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Der jüdische Wille · 1920-03-01 · Heft 4-5 (März 1920) · page 8

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 4-5 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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178 TROMM, TRADITIONELLES JUDENTUM UND ZIONISMUS bewegung. Sein Leben und feine Formen find daher abhängig von der Entwicklung, die das jüdifche Leben nimmt. Andere jüdifche akademifdie Organifationen fehen ihre Bedeutung und ihr jüdifdies Arbeitsprogramm lediglich in der negativen Abwehr <K. C> oder in der Pflege eines für alle Zeiten fefigelegten Inhaltes <B.J.A.>. Uns aber fcheint Aufgabe der Jugend zu fein, felbft zu erleben und felbß zu geßalten. Die jüdifche Jugend fol! Anteil nehmen an den hißorifchen Gefchehnilfen unferer Zeit. Niemals noch hat ein Volk fo fehr wie heute das jüdifche fein eigenes Gefchick beßimmt und feine Ent^ Wicklung felbßtätig übernommen. Darum war noch nie fo wefentlich v zielbewußte Zukunftsarbeit die Pflicht der heranreifenden Generation. Der Zionismus iß keine Bewegung, in die unfere weßjüdifche Jugend dem Trägheitsgefetze folgend hineingleiten könnte. Er ver~ langt Umgeßaltung der Lebensbedingungen und Neuorientierung der Intereflen jedes einzelnen. An die Stelle feiner Perfönlichkeit als alleinigen Inhalts des Denkens und Strebens tritt die Sadie der Gefamtheit. Kein größeres Ziel kann unferer Jugend gegeben werden, als dem Volke zu dienen, aus dem fie geboren und mit dem fie durch unlösliche Bande verknüpft iß. Judentum und jüdifche Zukunft, Ge^ deihen oder Verderben des Volkes find nicht mehr Angelegenheit des Individuums, Privatfache. Die Gemeinfchaft übernimmt die Pflege und Verwirklichung des Ideals. Eine foldie Gemeinfchaft iß das K.J.V. Köfn GEORG LANDAUER TRADITIONELLES JUDENTUM UND ZIONISMUS Das Problem des traditionellen Judentums iß nicht das der Re^ ligion, fondern das der Nation. Man kam erfi dazu, den Begriff »jüdifche Religion« einzuführen, als man das wahre Wefen der jüdifchen Nation vergelten hatte. Während wir bei europäifchen Völkern Land und Sprache als fogenannte Objektivkriterien anzufehen gewöhnt find, iß bei den Juden ein anderes Moment, ein noch wefentlicheres Kriterium der Nation: das Gefetz. Die jüdifche Nation wird durch den einzelnen bindende Normen konßituiert, die viel engere und zentralere Bindungen find als Land und Sprache. Ob das jüdifche Volk heute noch die pfychologifchen Vorausfetzungen einer »jüdifchen Renaiflance« befitzt, iß nicht zu entfcheiden, darüber aber kann kein Zweifel befiehen, daß von einer jüdifcb^nationalen Renaiflance nur dann die Rede fein kann, wenn die Wiederbelebung der hißorifchen Realität einer durch Land, Sprache, Gefetz und Rhythmus geformten und gebundenen. Nation erreicht ift. Unter Rhythmus iß nicht Inhalt und Anfchauting, fondern Form und Einßellung verßanden. Er tritt uns bei jedem Volk als das fich gleichbleibende konfiitutive Moment aller Manifeßationen des Volksgeißes entgegen. Er iß der gleiche z. B. bei griechifcher

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