Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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FMSCHMANN, DIE EHERNE SCHLANGE Nach vier Tagen jedoch forderte er nachts, als es ganz ßill war, feine Flöte, und man gab fie ihm. Dann blies er auf ihr,« — da verdeckten Geh die Sterne des Himmels und die Bäume des Waldes hörten auf fich zu bewegen, und es klang wie die Stimme eines Weinenden, aber nicht als ob der Mund eines Menfchen klage, fondern fein Herz, in das plötzlich ein Riß gekommen iß, der es zerfpalten hat. Als er zu blafen aufgehört hatte, nahm er feine Flöte, zerbrach fie in Stücke und warf fie von fich, und kauerte in der Ecke des Zeltes auf feinem Platze und ßand nicht wieder auf. Da fchwand fein Fleifch von ihm ganz langfam wie Wachs, und feine Seele regte fich in ihm nur noch wie ein ver* löfchendes Licht und er wußte nicht, was mit ihm gelchah. Jedoch feine Mutter wußte es. » 4* Zu jener Zeit, im vierzigften Jahre nach dem Auszuge der Israeliten aus Ägypten, lagerte das Volk in der Wüfte, fich weithin über die ganze Einöde ausbreitend, das eine Ende des Heeres in Tjje^Awarim und das andere in Zalmonah, in Punon und in Owot, der Reft aber in Diwon«Gad und in Almon^Divlatajinah, ein Stamm hier, der andere dort, getrennt nach ihren Wohnplätzen, Zelten und Hütten. Da kam am dritten Tage des fünften Monats gegen Mittag ein Mann aus Owot, der auf feinem Wege Tjje Awarim berührte. Sein Haupt entblößte er nicht, feinen Gurt und feine Sandalen löfte er nicht, denn er war fehr eilig, und (ciineK und aufgeregt erzählt er all die w nderbaren Dinge, die fich in Owot jetzt zugetragen und die er mit eigenen Augen noch heute morgen gefehen hatte: — eine eherne Schlange hat Mofe an einen hohen Baum gehängt, an einem Banner befefiigt, weit von allen Orten der Wüße aus fichtbar, und jeder Kranke, der dorthin geht, feine Augen zu der Schlange erhebt und fie anblickt, gefundet von feiner Krankheit augenblicklich und bleibt am Leben. Teder hielt feinen Schritt an und hörte das Wunder, ßaunte offenen Mundes und ßand wie verfieinert. Als eine Frau, die am Eingang ihres Zeltes etwas Manna auf einem Feuertopf kochte, der auf zwei dünnen Holzftheiten ßand, die Kunde hörte, erzitterte fie heftig, daß die weiße Speife zu Boden fiel, und fie ßand da, den Holzlöffel noch in der Hand. Ein Greis von einhundertdreißig Jahren, der auf einem Stein faß und fidi wärmte und den ganzen Tag gefchrieen hatte, daß es ihm kalt fei, erhob fich voll Mühe, beeilte fich fortzukommen, das Antlitz nach Owot gerichtet. Als einer von den Nachkommen Levis die Kunde hörte, fiel er plötzlich auf feine Kniee und breitete feine Hände aus und das ganze Volk, das ihn fah, fiel aufs Antlitz und kniete nieder. Auch Keturah, die Mutter Dilchons, vernahm die Nachricht und laufchte der Kunde. Und neue Hoffnung belebte ihr Herz . . . In Owot, das im Gebiete von Moab liegt, war ein reges Treiben. Auf den Felfen und in den Felsfpalten lagerte das Volk, nach Familien getrennt —- und auf dem Gipfel jenes Berges, der vor dem Nebo litgt, flatterte ein Banner, ganz aus Purpur, an einen Maß gebunden,