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Der jüdische Wille · 1919-11-01 · Heft 3 (November 1919) · page 47

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 3 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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7MSCHMÄNN, DIE EHERNE SCHLANGE 161 DIE EHERNE SCHLANGE David Frifchmann, der VerfaflTer der nachfolgenden Erzählung, gehört zur Klaffe der modernen hebräifchen Schrift/teller, die ihre Werke nicht nur in der jüdifthen Kleinftadt fpielen lalTen, Milieufchilderungen des Getthos geben und Getthoprobleme aufrollen, fondern die es für felbltverltändlich halten, auch allgemeine und nicht nur jüdifche Themata in der hebräifchen Literatur zu behandeln, und gerade deshalb dem Gedankenkreis der zioniftifchen Jugend Deutfchlands recht nahe Gehen. Die hier über* fetzte Novelle zeigt diefen Unterfchied zwifchen der Schreibweife eines Perez oder Scholem Alejcfcem und der eben fkizzierten recht deutlich. Frifchmann ilt in der hebräifchen Literatur als Dichter und als Profaift gleich gefchätzt. Ebenfo bedeutend wie auf diefen Gebieten ilt er als Publizift und Kritiker, Seine Kritiken erltrecken fich fowohl auf jüdifche als auch auf nichtjüdifche Gebiete. Einen befonderen Ruf genießt Frifchmann als Überfetzer der berühmten Werke der Weltliteratur ins Hebräilche. In der letzten Zeit hat er, um nur etwas herauszuheben, Teile der Odyflee übertragen und herausgegeben, und eine Überfetzung von Goethes Fauft hat er bereits angekündigt. Frifchmann bevorzugt den alten, klaffifchen Stil, wie wir ihn in der Bibel finden. Das Motiv der »Ehernen Schlange« ift dem IV. Buch Mofes, Kap. 21, VerJ 4—9 entnommen. Dort heißt es: »Da zogen die Israeliten vom Berge Hör weiter auf der Straße zum Schilfmeer, um das Land Edom zu umgehen. Unterwegs aber wurde das Volk mißmutig. Und das Volk führte freche Reden wider Gott und wider Mofe: Habt ihr uns dazu aus Ägypten weggeführt, damit wir in der Steppe umkommen. Es gibt ja weder Brot noch Wafler, und die elende Nahrung widert uns an! Da entfandte Gott wider das Volk die Brandfchlangen, die biflen die Leute, (o daß viele Leute von den Israeliten ftarben. Da kamen die Leute zu Mofe und fpraehen: Wir haben gefündigt, indem wir wider Gott und wider dich redeten,- lege doch Fürbitte bei Gott ein, daß er uns von den Schlangen befreie! Da legte Mofe Fürbitte für das Volk ein. Gott aber befahl Mofe: Fertige eine Brandfchlange und befeftige fie an einer Stange,« wenn dann jemand gebilfen wird und fie anfchaut, fo wird er am Leben bleiben. Da verfertigte Mofe eine eherne Schlange und befeftigte fie an einer Stange,• wenn dann die Schlangen jemanden biflen, und er die eherne Schlange anfchaute, blieb er am Leben.« D. Ü. * Meine Mutter hörte die Gefchichte von ihrer Mutter, diefe wieder von ihrer Mutter, Ahne von Urahne, Gefchlecht von Gefchlecht — und meine Mutter erzählte die Gefdiidite mir. . In den Tagen des großen Kampfes bei Endrei, im 38. Jahre des Zuges der Israeliten durch die Wüfte, war unter den Gefangenen, die die Kinder Israel den Ammoritern an jenem Tage abgenommen hatten, auch ein fremder Jüngling, von hoher Geftalt und fehr fchönem Antlitz, der Sohn einer Midianiterin, mit Namen Difchon. Den ganzen Tag über hatte er die Kriegsgeräte im Lager des Königs Og bewacht, und gegen Abend bei Sonnenuntergang war er gefangen worden. Die Israeliten jedoch erbarmten fich feiner, da er fchön und noch fö jung war, und erfchlugen ihn nicht, wie fie es mit allen andern Männern Bafans, ihren Weibern und ihren Kindern getan hatten, zumal er auch

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