Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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Ift) EINZELHEITEN Die gallifche La-Tene-Kultur ift durch* fetzt mit griechifchen Elementen. Gallilche Stämme benutzen zu Caesars Zeit das griechifche Alphabet1). Ihr Pentagramm gehört wie das Hakenkreuz in den Kreis der altorientalilchen Kultur. Man mag den Zeichen gelegentlich einen neuen Sinn untergelegt haben, aber immer blieben fie fihutzbringende Typen. Die altorien* talifche Weltzeitalterlehre iß auch früh bis nach Skandinavien gekommen2), nur hat man hier das Hakenkreuz bei der Rezeption mit Thors Hammer identifiziert, und durch diefesMißverftändnis ift es wieder in Mode geraten. So ift das Hakenkreuz ein Symbol des Triumphzugs altfemitifcher Kultur durch den größten Teil der alten und neuen Welt! Göttingen HENNER VORWAHL WIR ASIATEN. In einem im Löwitfchen Verlage erfchienenen Büchlein bietet uns Herr Eugen Höflich paläftinenlifche Auf« Zeichnungen unter dem Titel der »Weg in das Land«. Die Aufzeichnungen find in flüffigem Stil gefchrieben — »Bewege nilTe« und »Belange« mülTen wir feufzend hinnehmen als offenbar unvermeidliche Tribute an die Wiener jüdifche Moderne,- wir danken es dem Vcrfafler immerhin, daß er uns wenigftens die »Mentalität« und die »Verwirklichung« erfpart -~ und manche Epifode hat der VerfalTer in an« fprechender Form feftzuhalten verbanden. So könnte man dem Büchlein eine Empfehlung mit auf den Weg geben, wenn es nicht leider Gottes von einer »Idee« durchzogen wäre. Diefe Idee ift die von der Ueberlegenheit des durch uns mit repräsentierten oder wenigftens zurückzuerwerbenden Afiatentums über das korrupte Europäertum. Herrn Höflich liegt es zwar »ferne, grundlofer Gegner alles Europäifchen zu fein«, er erkennt aber, welchen Schaden europäiieher Vordrang den Völkern des Orients an Leib und Seele angetan hat, und darum muß nach feiner Anficht unfer neues Ge* meinwefen »auf einer neuen, Europa fernen, Europa überwindenden Ethik« beruhen. Europa darf keine andere Rolle im Orient zugefprochen werden als die »eines Gaftes, der befcheiden, wie es einem Gafte geziemt, lebt«. Einzig in einem »Belange« hat Europa etwas nach Paläftina zu bringen — nämlich an ärztliehen Fortfehritten und Hygiene. Die *> Dragendorff, Weftdeutfchtand zur Römerzeit, 28. 2> Jeremias, a. a. O. 240. größte geiftige Bewegung aber, die einft ficher kommen wird, wird der »Panafiatis* mus von morgen« fein, »den Afien in Japan, in Indien oder aber — in Paläftina gebären wird«. Es ift Zeit, daß man fich diefen Hum* bug von Europäismus und Aliatismus, der fchon feit längerer Zeit im Zionis* mus herümfpukt, einmal etwas näher an* lieht. Was Europäismus ift, davon kann man fich allenfalls eine pofitive Vor* Heilung machen. Charakteriftifch für das, was wir europäifche Kultur nennen, ift der Glaube an die Persönlichkeit, der Drang nach individueller Entfaltung und die Ueberzeugung von der Einzigartig* keit jedes Menfchen. Diefe Grundlage unferes ganzen geiftigen Lebens ver* danken wir den beiden Gipfelperioden des europäifchen Geifteslebens, dem klaffifchen Griechentum und der Re* nailfance. Sie kann fich kein Volk mehr rauben laffen, wenn es am geiftigen Leben der Menfchheit fruchtbar teilnehmen will. Am wenigften werden wir Juden auf fie verzichten, die wir den Reiz des Individualismus mit Sehnfucht bis zur Neige gekoftet haben. Und was ift der Sozialismus anderes als eine Freiheitsbewegung, die auch dem Sklaven der Arbeit die Entfaltung feines Ichs ermög* liehen will? Wenn man demgegenüber überhaupt von einem einheitlichen Zug der afiatifchen Völker fprechen kann, fo fcheint mir das höchftens in dem negativen Sinne zuläffig, daß ihnen diefe Ent* deckung der Perfönlichkeit nicht gelungen ift. Was heißt im übrigen Afiatentum7 Will man uns wirklich einreden, daß in dem größten aller Erdteile eine ftärkere Einheitlichkeit aller ihn bewohnenden Völker befteht, als fie zwifchen Menfchen überhaupt befteht? -Fühlen wir uns irgendwie dem Japaner verwandt, dem Chinefen oder auch nur dem in Europa immerhin etwas bekannteren Inder? Wer von unferen Afien^Herolden hat eine Ahnung davon, wie es in japanifchen Gehirnen ausfieht? Man zeige uns erft etwas, was alle Völker vom Ural bis zum Stillen Ozean pofitiv mit einander verbindet, ehe man ihnen den Stempel eines »Afiatentums« aufdrückt! Was ift das für eine gottverlaflene Gefchichtsklitterung, die mit Erdteilen, Völkerschaften und geiftigen Bewegungen umfpringt, als ob es Kleinigkeiten wären, die man auf der Hand davontragen kann! Wir willen genau, welche Schattenleiten Europa hat. Ob aber fein Egoismus,