Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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LANDAUER, WAS WILL DAS K. J. V.? 177 neu erftehen kann, fo richtet lieh der Blick derer, die in der Erneuerung des Judentums den Sinn diefer Zeit fehen, gemeinfam mit den Politikern, denen die Löfung der Judenfrage brennende Gegen* wartsaufgabe ift, nach Paläßina, dem ewigen jüdilchen Lande. »Das K. J. V. will feine Mitglieder zu Männern erziehen, die in dem Be* wußtfein der nationalen Einheit der jüdifchen Gemeinlchaft entfchlolfen find, für eine der Vergangenheit des Judentums würdige Erneuerung des jüdifchen Volkstums einzutreten.« Der jüdifche Meufch foll fich wieder in feine jüdifche Gemein* fchaft hineinßellen. Und wie jede Nationalbewegung ihre Träger ganz ergreift, daß fie fich ihr mit allen ihren Lebensäußerungen hin* geben, fo verlangt auch unfere jüdifche Bewegung den ganzen Menfchen. Wir proklamieren ein jüdifches Ideal. Wir rufen es der Jugend zu, die noch fähig ift, fich zu begeißern, die zu allen Zeiten die Herzens wärme hatte, Pioniere zu fein. Im Herzen unferer Jugend foll der jüdifche Gedanke wieder erglühen, damit in der Tat noch ein* mal von Zijon die Lehre ausgehen wird. So foll ihr auch der Weg gewiefen werden, wieder das Juden* tum in fich aufzunehmen. Das K. J. V. erfaßt feine Bundesbrüder, um ihnen vieles zu geben: neben dem lernbaren Stoff vor allem die große Liebe und das ernße Streben zum Judentum. Da muß ein brüder* lieber Geiß alle umfalfen, die fich in diefer Liebe begegnen, deren ge* meinfames Streben fich im Bunde vereinigt. Dadurch iß das K. J. V. die Stätte der Entfaltung der fchönßen Triebe und Eigenfchaften,- wo der befie Jude fich entwickelt, läutert fich der edelße Menfch. Im mechanifchen Leben diefer verworrenen Gegenwart wird unferem Dafein neuer, eindeutiger Sinn gegeben. Der Jude wirkt für ein jüdifches Ziel. Wie aber das K. J.V. als feine geißige Heimat den ganzen Menfchen ergreift, um ihm fein fchönfies feelifdbes Erleben zu fchenken und um ihn zu befähigen, auf richtigem Wege weiter zu fchreiten, fo verlangt es auch von ihm, felbß Träger der großen Entwicklung zu werden, in der fich unfer Volk in diefer Zeit befindet. Mit ihrer ganzen Kraft foll die jüdifdie Jugend, fich in diefe Bewegung fiellen und dienen. Der K. J.V.*er foll fühlen, daß er feinem Volke und feiner Zukunft verantwortlich iß. Wir Jugend find die Träger der jüdifchen Zukunft. So bürgen wir für fie. Der Zionismus weiß den jüdifchen Weg, Aber wir haben keine Möglichkeit, ihn zu befchreiten, ehe wir nicht die Schlacken der Fremd* heit, diefe Begleiterfcheinungen des drohenden Auf löfungsprozelfes, und die Formen, die die Einfiellung auf nichtjüdifche Ziele mit fidi bringt, abgelegt haben. Das K.J.V. folgt nicht den reaktionären Ehrauffaffungen, welche die fittliche Verhandlungsfähigkeit der Menfchen nach Ständen abßufen, die, fchon im heimifchen Kreife überlebt, gewiß der jüdifchen Ideenwelt entgegenfiehen / es lehnt daher die »unbedingte Satisfaktion« ab und hat aus ähnlichen Gründen auch die Couleur aufgegeben. Das K. J.V. ift eben feiner Natur nach nicht fo fehr ein Teil der hiefigen Studentenfchaft als ein Glied in der jüdifchen Jugend*