Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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BAMBUS, DAS JÜDISCHE VOLK UND SEINE JUGEND 159 bau Paläftinas eine folche Perfönlichkeit befchieden fein! Männer der Tat! Was frommen uns Bücher voll Emphafe und Überfchwang? Nur das Leben kann bekehren.*) Im Anfang des Bernfeldfdien Buches war das Wort, auch am Ende bleibt einem nur der übleNachgefchmack eines blutleeren, literarilchenErzeugniffes. Ich fehe von der ganzen Erziehungsmethode ab, die ja nur den europäifchen BedürfnilTen entfprungen iß, und empfehle die Original* Werke der Pädagogen, auf die Bernfeld fußt, zu lefen. Was alles an feinem Entwurf auf jüdilchen Werten baliert, was z. B. unferer altjüdifchen Jugend angepaßt fein foll, iß mir unerfindlich. Eine natür* liehe, ßetige Entwicklung aus dem Fundament des Befiehenden iß nicht erkennbar. Im Einzelnen auf Bernfelds Ausführungen ein* zugehen, ergäbe von neuem ein Buch. Ich will nicht Stellung nehmen zu »den Jugendbereichen« als den Vorausfetzungen einer normalen Jugenderziehung. Ich nenne fie weltliche Klößer und ihr Produkt Inzucht. Klöfier find zumindeß unjüdifch. Am Leben wollen wir uns erproben. Die innere Heiligkeit und Reinheit erlangt die Jugend nie durch Abfperrungsmaßregeln und einen völlig gekünßelten Aufbau ihrer Lebenshaltung, der allem gefunden Menfchenverfiande widerfpricht. Leider iß unfere Jugend fdhon derart verbildet, daß fie gedanken* und willenlos folgt, wenn einer nur die Form beherrscht und alles in Er* habenheit dahinfchmilzt. Mir fcheint, daß Bernfeld fein Buch in höchßer Haß niedergefchrieben hat. Es iß fonß nicht faßbar, wie einem ernfien Menfchen Vorfchläge mit unterfchlüpfen konnten, wie es die auf fexuellem Gebiete find. Er hat nur ein paar Zeilen für diefen Kernpunkt alles Menlchentums übrig, er geht mit ein paar Phrafen über das fchwierigße Problem hinweg, an dem kein junger Menlch fich mit Worten allein Genüge tun kann, mag er fonß noch fo verbildet fein. Herr Dr. Bernfeld weiß, daß er als Führer bewertet wird, daß ein großer Teil der Jugendlichen von ihm in blinder Er* gebung — die fo gepriefene öefolgfchaft und das Führertum! — Hilfe und Heil erwartet. Ich frage ihn, ob es ihm Ernß iß mit feinen Vorfchlägen, daß z. B. jeder Jugendliche Kinder in die Welt fetzen darf, deren »Aufzucht« der Staat übernimmt? Auf S. 105 heißt es: »Es kommt nicht allzu feiten vor, daß Mädchen im Jugendbereich die natürliche Frucht einer innigen Beziehung emp* fangen. Im allgemeinen wird diefes Mädchen als erwaefafen betrachtet und Icheidet aus dem Jugendbereich aus. Doch keineswegs immer. Wenn beßimmte Gründe ihr oder der Gemeinfchaß dies wünkhenswert erfcheinen laflen, fo überfiedelt fie ins Mütterheim des Bereiches, das fifaon wegen der erwachfenen Frauen nirgends fehlt. Dies wird als fo natürlich betrachtet als es iß. Bewertung erfährt nicht die Tatfache der Empfängnis, fondern das Verhältnis zwilchen den Partnern als folches, vom felben Standpunkt, von dem aus jede menfehliche Be* Ziehung bewertet wird und insbefondere jede fexuelle oder erotifche, •> Der Holländer fleht natürlich nur als ein Beifpiel da. Es gibt in jedem Lande Pädagogen, die anftatt Bücher zu fchreiben durch das praktische Vorbild wirken.