Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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160 BAMBUS, DAS JÜDISCHE WIK UND SEINE JUGEND einerlei, ob ihre Folge phyfifch fichtbar wird oder nicht. Die Frage ift allein, wie lieh die Beziehung zum Höheren wandelt durdi die Beziehung, zu einem Menfdhen. Die Erwachfenen im Bereich beurteilen die Sexualität der Jugend aus dem alten Spruch: Du follß erß lernen und dann heiraten, wenn dies aber dein Lernen fiört, fo magß du erß heiraten und dann lernen. Zur Ehe allerdings kann Jugend nodi nicht fähig fein. Sie, die Bindung für ein Leben ift, wenigftens den Willen zur Dauer in fich begreift, verlangt den Abfchluß der geißigen Welt, die Jugend heißt. Wer eine Ehe eingehen will vor dem Abfthluß des zwanzigßen Jahres, muß die Erlaubnis zum vorzeitigen Austritt aus dem Bereidi erwirken,- eine Erlaubnis, die bisher nur fehr feiten an* geßrebt, noch feltener gegeben wurde«. Alfo Bindungen als Durchgangs* fiadien find erlaubt, ernfier Wille und aufrichtige Hingabe mit dem Wunfche auf Dauer find im Alter bis zu zwanzig Jahren verpönt. Und dagegen erhebt fich kein Protefi aus dem Kreife, dem es gilt? Sollte Goslar <»Die Sexualethik der jüdiföhen Wiedergeburt«) vergebens gemahnt haben? Derart minderwertig und korrupt erfcheint mir unfere Jugend denn doch noch nicht, um diefe Verkündigungen willig hinzunehmen. Bernfeld fpricht davon, die berufstätigen Eltern von der Laß und der Verantwortung der Kindererziehung befreien zu wollen. Nachher will er die Kinder einer fiaatlichen Inßituts^Erziehung anvertrauen, um beiden Eltern die Gelegenheit zur Berufsbetätigung zu geben. Die alte Familie verflache das Niveau der Ehe. Ja, will Bernfeld damit wirklich fagen, daß die Kinder im Haufe, in der Familie das geifiige Niveau herabdrüdken?! Oder erfährt nicht erß durch die Kinder im Haufe, die der Familienfürforge anvertraut lind, das Eheleben die unerfchöpfliche Tiefe? Vom Säuglingsalter an wachfen bei Bernfeld die Kleinen in Heimen und in Jugendbereichen auf. Welcher Vater wird je fein Kind lieben und verßehen können, wenn er nicht feinem Wachstum im fiillßen und intimfien Kreife folgen konnte? Und die Frauen! Welchen Platz nehmen fie ein im IdeaUErziehungsßaate? Bernfeld öffnet der kralfeßen Verantwortungslofigkeit und dem ärgßen Egoismus Tür und Tor. Werden fich je Mütter bereit finden, ihren natürlichfien und edelfien Aufgaben zu entfagen und darauf verzichten, auch im geifiigen Sinne ihre Mütterlichkeit auszuüben? Kann denn die Familienerziehung nicht vertiefi, ausgebaut und veredelt werden, der jungen Generation wie den Eltern zum Segen? Dann ließe fich über die einzuklagenden Wege diskutieren. Das Leben nämlich läßt fich nicht vergewaltigen, die Mütter und Väter werden proteßieren. Ihr jüdifihes, eingebornes Urgefühl zum Kinde, ihre Aufopferungsfähigkeit und ihr Familienfinn werden nicht zulaffen, die Kinder vom zarteßen Alter an in Gemein* ßhafts^Erziehung zu geben. Selbß dann nicht, wenn wir ein reiches Volk wären! Alles in allem: Bernfeld, der Rechner am Schreibtilch, erinnert an jenen Palmßröm, der die »Gefetzesbücher« prüfie und auf Grund diefer Prüfung die Wirklichkeit ablehnt, »Weil fo fdiließt er meflerfcharf, Nidit fein kann, was nicht fein darf«. Uimig ELTRIEDE BAMBUS