Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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172 EINZELHEITEN Litcraturangabe) und verseift im übrigen auf das große, umfaflende Werk, das irgendeine Zukunft uns befcheren foll. In Wahrheit aber wird dies Zukunfts* werk niemals geschrieben werden, oder erft dann, wenn es das aktuelle Interefle für unfere Praxis verloren hat, will fagen: wenn die Diftanz zu all unferen Gedankengängen fo groß geworden ift, daß ein vorurteilsfreier und wiflenfehaftlich gefchulter Kopf fie zu einem hiftorifchen Bilde verarbeiten kann. Wenn man aber jetzt fchreibt und fich dabei nicht mit einem Teilproblem begnügt, das dem Gebiete des eigenen Willens oder Interefles befonders entfpricht, fondern es auf Voll* ftändigkeit und Ueberfichtiichkeit anlegt — dann wird man fchwerlich etwas Befleres geben können als das vorliegende „ Büchlein. Natürlich wird bei der Lektüre diefer Schrift ein jeder feine Einwendungen zu erheben haben. Der eine wird fich die Geftaltung der Dispofition etwas anders wünfehen/ der andere wird Kürzungen an diefer Stelle und dafür größere Aus* führlichkeit an jener vorfchlagen. Aber das wäre ein fehr billiges Vergnügen und nichts weiter als ein etwas prahlerifches Infzenefetzen der eigenen Gefcheitheit auf Koften der Verfaßer. Denn das ift es ja gerade, daß wir bisher vor lauter Gefcheitheit nicht dazu gekommen lind, dies wirklich dringend notwendige Buch zu Schreiben. Und gerade darauf kam es an, daß jemand, bei voller Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit, fich ans Werk macht, die ungeheure Fülle des Materials zu bewältigen, zu gliedern und in fchlicht-überfichtlicher Form darzuftellen. Es war ein Wagnis, aber es fcheint mir vollauf gelungen. Ja, einzelne Partien des Buches (gerade im Beginn des zweiten Teils) Scheinen mir in ihrer prägnanten Kürze geradezu vortrefflich. Es fteckt ein erßaunlicher Fleiß in diefer Arbeit. Und das Schöne daran ift, daß diefer Fleiß uns unmittelbar praktifch im reichften Maße zugute kommen wird. Die VerfalTer haben für? uns alle gearbeitet. Für meinen Gefchmack ift es dabei nicht fo erfreulich, daß nun jeder Hansdampf wird einen Kurs geben können — Kursleiter follen doch fchon überlegene Köpfe fein, die zur Aus* arbeitung eines eigenen Schemas fähig find ~, als daß jeder einzelne, wenn er dies Büchlein und vor allem die darin angegebene Literatur ftudiert, davon viel mehr haben wird als von Kurfen, die erfahrungsgemäß immer mittendrin ftecken bleiben. Wir haben alle Veranlaflung, den VerfalTern für ihre Schrift fehr dank* bar zu fein. KR. »Der Jude liebt den Germanen, der Germane den Juden nicht. Das Peinliche an diefem Volke ift, daß fte fich auf dem Wege der Affimilation herandrängen wollen und ihre Verdienfte, die fie übrigens wirklich haben, vorzeigen. Aber Verdienft ift niemals eine Rechtfertigung/ diefe viel* mehr liegt durchaus im Sein, will fagen, in der Gnade. Der Jude erträgt es nicht, unglücklich zu lieben. Aber einige er* tragen es doch. Laßt fie uns aufnehmen, jene Geläuterten, in unfere Gaftfreundfchaft und fprechen wir nicht mehr davon! HANS BLÜHER. In raedias res, Grundbemerkungen zum Menfdien <S. 44, Bern. 59>. Budidrucfccrei Wilhelma R. Saitog *S) Co., Bertis SW.68, Hoilraannstr. 10.