchwingen. Als Israel noch ein gefundes Volk war, war Definition wie Analyfe feines Wefens gleich unnötig mit Abnahme der Lebenskräfte trat Zerfetzung ein und die Beßandteile, die die Nation gebildet hatten, fielen auseinander. Gefetz und Rhythmus aber, zu Eigenleben nicht gefdiaffen, wurden verfelbßändigt und unter die Kategorie »Religion« gefaßt. Was zum Begriff der Religion noch fehlte, wurde in Analogie mit dem Wefen anderer Religionen ergänzt. Quantität und Qualität diefer Ergänzungen waren wefentlidi für die nun entgehenden religiöfen Richtungen. \ Die eine Richtung hielt die Summe der Normen für weiterhin verbindlich, empfand die Zerßreuung im Galuth als »Aufgabe« und vergaß völlig, daß ein »heiliges Volk« eben auch ein Volk iß und kein blutlofes Schemen, empfand nicht, daß diefes ganze Gefetz eben nur dann einen Sinn hat, wenn es die Lebensnorm eines lebendigen Volkes ift. Sie vergaß die Realität des Volkslebens und glaubte, die Realität vergeffen, bedeute eine Stärkung der Idee. Sie erftarrte, wurde »recht* gläubig« und nannte fich Orthodoxie. Die andere Richtung bewies befondere Verfiändnislofigkeit. Sie leugnete die Realität des Volkes und ßatuierte dafür die Realität <d. h. Behaglichkeit) des Einzelnen. Sie brachte es fertig den wefent^ lichßen Teil der fogenannten Religion aus diefer zu entfernen, das Gefetz außer Kraft zu fetzen und das Spärliche, was man noch von der Religion übrig ließ, in Verbindung mit dem zu einer Anfchauung objektivierten Rhythmus, <der doch nur Sinn als Einftellung des lebendigen Volkes hat), mit der Auffchrift »jüdifcher Liberalismus« zu verfehen und obendrein noch zu erklären, diefe »Religion« fei die Religion der Propheten, fei Gegenftand der jüdifchen Million, ebenfo wie fie auch das Bindeglied zwifchen den zerftreuten Teilen der Judenheit fei. Volksnorm war zur Religion geworden ,• was blieb denen, die diefe »Religion« ablehnten anders übrig, als das, was man ihnen gelalfen hatte: die Nation. Auch ihr mußten in Analogie mit der europäifchen Nation die noch fehlenden Momente hinzugefügt refp. die fcheinbar überflüffigen genommen werden, und man kam zum formalen Nationalismus, der foweit geht, daß er ganz die petitio principii verfißt, die darin fteckt, Land und Sprache als Objektivkriterium den ubjektivkriterien der Inhaltsnationalißen beweiskräftig entgegenftellen zu wollen, während doch offenbar für das jüdifche Volk im jetzigen Augenblick Land und Spradie ebenfo fubjektiv wie Inhalte find und nur dann die Beweisführung richtig wäre, wenn zuvor der Beweis erbracht würde, daß der Begriff der Nation überhaupt nur durch Land und Sprache definiert werden kann. Andere wieder empfanden die centrale Bedeutung des Volkes. Aber fie fochten es mit beftimmten Inhalten <meiftens auch objektiviertem Rhythmus) zu verknüpfen und