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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 55

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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EiNZELHElfäN m chulin find die Schlachtungen der zum Genufle beftimmten Tiere im Gegenfatze zu den Opfern im Heiligtum. Im Deutfdien die mannigfachften Worte: Fenfter,Flöte,verletzen,entweihen, Wochen* tag, unheilig. In der hebräifchen Sprache dagegen nur die Umdeutungen eines ein* zigen Stammwortes aus drei Buchitaben! Und überall, wo wir hinblicken, der gleiche charakteriftifche Unterfchied! Japhet und Sem! Ein Gleichnis von zwei Meiftern der Töne! Der eine bringt immer neue Melodien hervor und läßt fie in langer Reihe an uns vorüberziehen, ohne viel bei einer von ihnen zu ver* harren und fie auszudeuten! Der andere jedoch vermag nur wenig Motive hervor* zubringen, aber umfo größer ift feine' Kunft, durch dauerndes Umformen aus geringem Stoffe Großes zu bilden, und oft entfpringen aus dem Keime des un« ftheinbarften Motivs die herrlichßen Bäume, wie durch ein Wunder hervorgezaubert! Drei Buchftaben nur bilden einen Stamm, eine Wurzel/ aber das Volk, in deflen Mund diefer Stoff gelegt ift, vermag kraft feines. Denkens zu der Bedeutung diefes Stammes die mannigfachften Dinge in Beziehung zu bringen und ihn zum Stamm für die verfthiedenften Erkheinungen und Begriffe zu machen. Dies hat unfer Volk vermocht, und erft der Jude, der fich wieder diefer Geftaltungskraft von ehedem bewußt wird, wie z. B. ein Achad Haam, vermag in feiner Sprache zu fchaffen! Wir dürfen uns daher nicht damit be* gnügen, einen möglichß großen Wortfehatz anzuhäufen, fondern müffen auch vor allem beftrebt fein, dort, wo wir Worte finden, deren Schreibweife unzweifelhaft auf gemeinfamen Urfprung Ichließen läßt, deren Bedeutungen aber ganz verfchiedenen Gebieten angehören, die Gedankenbrücken zu finden, welche diefe Worte miteinander verbinden, und müffen die Entwicklungs* gefchichte des Wortes aus feinem Urftamm zu erkennen fuchen. Freilich ift dies die Aufgabe der vergleichenden Sprachfor« fthung. Aber auch der Lernende, der mit offenem Auge an die Arbeit geht, ver* mag hier gar leicht manches felbft zu erkennen, Denn in keiner Sprache liegt wohl die Urform, der Urfinn der Worte fo klar und deutlich zu Tage wie im Hebräifcben. LEO OLITZKI DAS HAKENKREUZ. Üppiger als je treibt der Antifcmitismus feine giftigen Blüten,- vornehmlich auch in Göttingen, wo man feine arifche ~ oft recht prolet* arifche -~ Gefinnung durch das Hakenkreuz zur Schau trägt. Das Hakenkreuz, auch Baphometzeichen, Fylfoot, Gnoftikerkreuz genannt, ift faft über die ganze Welt ver~ breitet, von China1) bis zu den Pueblo* Indianern2), und dient als unheilabwehren* des Prophylaktikum. Gewöhnlich wird es auf den indifchen Feuerkult zurückgeführt und foll als Grundform das Sonnenrad der Buddhiften haben, wodurch feine arilche Herkunft manifeftiert fei. Das myftifche Zeichen für die Vierteilung des Kreislaufes ift das Kreuz, das insbefondere das Zeichen der Sonne ift und fich bereits in den älteften Funden von Affur findet <Andree, Anu*Adad*Tempel 29). Weitere Funde aus der Zeit vor 1300 vor unfer er Zeitrechnung machen es wahr* fcheinlich, daß es fich in der elamilchen Kultur wie bei den Hethitern um baby* lonifches Gut handelt. Die Sonne ruft Fülle und Pracht der Erde hervor, fie gilt als Arzt und in ihrer Hand fteht es, den Toten lebendig zu machen.8) Wir ver* ftehen nun, warum in der babylonifih be* einflußten ägyptifchen Religion Isis <mit der Sonne auf dem Haupte) das Henkel* kreuz {Hieroglyphe für Leben) in der Hand hält, das man auch den Toten in den Mund zu legen pflegte, wie fich andererfeits das Hakenkreuz auf Grabfteinen fchon vor Konftantin findet. Die auffällige Verwandt* fchaft der aftronomifchen Lehren behindern, Chinefen und Arabern führt unbedingt zur Annahme einer einheitlichen Herkunft aus Babylonien, da eine folche Ähnlichkeit bei den verfchiedenen geographifchen Breiten nicht anders zu erklären ift. Wie die baby* lonifche Kosmologie mit ihren Zeichen nach Often gewandert ift, hat fie auch den fernften Weften beeinflußt. Die Vermittlung an Griechenland gefchah durch die ägäifche Epoche, aus der uns eine Göttinftatue erhalten ift, in deren Vulva das Haken* kreuz <Prinzip des Lebens) eingefchrieben ift4). Gerade die Kultur des griechifchen Mittelalters iß derart orientalifierend, daß, wie Eduard Meyer6) felbft zugibt, die Entftheidung Ichwer fällt, ob wir es mit griechifchen oder phönikifchen Produkten zu tun haben. In diefe Zeit fällt auch die Übernahme des phönikifch*femitifchen Alphabets durch die Griechen. i> Zeitfdirift des Vereins für Volkskunde 1904, pag. 126. $ Preuß. Jahrbücher 1895, pag. 495. 3> Braig, Rel. Texts II, 3. *> Jeremias, allgemeine Religionsgefchi&te, 210. *) Ed. Meyer, Gebuchte ^Altertums II, 371,

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