Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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EINZELHEITEN 171 fein« Habgier wirklich fchärfer ausgeprägt find als die der anderen, oder ob diefe nur die Technik nicht fo gut heraushaben/ möge dahingeftellt bleiben. Ich für meine Perlon traue den Afiaten in diefer Beziehung auch allerhand zu und nehme an, daß kein europäilbher Arbeiter lieh in der pahafiatifchen Rolle eines Kulis wohler fühlen würde als in der feinen. Aber Über allen Schattenfeiten lieht turmhoch der wunderbare Zauber des edlen europäischen Geiftes, der feinden Blüte menschlicher ^Kultur, die wir kennen. Ihn hoffen wir nach Paläftina zu verpflanzen und an feiner Entwicklung nach unferen Fähig* keiten mitzuarbeiten. Ob wir in der Lage find, ihn gegen den Panafiatismus einzutaufchen, wird fich erft fagen lalTen, wenn diefer »in Japan, in Indien oder aber — in Palästina« erschienen ift und wir ihn uns ganz genau befehen haben. ERICH COHN BEREICHERUNGEN DER JUNG JÜDI¬ SCHEN LITERATUR. Bei R. Loewit ift ein Novellenbändchen erfchienen, das fich »Jüdi« fche Bauern/ Gefchichten aus dem neuen Paläftina« nennt und S. Zemach zum Verfafier hat Der Erzähler zeigt uns jene Übergangsmenlchen, die halb1 noch im Galuth, halb fchon bodenftändig in Erez Israel wurzeln. Und er tut das auf eine fchlichte und anfpruchslofe Art. Man merkt bei ihm, daß er nicht Literatur machen will, fondern auf feine Art.Er* lebniffe verarbeitet, die für uns alle von höchftem Interefle find. Man fragt fich allerdings, ob das wirklich durchaus in Novellenform gefchehen mußte. Denn fchließlich reizt diefe Form, einen künftlerilchen Maßßab anzulegen, und wenn man das täte, bliebe nicht viel übrig. Aber bei dem ftarken ftofflichen Inter~ efle, das feine Erzählungen für uns haben, kann man von der künftlerifchen Bewertung abfehen und muß fich mit der Hoff* nung tröften, daß eine fpätere Zeit uns die Dichter befcheren wird, die unfre Stoffe in eine adäquate Form zu kleiden imftande fein werden, Wefentlich anders muß man fich zu einem Produkt verhalten, das gleichfalls bei R. Loewit erlchienea ift, den gefinnungstüchtigen Titel »Die Flucht aus Jerufalem« trägt und einen Herrn Jakob ringermann zum Verfafler hat. Der Verlag hält das »Werk« für eine Bereicherung der jungjüdilchen Literatur und ver~ fiebert, daß man den künftigen Arbeiten des Verfaflers mit Spannung entgegenfehen werde. Für Kenner ift eine Reihe von Exemplaren auf »englifchen Urkundenßoff« gedruckt worden. Nun befteht an fich gewiß kein Grund zur Aufregung, wenn jemand fchlechte Novellen fchreibt, und fchon gar keiner zur Mitteilung diefes Faktums auf den knappen Seiten unferer Zeitfthrift. Jeder kann fchreiben und jeder kann drucken, was ihm beliebt / niemand braucht es zu kaufen oder gar zu lefen. Aber in unferm Falle liegen die Dinge anders. Es befteht in unferm Kreife ein ftarkes Bedürfnis nach »jungjüdifcher« Literatur, das foll hier heißen: nach einer Literatur, die irgendwie aus dem Geift unferer Bewegung geboren oder zumindeft durch ihn beeinflußt ift. Man verfpricht lieh von ihr ebenfofehr eine Bereicherung der jüdifchen Perfönlichkeit wie neue Auffchlüfle über das Eigentümliche und Befondere des jüdilchen Dichters. Es braucht alfo ein Buch nur äußerlich fo aufgemacht zu werden, daß es irgendwie Befriedigung diefes Bedürfnifles verfpricht, und jedes Machwerk, das unter andern Umßänden garnicht erft auf einen Verleger rechnen könnte, gefchweige denn auf Lefer — es findet feinen <und das ift leider: unfern) Kreis. Ich glaube, daß man grade in diefer Situation mit befonderer Gewiflenhaftigkeit und Sorgfalt prüfen müßte, was man uns als »Bereicherung der jungjüdilchen Literatur« vorfetzt und anpreift. Bei den Novellen des Herrn Fingermann liegt die Sache fo, daß eine Diskuffion garnicht entliehen kann,- daß auch der literarilch nicht Gelchulte fofort begreift, daß es fich hier um ein ichülerhaftes Gelchreibfel handelt, das weder mit jüdifch noch auch mit Literatur auch nur das Gertngfte zu tun hat. Und was einen nach der Lektüre ärgert, ift nicht die Unfähigkeit des Verfaflers, fondern eben jene Anpreifung, die unfere heften BedürfnilTe zu einem Gegenftand der Spekulation, gemacht hat. Und nur deshalb verlohnt es fich hier davon zu fprechen. "~ KR. HOLDHEIM « PREUSS: DIE THEO¬ RETISCHEN GRUNDLÄGEN DES ZIO¬ NISMUS; EIN LEITFADEN. (WELT« VERLAG) Die Schrift ift als Leitfaden für Kursleiter gedacht / lie will nicht mehr fein als eine Art ausführlicher Difpofition <nebfi