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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 52

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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166 TMSCHMANN, DIE EHERNE SCHLANGE Bejt^Hajefihimot/ von Schlangen Geblflene und von Hunden Gebiflene, von Krankheit Gequälte, Beelrückte und Gepeinigte, Blinde, Lahme und Taube, alle diefe kommen oder werden gebracht, und alle diefe opfern auf einem der Altäre oder bringen den Prießern Opfer dar, und ßehen da und knieen und kauern auf der Erde, und ihre Augen erheben fie zu der ehernen Schlange dort oben, fchauen emper und wenden ihren Blick nicht ab —' und werden gefund. Am fiebenten Tage des fünften Monats gegen Mittag kam auch Keturah, die Mutter Dikhons, zu der Schlange, und ihren Sohn brachte fie mit Geh. Owot lag gerade in der glühenden Hitze des Mittags, und der Sand der Erde war zufammengebacken wie Brot im Ofen, glühend und brennend heiß, und es gelchah bisweilen, daß einen Augenblick lang einige Sandkörner aufleuchteten wie goldgelbe Perlen. Das Volk hatte fich vor dem fihreddichen Gluthauch in den Zelten, unter den Geßräuchern und in den Felsfpalten verborgen. Die beiden Quellen, die aus dem Felfen hervorfprangen, waren vertrocknet, und ihr weißer Dampf ftieg auf und verdunßete. Ein Hund ßand an der einen ver* trockneten Quelle/ feine geröteten Augen tränten ohne Unterlaß,- feine Zunge hing heraus und ließ den Speichel herabtropfen ,• plötzlich bellte er,- feine Stimme war entfetzlich fchaurig, und das Echo fiieg von den Bergen der Umgegend auf, einmal, zweimal, dreimal,- dann warf er fich auf die Erde, wälzte fich im Sande, einmal, zweimal, dreimal, fiürmte plötzlich auf einen Baum los und biß feine Rinde in giftigem Zorne ab. — Aber von dem Gipfel jenes Berges, der vor dem Nebo liegt, Ichaut auf die weite Einöde jene Schlange herab, die aus Kupfer gegolTen und an einen Stab mit einer blauen Schnur gebunden iß, und blickt mit funkelnden Augen auf die fthreckliche Stille. Das Weib jedoch führte ihren Sohn vorwärts und fiützte ihn mit der Hand, denn er konnte nicht allein gehen, und fein Antlitz war weiß wie das Antlitz eines Toten/ und als fie mit ihm bis zu den Altären gekommen war, ließ fie ihn auf die Erde niederknien. Da erhob der müde Jüngling feine müden Augen zu der Schlange dort oben, fchaute fie an, und feine Augen erßarrten — da fiürzten feine Tränen hervor, und er erhob feine Stimme und weinte. Seine müden Lippen bewegten fich und flüßerten,- und dann kam auch ein Ton und Worte: »Eherne Schlange! Nicht um Leben habe ich gebeten, fondern nur um ein wenig Liebe. »Einfam und verlaflen bin ich gewefen, eherne Schlange/ etwas Gutes habe ich nicht gefehen. Nichts habe ich gekannt außer meiner Angel im Waffer unef meiner Flöte, in der meine ganze Seele Geh ausdrückte/ aber fie find ßumm und haben mir keine Antwort gegeben. »Dann habe ich jene Jungfrau gefehen — und ich wußte nicht, daß ich gefehen hatte. »Und es war mir, als ob eine Schlange mich plötzlich mit ihrem Zahne beiße — und das Gift langfam, ganz langfam in mein ganzes Blut, in alle Glieder meines Körpers und auch in meine Seele ßröme.

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