Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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LANDAUER, WAS WILL DAS K.J.V.? 175 der Humanität außer Acht lafle. Es iß derfelbe Staatsbürger, der während des Krieges den Messias und das Erzbecken von Briey gleidizeitig verlangt hat/ der Menfchheit fagt und die umgebende Nation meint/ der Liebedienerei für wertvoller hält als die jüdifche Gemeinfchaftsleifiung und der an Stelle des lebendigen Seins die Apologetik fetzt. Wir ertragen feine Verachtung um fo leichter, als wir gleich* zeitig die Achtung aller derjenigen gewonnen haben, um die jener bisher io hoffnungslos warb. Und wenn jetzt im Rate der Völker das jüdifche Volk als Volk in den Kreis der politifchen Erwägungen gezogen wurde, fo gefchah das allerdings, weil es für die Maßgebenden politifch vorteilhaft war, aber die Möglichkeit dazu beßand doch nur, weil der Zionismus den Willen diefes Volkes proklamiert hatte. Und künftig wird man, auch wenn es politifch unvorteilhaft fein follte, das jüdifche Volk nidit mehr überfehen können. Langfam erwächß damit jene Achtung vor uns, die allein imßande iß, den Antifemitismus zu überwinden. Den Urgrund des Antifemitismus, das Gefühl der Fremdheit und Andersartigkeit, wird man nicht ausrotten, folange es Juden gibt. Aber das Gefühl der Verachtung iß damit nicht unlösbar verbunden. Es ßeht bei uns, es in Achtung zu wandeln. Und aus den Resultaten mag jeder felbß ermelfen, ob das einem Jahrhundert Affimilation oder wenigen Jahrzehnten Zionismus belfer gelungen iß. Kr. WAS WILL DAS K.J.V.? Im Anfang war nicht die Definition,- fie wird auch nicht das letzte Wort fein. Keine Formel oder Begriffsbeßimmung wird das Schickfal unterer Gemeinfchaft entfcheiden. So kann auch keine Ver* gleichung oder Ausdeutung Lebenskraft haben. Damit iß nicht die Berechtigung einer Frageßellung, fondern nur ihre Vorherrfchaft beßritten. Jede Formel und jede Bewertung des Judentums iß der Entwiddung ausgefetzte Zeiterfcheinung. Träger unferer Zukunft iß unfer Lebenswille. Er fiebert den Beßand der Gemeinfchaft auch noch dann, wenn längß der Erklärende und Bewertende fich durch einen Trug* fchluß in eine Seitengafle verirrt und das marlchierende Volk verloren hat. Dieler Lebenswille fei darum vorausgeletzt. >>. •,- Soldi komplizierten Gedankengängen wird man in der nicht* jüdilchen Welt kaum begegnen. Ihre Gemeinlchaften bedürfen keiner Erörterung über das Ob ihrer Zukunft. Sie wird ihnen durch ihre territoriale Organifation gewährleißet. Um fo lebhafter beichäftigen fie lieh daher gegenwärtig mit dem Wie ihrer Entwidmung. Denn die Völker richten fich in ihrem Haufe neu ein, fie befinnen (ich auf fich felber. Das K. J. V. ruft die ljüdifche Jugend zur Selbfibefinnung auf. Uns befeelt der Glaube an eine jüdifche Zukunft. Wir erinnern uns,